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Mein GTD-Workflow

05 Mai 2016
5. Mai 2016

Wir führen heute meist recht komplexe Leben mit zahlreichen Verpflichtungen und Aufgaben, sei es im Beruf, bei der Ausübung von Hobbys, in der Freizeit oder mit der Familie. Dazu kommen die hoffentlich zahlreichen Einfälle, Ideen und Pläne, die einem im Laufe des Tages so durch den Kopf gehen. Das menschliche Gehirn ist aber nicht besonders gut darin, sich dies alles lückenlos zu merken und nichts wichtiges zu vergessen. Daher beschäftige ich mich seit fast zehn Jahren mit den Themen Aufgabenverwaltung und Projektplanung. Ich orientiere mich dabei weitgehend an einer Methode, die als „Getting Things Done®“ (GTD®, Wikipedia-Artikel dazu) bekannt ist und von David Allen entwickelt wurde und wird. Sein kürzlich aktualisiertes Buch hierzu sei allen empfohlen, die tiefer in die Thematik einsteigen möchten.

„Your mind is for having ideas, not holding them.“
– David Allen

Eine kurze Vorbemerkung noch: Nicht alle in diesem Artikel vorgestellten Software-Lösungen sind plattformübergreifend. Natürlich gibt es zu allen Komponenten auch mehr oder weniger gut funktionierende Alternativen. Wichtig ist dabei, dass man mit den entsprechenden Werkzeugen gut klarkommt, denn nur dann wird man sie auch dauerhaft und gerne nutzen. Nach meiner Erfahrung kann man GTD allerdings nicht mit nur einem Programm erschlagen, Aufgabenverwaltung ausschließlich mit Hilfe von Kalender und/oder E-Mail-Inbox (habe ich alles schon gesehen) funktioniert mehr schlecht als recht.

Eine der Grundideen von GTD ist, dass alle Aufgaben, Projekte, Ideen usw. aufgeschrieben werden. Damit wird der Kopf frei für das Erledigen von Dingen und natürlich auch für Neues. Zusätzlich wird einem die mentale Last genommen, etwas wichtiges zu vergessen oder zu übersehen, was zu einer inneren Ruhe und Entspannung beiträgt, so dass man sich auf das konzentrieren kann, was momentan wichtig ist. Dazu sind fünf grundsätzliche Schritte nötig, von denen ich zunächst vier anhand meines eigenen Workflows erläutern möchte, den ich mal als Flussdiagramm aufgezeichnet habe. Jeder Schritt hat eine eigene Farbe im Diagramm.

Mein aktueller GTD-Workflow

Mein aktueller GTD-Workflow – bitte anklicken für größere Version

Mit der Erfassung (gelb) fängt alles an. Das ist natürlich, wenn man noch kein System hat, einen Haufen Arbeit, später im Alltag aber eigentlich banal. Das System ist nur praktikabel, wenn es vollständig ist, ansonsten wird man ihm früher oder später nicht mehr vertrauen und es wird schnell veralten. Wichtig ist daher auch, dass die Erfassung schnell und einfach ist und überall erfolgen kann. Es gibt verschiedene Wege in mein System. Da wären zunächst einmal die physikalischen Inboxen. Hierunter fallen die Briefkästen zu Hause und im Büro, mein Eingangskorb im Büro für Dokumente, die ich von meinen Kollegen bekomme, und Notizblöcke an allen strategischen Stellen, einschließlich Dusche (verrückt, ich weiß), damit kein Gedanke verloren geht, denn ich verdiene mein Geld im wesentlichen mit Kopfarbeit.

Aqua-Notes, wasserfester Notizblock

Wasserfeste Notizzettel in der Dusche

Immer wichtiger werden heutzutage natürlich die virtuellen Inboxen. Darunter fallen bei mir E-Mails, Messenger-Nachrichten, die Leselisten in Safari und Pocket sowie meine Notiz-Apps. Für die schnelle Erfassung nehme ich gerne „Drafts“ (iTunes-Link), ein Programm für Notizen, welches gleich mit einem leeren Notizzettel startet und zahlreiche Weiterverarbeitungsmöglichkeiten bietet. Bei der Erfassung kommt auch zum ersten Mal meine Aufgabenverwaltung „OmniFocus“ (Mac und iOS) ins Spiel, denn auch diese bietet natürlich eine Inbox an, die man unter iOS sogar mit Hilfe von Siri befüllen kann. Ich bin seit Jahren ein großer Fan von OmniFocus, da dieses Programm quasi mit GTD im Hinterkopf entworfen wurde und spezielle Funktionen dafür anbietet. Ich habe OmniFocus in einem meiner ersten Blog-Artikel ausführlicher vorgestellt. Hervorragend ist auch die Seite „LearnOmniFocus“ (Link, Englisch, für einige Inhalte ist eine Mitgliedschaft erforderlich), die OmniFocus- und GTD-Themen in vielen Videos abhandelt und der ich selbst viele Tipps entnommen habe.

Im zweiten Schritt (im Diagramm türkis unterlegt), der zeitlich durchaus getrennt vom ersten ablaufen kann, wird geklärt, um was es sich da eigentlich handelt, was im Eingang liegt, um dieses dann im dritten Schritt (grün unterlegt) in das System einzuordnen. Die Grenze zwischen Schritt 2 und 3 kann hierbei manchmal fließend sein. Ein Termin, wie ein Besuch beim Arzt oder Frisör landet natürlich im Kalender. Triviale Alltagseinkäufe wie Brot und Butter landen in meiner Einkaufs-App „AnyList“ (iTunes-Link), weil diese dafür optimiert ist und ich Dinge wie „Milch kaufen“ nicht in OmniFocus neben Aufgaben wie „neue Marketingstrategie entwickeln“ haben möchte (größere Einkäufe, die z.B. eine Recherche erfordern, wandern aber durchaus tiefer ins System). Auch das Lesen nicht-dienstlicher Bücher oder das Anschauen von Filmen zu meiner Unterhaltung landen nicht in OmniFocus, sondern in einer entsprechenden Liste von Apples Erinnerungs-App. Bei dem, was dann noch übrig bleibt, lautet die zentrale Frage: ist es eine ausführbare Sache?

Falls das nicht der Fall ist, stellt sich natürlich erstmal die Frage, ob diese Sache überhaupt noch benötigt wird. Vielleicht lag sie ja schon ein paar Tage in meiner Inbox und ist inzwischen unwichtig geworden, dann kann an dieser Stelle gleich die Entsorgung erfolgen. Ist es nach wie vor relevant, kann es sich um Referenzmaterial handeln, also etwa Unterlagen oder Daten, die zu einem Projekt gehören, aber keine unmittelbare Aufgabe darstellen wie z.B. die Gesprächsmitschrift einer Kundenbesprechung. Diese landet dann in der Notiz-App, bzw. bei physikalischen Dingen in einem entsprechenden Ordner, einer Hängemappe o.ä. Handelt es sich nicht um Referenzmaterial, sondern um eine Idee, gibt es zwei Möglichkeiten. Vage Ideen, also Dinge, die ich vielleicht mal irgendwann tun möchte (z.B, eine Weltreise), landen in der sogenannten „Someday/Maybe“-Liste. Hierfür nutze ich Trello, ein webbasiertes, wie ich finde sehr übersichtliches, Projektmanagement-System, welches einen listenbasierten Ansatz hat und die meisten Funktionen kostenlos anbietet. Konkrete Ideen sowie kurz- und mittelfristige Ziele (beruflich und privat) landen zunächst in einer Ideenliste, von wo aus ich sie als berufliche oder private Ziele auf Monats- (beruflich) und Quartalslisten (privat) verschiebe (alles ebenfalls in Trello). Praktischerweise bietet Trello übrigens auch iPhone und iPad-Apps (iTunes-Link).

Bei ausführbaren Dingen stellt sich erneut zuerst die Frage, ob die Sache noch relevant ist, bzw. ob ich sie überhaupt machen möchte. Es besteht heutzutage leicht die Gefahr, sich zu viel vorzunehmen, so dass die wichtigen Dinge im Leben zu kurz kommen. Daher ist an diesem Punkt im Ablaufschema eine gute Stelle, um einfach auch mal NEIN zu sagen.

„You can do anything, but you can’t do everything.“
– David Allen

Dauert die Aufgabe weniger als zwei Minuten, lohnt der Aufwand nicht, sie in die Aufgabenverwaltung aufzunehmen. Sie wird dann sofort erledigt und ist damit raus aus dem System (2-Minuten-Regel in GTD). Als nächstes stellt sich insbesondere im beruflichen Umfeld die Frage, ob die Aufgabe bzw. das ganze Projekt (oder zumindest Teile davon) delegiert werden kann oder muss. In diesem Fall reiche ich sie an die zuständige Person weiter. Wenn es sich dabei um etwas handelt, in das ich nach wie vor involviert bin, trage ich in OmniFocus eine Aufgabe ein, mich bei der betreffenden Person nach dem Stand in dieser Sache zu erkundigen. Diese „Nachhak-Aufgabe“ bekommt in OmniFocus einen sogenannten Warten-Kontext, der dafür sorgt, dass sie nicht in der Liste meiner aktuell verfügbaren Aufgaben auftaucht. Dennoch kann ich über eine Warten-Perspektive (Perspektiven sind nutzerdefinierte Ansichten auf das System, s.u.) jederzeit eine Liste mit allen Dingen, auf die ich aktuell warte, einsehen. Ich kann hier an dieser Stelle leider nicht auf die Einzelheiten und Feinheiten von OmniFocus eingehen, dies würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher möchte ich erneut auf meinen OmniFocus-Artikel verweisen, indem zumindest die Grundkonzepte erläutert sind. Aber es sind u.a. Funktionen wie diese, welche OmniFocus in einem GTD-System so wertvoll machen.

Übrig bleibt nun alles, was ich selber machen muss und länger als zwei Minuten dauert. An dieser Stelle ist eine letzte Frage zu beantworten: Handelt es sich um eine Aufgabe oder um ein Projekt? Der Projektbegriff ist heute schon öfter gefallen. Ein Projekt ist schlicht und ergreifend alles, was aus mehr als einer Aufgabe besteht. Eine Aufgabe sollte hierbei eine klar umrissene Sache sein, die einen dem Ziel des Projekts näher bringt. Entscheidet man sich dafür, dass es sich um ein Projekt handelt, sollte man auch gleich mindestens eine Aufgabe für dieses Projekt festlegen. Damit ist sichergestellt, dass alle Projekte voranschreiten können und jederzeit klar ist, was die nächsten Aufgaben im System sind. OmniFocus kennt auch sogenannte Einzelaufgaben-Projekte („single action lists“), unter die man Aufgaben thematisch zusammenfassen kann, obwohl sie streng genommen kein Projekt bzw. ein Dauerprojekt sind wie z.B. „Wartungsarbeiten Wohnung“. So findet alles seinen Platz. An dieser Stelle versehe ich Projekte und Aufgaben auch mit Kontexten, evtl. Zurückstellungs- und Fälligkeitsterminen und ggf. Wiederholungsintervallen oder Markierungen. All dies sind wichtige Funktionen von OmniFocus, die bei der Auswahl der zu erledigenden Aufgaben helfen, der vierte Schritt (im Diagramm rot unterlegt).

aktuelle Projektstruktur in OmniFocus

Aktuelle Projektstruktur. OmniFocus erlaubt die Strukturierung von Aufgaben in Ordner, Projekte und Gruppen. Zur Erstellung der initialen Struktur ist es empfehlenswert, eine Mindmap mit den eigenen Lebens- und Aufgabenbereichen anzulegen und diese dann in eine OmniFocus-Struktur zu gießen. Im wesentlichen unterscheide ich zwischen persönlichen und dienstlichen Projekten. Wartungsaufgaben, die dazu dienen, mein Computer- und GTD-System aufrecht zu halten, befinden sich innerhalb von Projekten unterhalb des gesonderten Ordners „Wartung“.

Kontexte können z.B. Energielevel sein (wie leichte Aufgabe oder Fokussierung erforderlich), Personen, die zur Erledigung anwesend sein müssen, oder Orte, an denen man sich zur Abarbeitung aufhalten muss. Erhält eine Aufgabe (oder ein Projekt) ein Zurückstellungsdatum, taucht sie/es erst dann in der Liste meine verfügbaren Aufgaben auf, so dass ich damit erst „belastet“ werde, wenn es relevant ist. Fälligkeitsdaten setze ich sehr sparsam ein und nur dann, wenn die Aufgabe wirklich zwingend bis zu einem bestimmten Datum erledigt sein muss. Wenn von zehn Aufgaben für einen Arbeitstag acht ein Fälligkeitsdatum haben, macht dieses wenig Sinn. Schließlich kennt OmniFocus sich wiederholende Aufgaben (oder Projekte), die sich nach Abschluss erneut z.B. mit einem neuen Zurücksstellungsdatum anlegen. Solche Dinge gibt es zuhauf in meinem System und OmniFocus ist sehr flexibel, was die Wiederholungszeiträume betrifft. Um eine Aufgabe hervorzuheben, kann sie in OmniFocus markiert werden, so dass sie farblich gekennzeichnet wird. Mehrere Prioritätsstufen kennt OmniFocus allerdings nicht, es würde mir aber auch schwerfallen, jedesmal zu entscheiden, ob eine Aufgabe Priorität A, B, C, D oder E hat (was wäre z.B. der Unterschied zwischen C und D?).

Kontexte in OmniFocus

Aktuelle Kontextstruktur. Genau wie Projekte können auch Kontexte in OmniFocus verschachtelt sein. Die grauen Kontexte ganz unten sind im Wartezustand, alle Aufgaben mit diesen Kontexten gelten als nicht verfügbar, was nützlich ist, wenn ich z.B. auf die Zuarbeit einer anderen Person warte.

Mit Hilfe dieser „Meta-Daten“ und der bereits erwähnten Perspektiven fällt es leicht, die nächste zu erledigende Aufgabe auszuwählen. Schon der Kontext (bei mir häufig ein Energielevel) und das Zurückstellungsdatum schränken die Auswahl in der Regel enorm ein. Durch Perspektiven wie „Persönlich“ oder „Visisoft“ (also privat bzw. beruflich), die auf Ordnern beruhen, in denen sich das zugehörige Projekt befindet, wird die Auswahl noch weiter reduziert. Auch für „fällig oder markiert“ habe ich eine allgemeine, berufliche und private Perspektive. An dieser Stelle spielt ein GTD-System seine Stärken voll aus. Wenn ich weiß, dass ich bis zum nächsten Termin eine Stunde freie Zeit habe, kann ich in weniger als einer Minute entscheiden, welche Aufgabe(n) ich bis dahin erledige, statt 15 oder mehr von den 60 Minuten mit überlegen zu verbringen, was denn so zu machen wäre. Auf Arbeit hat es sich bewährt, mir zum Tagesanfang die Liste der verfügbaren dienstlichen Aufgaben anzeigen zu lassen und die Aufgaben zu markieren, die ich an diesem Tag erledigen möchte. Für den restlichen Tag kann ich dann einfach mit der Perspektive „Visisoft, fällig oder markiert“ arbeiten.

Meta-Daten für ein OmniFocus-Projekt

Typische Meta-Daten für ein OmniFocus-Projekt, in diesem Fall das monatliche Review meines GTD-Systems (s.u.).

Der fünfte und letzte Schritt eines und meines GTD-Systems befindet sich nicht im Diagramm, ist aber enorm wichtig, nämlich das Review des Systems. Durch Reviews wird das System an allen Stellen im Diagramm aktuell und relevant gehalten. Reviews finden bei mir in unterschiedlichen Intervallen statt (täglich morgens, täglich abends, wöchentlich, monatlich und jährlich) und sind jeweils ein sich entsprechend wiederholendes Projekt in meiner Aufgabenverwaltung. Die wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Reviews sind natürlich umfangreicher als die täglichen. Morgens schaue ich mir nur die verfügbaren Aufgaben und den Kalender für die nächsten Tage an. Abends verarbeite ich, was in den wichtigsten Inboxen noch übrig ist (verarbeiten meint hier im GTD-Sinne klären und einordnen), werfe nochmal einen Blick auf die verfügbaren Aufgaben, schaue mir die morgen verfügbaren Aufgaben an und lege die/das Schlüsselprojekt(e) für den nächsten Tag fest. Auch dafür habe ich natürlich jeweils eine OmniFocus-Perspektive.

Aktuelle Perspektiven in OmniFocus

Aktuelle Perspektiven in OmniFocus. Eine Perspektive ist eine individuell zusammengestellte Teilansicht auf das Gesamtsystem, die nach verschiedensten Kriterien erfolgen kann, wie Kontexte, Ordner, Suchbegriffe, Verfügbarkeitsstatus, Markierung usw. Diese Funktion ist sehr mächtig, da sie eine riesige Aufgabendatenbank auf das momentan wesentliche beschränken kann. Perspektiven erfordern übrigens die Pro-Version von OmniFocus.

Das wöchentliche Review ist umfangreicher, so dass ich mir dafür im Kalender einen Termin blocke. Es umfasst die Durchsicht des Kalenders für die nächste(n) Woche(n), die Durchsicht der Warteliste (muss ich jemanden an etwas Delegiertes erinnern?), das Verarbeiten sämtlicher Inboxen (gelbe Bereiche im Diagramm), ein Review aller zeitnahen persönlichen und beruflichen Ziele und Ideen in Trello sowie die Durchsicht aller Projekte in OmniFocus, die für ein Review „fällig“ sind. Letzteres beruht auf einem weiteren Feature von OmniFocus, welches das Festlegen eines individuellen Review-Zeitraums pro Projekt ermöglicht. In einer speziellen Review-Ansicht kann man nur die Projekte anzeigen lassen, für die der Review-Zeitraum überschritten ist. Für jedes dieser Projekte überlege ich dann, ob es noch relevant ist, ob die enthaltenen Aufgaben geändert werden müssen oder welche zusätzlichen Schritte erforderlich sind, um es voranzutreiben. Je nach Projekt schwanken die Review-Intervalle bei mir zwischen einer Woche und mehreren Monaten. Wird ein Projekt als überprüft markiert, beginnt das Review-Intervall von vorn.

Das monatliche Review verlässt diesen – ich nenne ihn mal – Basislevel und betrachtet das System von weiter oben. Hier schaue ich mir (zumindest für das aktuelle Jahr) alle persönlichen und beruflichen Ziele an, sortiere die aus, die ich nicht weiterverfolgen möchte, schaffe Projekte, um die wichtigen Ziele weiter voranzutreiben, usw. Auch ein Blick auf die „Someday/Maybe“-Liste (s.o.) gehört zu diesem Review. Das jährliche Review, hierfür nutze ich meist die „Weihnachtspause“, ist noch weiter oben angesiedelt, mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr (welche Ziele wurden erreicht?) und der Perspektive für das nächste und die kommenden Jahre.

So, ich hoffe, dass in diesem Artikel die ein oder andere Anregung dabei ist, und stehe über die Kommentarfunktion gerne für Fragen, Anregungen und Feedback zur Verfügung.

Disclaimer: GTD und „Getting Things Done“ sind Marken der David Allen Company, zu der dieses Blog in keinerlei Beziehung steht.

OmniFocus 2 für Mac

25 Mai 2014
25. Mai 2014

Lange angekündigt und entwickelt, nach den ersten Betas nochmal komplett überarbeitet und mit vielem, was wir schon in den iOS-Versionen gesehen haben ausgestattet, ist es diese Woche endlich veröffentlicht worden, OmniFocus 2 für den Mac. OmniFocus ist eine umfassende Aufgabenverwaltung, mit der sich auch GTD – „Getting Things Done“, eine bekannte Selbstmanagement-Methode von David Allen – umsetzen lässt. Das Programm kann sehr flexibel an die Bedürfnisse des Benutzers angepasst werden und besitzt viele durchdachte Funktionen, die es erlauben, nur die Aufgaben anzuzeigen, welche gerade in einer bestimmten Situation, einem bestimmten Ort oder einem Moment sinnvoll sind. Die App ist auch für das iPhone und das iPad erhältlich. Ich nutze OmniFocus seit 2009 und habe bereits mehrfach darüber berichtet (hier ein Link zu einer umfangreicheren Vorstellung der ersten Mac-Version, einer meiner ersten Blog-Artikel übrigens). In dem genannten Artikel werden auch einige Grundkonzepte von OmniFocus, wie z.B. Kontexte erläutert, die ich an dieser Stelle nicht wiederholen möchte.

OmniFocus ist aus meinen Workflows nicht mehr wegzudenken und läuft praktisch die ganze Zeit. Daher war ich natürlich sehr neugierig auf die 2er-Version und bin noch während der privaten Beta-Phase von Version 1 (man kann beide Versionen auch parallel nutzen) umgestiegen, ohne auch nur einmal zurückzuschauen.

Was ist neu? Als erstes fällt sofort auf, dass die Benutzeroberfläche komplett überarbeitet wurde. OmniFocus sieht jetzt wie ein modernes Mavericks-Programm aus und steht vom Design betrachtet z.B. den neuen iWork-Apps von Apple in keinster Weise nach. Auffällig ist, dass ganz links eine neue Navigationsleiste hinzugekommen ist:

OmniFocus2 1

Sie dient zur Umschaltung zwischen den einzelnen Ansichten, wie Projekten, Kontexten und Reviews. Genial ist, dass man hier auch ausgewählte Perspektiven ablegen kann (man kann in OmniFocus jede Ansicht, die man sich zusammengestellt hat – z.B. eine Auswahl an Kontexten inklusive Ansichts- und Sortieroptionen – als sogenannte Perspektive speichern und genau diesen View schnell wiederherstellen). Hier gibt es übrigens ein schönes Set mit Perspektiven-Icons, die zum neuen App-Design passen. Die obere Toolbar enthält jetzt nur noch Aktionen, eine durchaus sinnvolle Trennung im Vergleich zu früher, wo sich alles in der oberen Toolbar befand. Man sieht im ersten Screenshot auch, dass der Inspektor nun auf der rechten Seite fest integriert ist – ähnlich wie bei Pages, Numbers oder Keynote. Er bezieht sich inhaltlich nun immer auf das jeweils ausgewählte Element, also das Projekt, den Kontext oder die Aufgabe. Auch die Darstellung der Aufgaben selbst hat sich geändert, die Checkbox zum Abhaken ist nun beispielsweise nach rechts gewandert und wurde durch einen Kreis ersetzt, der je nach Fälligkeit verschiedene Farben haben kann. Sich wiederholende Aufgaben werden durch drei Punkte im Kreis dargestellt. Diese Funktionalität war bereits in der neuen iPhone-App zu finden.

Ebenfalls aus iOS kommt die neue Vorschau-Ansicht, die in einer Kalender-basierten Darstellung Aufgaben mit Fälligkeitsdatum anzeigt. Wer möchte, kann sich dort zusätzlich seine Termine aus der Kalender-App anzeigen lassen, wobei detailliert festgelegt werden kann, welche Kalender angezeigt werden sollen.

OmniFocus2 2

Allein für diese praktische Ansicht lohnt sich IMHO schon das Update. Auch die Review-Ansicht wurde überarbeitet und ist nun ähnlich komfortabel wie bei der iPad-Version, die ich daher bisher bevorzugt für Reviews verwendet hatte. Eine regelmäßige Überprüfung aller Aufgaben und Projekte ist fester Bestandteil von GTD, wird aber nur von den wenigsten Aufgabenmanagern unterstützt. In OmniFocus lassen sich sogar für jedes Projekt individuelle Review-Zyklen festlegen.

Neu und überaus praktisch ist die Quick-Open-Funktion. Durch Klick auf das Quick-Open-Icon oder durch die Tastenkombination Cmd-O öffnet sich ein kleines Zusatzfenster, mit dem man nach Projekten, Ordnern, Kontexten oder Aufgaben suchen kann.

OmniFocus2 3

Ähnlich wie bei Google oder Alfred wird nach jedem getippten Buchstaben das Suchergebnis aktualisiert. Der gewünschte Eintrag kann optional auch in einem neuen Fenster geöffnet werden, damit die aktuelle Ansicht erhalten bleibt.

Endlich unterstützt OmniFocus auch das Notification-Center von OS X und zeigt dort fällige oder bald fällige Aufgaben an. Workarounds über Growl sind somit hinfällig.

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OmniFocus kommt nun in einer Standard- und einer Pro-Version. Nur die Pro-Version enthält die bereits erwähnten Perspektiven, AppleScript-Support sowie die Möglichkeit die App auf ein Projekt zu fokussieren und alle anderen Dinge auszublenden. Sie ist bei der OmniGroup direkt oder im Mac-App-Store erhältlich, hier ist die Pro-Version ein In-App-Kauf. Dies war das erste kostenpflichtige Update seit 2009 für mich, daher ging der Update-Preis von rund 40 USD von OmniFocus 1 auf OmniFocus 2 Pro absolut in Ordnung, insbesondere für eine App, die eine so zentrale Rolle in der Arbeits- und Lebensplanung spielt. Die zuverlässige Sync-Funktion zwischen anderen Macs und iOS-Geräten auch mit einer selbstgebauten Wolke ist selbstverständlich nach wie vor enthalten. Momentan liegt OmniFocus 2 nur in englischer Sprache vor. Es ist leider ein Trend bei vielen Firmen geworden, die Übersetzungen erstmal weg zu lassen, um schneller auf den Markt zu kommen. Bisher hat die OmniGroup jedoch die deutschsprachigen Fassungen immer nachgeliefert.

Weitere Infos zur App sind u.a. auf der Produkt-Homepage zu finden.

Dispatch – Inbox Zero mit dem iPhone

12 Okt 2013
12. Oktober 2013

Vor fast zwei Jahren habe ich mit „Inbox Zero“ eine Methode vorgestellt, mit der sich E-Mails zügig abarbeiten lassen, damit unser Posteingang schnell leer wird. Zum besseren Verständnis des heutigen Beitrags ist es sinnvoll, sich mit dieser Arbeitsweise, will sagen dem verlinkten Artikel, nochmal kurz vertraut zu machen, falls man sie sich noch nicht angeeignet hat. Mailboxen eignen sich schlecht als Aufgabenlisten, da insbesondere bei längeren E-Mails der Kern einer Nachricht bzw. der Teil, aus dem sich eine Aufgabe ergibt, bei jedem Lesen neu erfasst werden muss. Das Abarbeiten einer Inbox ist nicht so schwer wie es zunächst vielleicht scheint, da es pro Nachricht nur wenige Dinge sind, die mit ihr passieren können:

  • Löschen/Archivieren
  • Delegieren
  • Beantworten
  • Aufschieben
  • Erledigen

Verinnerlicht man diese Vorgehensweise ist schnell entschieden, was mit einer Mail zu tun ist. Haben wir allerdings nur unser iPhone zur Hand ergibt sich das Problem, dass die mitgelieferte Mail-App nicht optimal für diesen Workflow geeignet ist. So ist es beispielsweise recht aufwändig aus einer E-Mail eine Aufgabe in OmniFocus, dem Aufgaben-/GTD-System meiner Wahl, zu machen. Hier kommt die App „Dispatch“ (derzeit 4,49 € im App Store, benötigt iOS 7) ins Spiel, die genau auf die einführend genannten Dinge ausgelegt ist. Es handelt sich nicht um ein vollständiges Mail-Programm, da nur Zugriff auf die Inbox(en) besteht. Dafür ist aber alles vorhanden, diese schnell gen Null zu bringen.

In der E-Mail-Liste, die man mit einem Umschalter unten auf ungelesene oder markierte Mails beschränken kann, kommt man durch Wischen von rechts nach links auf einem Nachrichteneintrag zu einer Icon-Leiste mit fünf Aktionen (s. Titelbild oben). Von links nach rechts können wir hier

  • den Lesestatus zwischen gelesen und ungelesen hin- und herschalten
  • eine E-Mail markieren bzw. die Markierung wieder aufheben
  • die E-Mail archivieren (welcher Mail-Ordner unser Archiv ist, wird in den Einstellungen festgelegt)
  • die E-Mail verschieben (in einen „Schnellverschiebeordner“, der ebenfalls festgelegt werden kann, oder in einen beliebigen anderen Ordner)
  • die E-Mail löschen

Nach dem Löschen oder Archivieren wird für kurze Zeit ein Rückgängig-Knopf angeboten, falls man im Eifer des Gefechts einen Fehler gemacht hat, was eine gute Idee ist. Wir können übrigens in der Liste auch noch weiter nach links wischen, dann wird die sogenannte Schnellaktion ausgeführt, die mit „Archivieren“, „Als Spam markieren“ oder „Löschen“ belegt werden kann. Da es für zwei dieser Aktionen ja schon ein Icon in der Leiste gibt, hab ich mich für den Spam entschieden, was sich als recht praktisch erwiesen hat. In den Einstellungen kann wiederum konfiguriert werden, welcher Ordner den Spam aufnehmen soll. Auch diese Aktion kann in einem entsprechenden Zeitfenster wieder rückgängig gemacht werden.

Dispatch 1

Tippt man in der Nachrichtenliste auf eine E-Mail wird deren Detailansicht geöffnet. In dieser Ansicht stehen verschiedene Schaltflächen zur Verfügung. Der Pfeil nach links führt zurück zur Liste, was aber auch mit einem Wisch von links nach rechts erledigt werden kann. Der Pfeil oben rechts dient zum Beantworten oder Weiterleiten der Nachricht, eine Beantwortung ist aber auch per Wischgeste von rechts nach links möglich. Die Schaltflächen unten dienen zum Ändern des Lesestatus, für die Navigation zur vorherigen und nächsten Nachricht, zum Löschen der E-Mail und um eine sogenannte Aktion auszulösen. Und genau hier liegt die große Stärke von Dispatch, das Weiterverarbeiten der E-Mail in anderen Apps:

Dispatch 2

Welche Apps hier erscheinen sollen wird – man ahnt es vielleicht schon – wieder in den Einstellungen festgelegt, dort stehen eine ganze Reihe zur Auswahl. Zu den Apps gehören u.a. OmniFocus, Things, Clear, Todo, Drafts, Evernote, Fantastical und Erinnerungen. Zusätzlich kann noch konfiguriert werden, welche Aktionen beim Antippen von Links (z.B. Öffnen in Safari oder Chrome oder 1Password), Datumsangaben und Uhrzeiten (Ereignis erstellen, in Fantastical öffnen, …), Telefonnummern (Anruf, Facetime, Skype, …) sowie Adressen (Apple Maps, Google Maps, Kontakt anzeigen, …) angeboten werden sollen. Das macht Dispatch zu einer mächtigen Schaltzentrale auf dem iPhone.

Zu guter Letzt ist die App auch noch darauf ausgelegt, E-Mails zügig zu beantworten. Dazu verfügt sie sowohl über eine eigene Textschnipsel-Verwaltung als auch Unterstützung für TextExpander. Ich verwende ausschließlich die TextExpander-Snippets, da ich bereits über eine große Zahl von Textbausteinen verfüge.

Es lohnt sich also, mal darüber nachzudenken, Dispatch für den eigenen E-Mail-Workflow zu nutzen. Die App hat ein interaktives Tutorial integriert, was den Einstieg erleichtert. Wie bereits angedeutet, kann der E-Mail-Helfer nicht alles was Apples Mail-App leistet, ist also kein Ersatz, sondern eher ein „Companion“ mit beachtlichen GTD- und Inbox-Zero-Stärken. Es fehlen z.B. die Funktionen E-Mails zu signieren oder zu verschlüsseln. Dispatch arbeitet nur mit IMAP-Konten, Exchange oder POP3 werden nicht unterstützt. Wünschenswert wäre auf jeden Fall noch eine iPad-Version, deren Entwicklung aber laut Anbieter noch nicht entschieden ist.

Vorlagen in OmniFocus

13 Apr 2013
13. April 2013

OmniFocus, ein ausgewachsenes GTD-System, gehört zu meinen wichtigsten Programmen. Ohne diese App, welche für Mac, iPhone und iPad angeboten wird, würde ich an vieles nicht denken und hätte ein deutlich unorganisierteres Leben.

Aber, wie das nun mal so ist, nichts ist perfekt und man kann immer noch etwas verbessern. OmniFocus – in diesem Artikel geht es ausschließlich um die Mac-Version – fehlt eine Vorlagen-Funktion. Häufig muss ich Projekte (= eine Gruppe von Aufgaben) eintragen, die es so bereits mal gab bzw. bei denen kleine Teile des Textes – z.B. ein Name – anders sind. Daher wäre es sehr schön und vor allem zeitsparend, wenn man sich einfach aus einer Bibliothek vorgefertigter Projekte bedienen könnte. Und hier die gute Nachricht: mit ein wenig AppleScript-Magie ist das kein Problem! AppleScript ist eine in OS X integrierte Programmiersprache, die auf natürlicher Sprache basiert und dazu dient, Abläufe zu automatisieren und Programme miteinander zu verbinden. Viele Programme bieten Schnittstellen zu AppleScript an – darunter auch OmniFocus.

Besagtes Script („Templates.scpt“) kann über diese Seite geladen werden. Es gehört in den folgenden Ordner unseres Home-Verzeichnisses:

Library/Scripts/Applications/OmniFocus

Sollte der Ordner „OmniFocus“ in „Applications“ noch nicht existieren, ist dieser neu anzulegen.

Der Library-Ordner selbst ist seit Lion standardmäßig versteckt. Er kann über das „Gehe zu“-Menü des Finders bei gedrückter Alt-Taste erreicht werden oder mit folgendem Terminal-Befehl (Terminal ist ein mitgeliefertes Dienstprogramm) dauerhaft sichtbar gemacht werden:

chflags nohidden ~/Library/

Das Tilde-Zeichen wird mit der Tastenkombination Alt-N eingegeben.

„Templates.scpt“ liegt eine Readme-Datei bei, in der die weitere Vorgehensweise ausführlich beschrieben ist. Als erstes verschaffen wir uns in OmniFocus ein Icon, mit dem wir das Script aufrufen. Dazu ist ein Rechtsklick auf die Icon-Leiste erforderlich wir wählen den Menüpunkt „Symbolleiste anpassen“ und ziehen das Symbol „Skript: Templates“ in die Icon-Leiste:

OF Vorlagen 1

Nun benötigen wir in unseren Projekten einen Ordner „Template“ oder „Templates“. Dort legen wir alle Projekte, für die wir eine Vorlage benötigen, ab. Diese können den Status „zurückgestellt“ bekommen, damit sie in anderen Ansichten nicht weiter stören, das Skript aktiviert Projekte, die aus Vorlagen kommen, automatisch.

Wir schauen uns am besten ein Beispiel an. Das Erstellen eines neuen Blog-Eintrags hier ist bei mir ein Projekt aus 3 Aufgaben: Recherche, das eigentliche Schreiben und die Verlinkung in den sozialen Netzen. In meinem Template-Ordner gibt es daher folgenden Eintrag:

OF Vorlagen 2

Es ist also alles schon so vorbereitet, wie ich es für ein neues Blog-Projekt brauche. Schaut man sich den Screenshot etwas genauer an, fallen die Zeichenketten „$Thema“ und „>>> Website“ auf. Was hat es damit auf sich? $Thema ist ein Platzhalter, wir Software-Entwickler sagen dazu Variable. Platzhalter fangen standardmäßig mit einem Dollarzeichen an, beim ersten Start des Scripts kann aber auch ein alternatives Zeichen eingegeben werden. Für jeden Platzhalter wird bei Benutzung der Vorlage der gewünschte Wert in einem Dialog abgefragt. Wichtig ist, dass die Notiz zum Projekt (hier die beiden grauen Zeilen unter dem Projekttitel) eine Auflistung (durch Leerzeichen getrennt) der gewünschten Variablen in einer Extrazeile enthält, in meinem Fall nur $Thema. „>>> Website“ in der zweiten Zeile bedeutet, dass das neue Projekt im Ordner „Website“ entstehen soll. Mache ich keine entsprechende Angabe, wird der Ordner beim Anlegen des Projekts interaktiv abgefragt. Da in meinem Fall aber Blog-Einträge immer in den Ordner „Website“ kommen, ist diese Vorgabe sinnvoll.

Wenn ich nun in OmniFocus auf das Icon „Templates“ klicke passiert folgendes:

OF Vorlagen 3

Das Script fragt mich zunächst, welche Vorlage ich benutzen möchte. Ich wähle „privaten Blogeintrag zum Thema $Thema“ schreiben. Nun muss ich noch angeben, durch welchen Wert der Platzhalter „$Thema“ ersetzt werden soll:

OF Vorlagen 4

Und damit ist mein neues OmniFocus-Projekt im Ordner „Website“ auch schon fertig:

OF Vorlagen 5

Soweit zur grundsätzlichen Vorgehensweise. Das Script kann noch einiges mehr, für alle Details empfehle ich das Studium der mitgelieferten Readme-Datei. Nur ein Beispiel, trägt man in den Notizen zum Projekt in eine neue Zeile „start: 2d“ ein, so bekommt das aus dieser Vorlage erstellte Projekt gleich ein Startdatum, welches 2 Tage von heute entfernt liegt. Es gelten die üblichen Zeitschreibweisen von OmniFocus wie z.B. „1w“ oder auch „2w 3d“. Analog ist auch eine Angabe von z.B. „due: 6d“ für ein Fälligkeitsdatum in sechs Tagen möglich.

Der leere Posteingang

01 Nov 2011
1. November 2011

Nicht mehr Herr über den eigenen Posteingangsordner? Hunderte von E-Mails in der Inbox? Heute möchte ich eine Methode vorstellen, wie wir die Souveränität über unsere elektronische Post zurückerlangen können und empfangene E-Mails professionell managen. Sie ist unter dem Namen „Inbox Zero“ bekannt und wurde von dem amerikanischen Autor Merlin Mann entwickelt. Auf seinen Ideen beruht das Konzept, welches ich hier heute mal etwas ausführlicher vorstellen möchte. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, findet auf seinen Webseiten weitere Informationen. „Inbox Zero“ beruht zum Teil auf „Getting Things Done“ (GTD), eine Methodik, über die wir schon im Zusammenhang mit OmniFocus gesprochen haben. Genug der Vorrede, befassen wir uns mit dem Thema E-Mail.

posteingang

Meine erste E-Mail-Adresse hatte ich – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – im Jahre 1995. Damals wurden noch sehr wenige Nachrichten verschickt und jede E-Mail sorgfältig formuliert. Empfänger waren meist Freunde aus dem universitärem Umfeld, denn außerhalb der Lehranstalten war elektronische Post in Deutschland noch nicht sehr verbreitet. Und „Spam“ war quasi nicht existent. Es war kein System erforderlich, um mit diesen wenigen Nachrichten umzugehen.

Was haben sich die Zeiten geändert. Heute bekomme ich geschätzte 30 bis 50 Nachrichten am Tag und das wären noch viel mehr, wenn ich nicht eine ganze Reihe von Anti-Spam-Maßnahmen getroffen hätte. Persönliche Mails sind nun in der Unterzahl, der große Teil sind Nachrichten von Kunden, Geschäftspartnern und Kollegen, Newsletter und automatische Benachrichtigungen unserer Server (Bestellungen, Berichte, Statistiken, …). Ohne ein System würde sich der Posteingang nun sehr rasch füllen und die E-Mail-Lage wäre unüberschaubar. Ein gutes System sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Es muss simpel sein, damit es mühelos angewendet werden kann.
  • Es muss wiederholbar sein.
  • Es muss vollständig sein, damit jede denkbare E-Mail verarbeitet werden kann.
  • Es darf nur wenige Aktionen (am besten in Form von Verben) geben.

Viele leben in ihrer Inbox und entscheiden anhand ihres Posteingangs, was als nächstes zu tun ist. Das ist aber kein System. Die Inbox ist nur ein Durchgang, in dem wir entscheiden, was mit der E-Mail passiert und wo deren Inhalt letztendlich landet, z.B. im Kalender oder unserer Aufgabenverwaltung. Es ist wichtig, ein gutes System zu haben, denn die Anforderungen an uns sind in der modernen Geschäftswelt nahezu unendlich während unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit nur endlich ist.

Wir können uns das in einem Boxmodell vorstellen. Ein leere Box entspricht unserer Zeit und Aufmerksamkeit. Wir können dort nun wichtige oder unwichtige Dinge hineintun, aber wenn sie voll ist ist sie voll. Es ist also entscheidend, unwichtige Dinge gar nicht erst hineinzulassen. Im Grunde kann man auf alle folgenden Punkte mit gesundem Menschenverstand kommen, dennoch ist es sinnvoll, sich die Dinge einmal systematisch vor Augen zu führen.

boxenmodell

E-Mail ist im wesentlichen nur ein Medium, alles, was wir in einer Nachricht finden, hat in der Regel bereits seinen festen Platz, im Kalender, der Aufgabenliste oder im Ablagesystem für Referenz-Materialien. Im Prinzip kennen wir das bereits vom GTD-System. Daher ist es sinnvoll, den Posteingang schnellstmöglich nach Null zu verarbeiten. Idealerweise schauen wir nie nach neuen E-Mails, ohne diese dann nach Null zu verarbeiten, was bedeutet, dass wir auf jede Nachricht eine ganz bestimmte Aktion anwenden. Das heißt aber nicht, dass wir morgens nach dem Einschalten des Rechners sofort 50 E-Mails beantworten müssen, denn verarbeiten ist weniger als beantworten aber mehr als einfach nur den Posteingang zu „checken“. Beantworten ist nur eine mögliche Aktion auf eine E-Mail. 100 E-Mails zu verarbeiten ist also nicht gleich 100 E-Mails beantworten. Es ist entscheidend, die wichtigen Informationen aus einer E-Mail herauszuarbeiten, danach ist sie quasi nur noch eine leere Hülse, die weggeworfen werden kann.

Prinzipiell gibt es nur fünf Dinge, die mit einer neuen E-Mail passieren können, welche sich mit den folgenden Verben umschreiben lassen:

  • Löschen/Archivieren
  • Delegieren
  • Beantworten
  • Aufschieben
  • Erledigen

Wenden wir eine dieser Aktionen konsequent auf jede neue E-Mail an, kann sich im Posteingang künftig nichts mehr ansammeln. Schauen wir uns die fünf Möglichkeiten einmal genauer an.

Man kann viel mehr E-Mails löschen als man glaubt, denn viele Nachrichten haben so gut wie keinen Informationsgehalt. Hier gilt es einfach die eigene Angst zu überwinden! Wird die enthaltene Information später nochmal benötigt, verschieben wir sie in einen Mail-Ordner namens „Archiv“. Idealerweise ist das nur ein Ordner ohne Unterstruktur, denn das beschleunigt die E-Mail-Verarbeitung wesentlich. Die Suchfunktionen moderner Mail-Clients oder von Systemen wie „Google Mail“ sind heutzutage gut genug, um eine Nachricht auch ohne weitere Unterordner wiederzufinden.

Kann die E-Mail besser von einem Kollegen erledigt werden, leiten wir diese an ihn weiter. Zusätzlich machen wir uns ggf. in unserem GTD-System einen Eintrag, um den Ausgang dieser Sache zu gegebener Zeit weiterzuverfolgen.

Antworten sollte man möglichst kurz fassen, in vielen Fällen genügen ein bis zwei Zeilen. Es ist wichtig, den Ball in Bewegung zu halten und ggf. Rückfragen zu stellen. Leider sind E-Mails oft unproportional, lange Nachrichten verleiten uns zu langen Antworten und kurze Mails können durchaus mal einen Monat nach sich ziehen.

Nicht alles können wir sofort beantworten. Es könnte zum Beispiel zuvor eine Recherche-Arbeit notwendig sein. Solche E-Mails verschieben wir in einen „Bearbeiten“-Ordner, den wir möglichst bis Tagesende weitestgehend abarbeiten, Die Inbox sollte wirklich nur für ungelesene Nachrichten da sein!

Der Rest wird entweder gleich erledigt (GTD sagt: wenn es weniger als zwei Minuten dauert) oder in ein geeignetes System wie dem Kalender oder unserer Aufgabenliste eingetragen.

Wenn wir dieses einfache System verinnerlichen und konsequent anwenden kann unsere Inbox nie wieder außer Kontrolle gelangen. Irgendwann ist man dann so weit, dass gar nicht mehr groß nachgedacht werden muss, die Mails werden einfach „runterverarbeitet“.

Zum Abschluss noch ein paar Tipps und Tricks.

  • E-Mails nicht so häufig abrufen. Das kann ein großer Produktivitätskiller sein und einen ständig aus dem Arbeitsfluss bringen. Ein sinnvolles Intervall kann z.B. einmal pro Stunde sein.
  • Für unwichtige E-Mails wenn möglich einen Filter verwenden, der diese in einen Mail-Ordner „später lesen“ verschiebt, welchen wir einmal pro Tag bearbeiten.
  • Für die Beantwortung von E-Mails empfiehlt sich die Verwendung Vorlagen oder Werkzeugen wie TextExpander, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen.
  • Falls eine sehr große Inbox vorhanden ist und mit „Inbox Zero“ begonnen werden soll, empfiehlt es sich, die alte Inbox in einen neuen Ordner zu verschieben, der dann nach und nach abgearbeitet wird.

Persönliches Fazit

Ich verwende die hier beschriebene Methodik seit etwa einem Jahr an. Sie funktioniert bei mir wie beschrieben und sorgt wie gewünscht für einen leeren Posteingangsordner. Zur Nachahmung empfohlen!

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