Das iPad als digitaler Bilder- und Inforahmen

13 Dez 2015
13. Dezember 2015

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich öfter und gerne fotografiere. Dabei sind schon eine Reihe schöner Aufnahmen entstanden, so dass schon länger der Wunsch besteht, diese auch innerhalb der eigenen vier Wände aufgehängt zu betrachten. Leider ist Wandfläche nun einmal endlich und teilweise natürlich auch schon genutzt, wodurch schnell Platzprobleme entstehen. Die klassische Lösung für dieses Problem ist ein digitaler Bilderrahmen, denn dort lassen sich auch schnell neue Fotos unterbringen, also musste einer her. Eine Marktrecherche brachte jedoch schnell Ernüchterung:

  • Es gibt keine große Auswahl, offensichtlich haben Tablets diesen Markt ziemlich „kaputt“ gemacht.
  • Die meisten Modelle benötigen einen Stromanschluss, was dort wo der Rahmen bei mir hin sollte, größeren Aufwand erfordert hätte.
  • Die User-Interfaces der Geräte sind häufig grottig.
  • Schon mit kleinen Zusatzfunktionen wie die Anzeige der Uhrzeit innerhalb eines Fotos sind viele Geräte überfordert.

Daher bin ich nach meinen Erkundungen zu der Schlussfolgerung gekommen, dass ein Tablet die bessere Lösung ist. Ein Akkubetrieb ist hier problemlos möglich, außerdem könnte ein Tablet seine Inhalte per WLAN beziehen, müsste selbst also nicht mit irgendwelchen SD-Karten bestückt werden. Die Darstellung der Bilder könnte eine entsprechende App übernehmen, wofür ich mich allerdings nicht entschieden habe, dazu später mehr. Bleibt also nur die Frage iPad oder Android. Ein Android-Gerät wäre möglicherweise etwas preiswerter geworden, ich habe mich dann aber für ein „refurbished“ iPad 4 entschieden, welches ich relativ günstig direkt bei Apple erworben habe. Wiederaufbereitete Geräte bekommen ein neues Gehäuse und einen frischen Akku, das ist alles, worauf es für meinen Bilderrahmen ankommt. Mit 10 Stunden Akku-Laufzeit muss ich das iPad nicht oft laden, denn ein Betrieb für mehr als eine Stunde pro Tag (eher weniger) war sowieso nicht geplant. Für mein Projekt reicht außerdem das kleinste Modell (16 GB mit WLAN) völlig aus. Die iPad-Lösung bietet mir persönlich auch weitere Vorteile:

  • Es hat ein hochauflösendes Retina-Display, ideal für Fotos.
  • Ich kenne mich mit dem System gut aus.
  • Ich kann weitere Apps zur Haussteuerung installieren, was praktisch ist bei einem Gerät, was direkt an der Wand hängt (dazu später mehr).

Nachdem das iPad eingetroffen war, musste als erstes eine Wandhalterung her. Nach einigen Recherchen habe ich mich für eine XFlat UP150 (Amazon-Link) entschieden, die das iPad zuverlässig an der Wand befestigt. Zur Montage muss lediglich ein Loch gebohrt werden.

Anschließend stellte sich die Frage nach einer Präsentationsapp für meine Fotos. Allerdings wurden, weil ich ja jetzt quasi einen vollwertigen Computer mit WLAN hatte, meine Ansprüche immer größer. Wäre es nicht toll, wenn es während die Bilder durchlaufen auch Seiten gäbe, die die aktuelle Innen- und Außentemperatur anzeigen, eine Wettervorhersage, Wetterwarnungen, die Schlagzeilen von heute, die nächsten Geburtstage meiner Verwandten und Bekannten? Mehr und mehr solcher Ideen kamen mir und es wurde schnell klar, dass ich niemals eine App finden werde, die das alles kann. Dann kam aber der rettende Einfall, ich bin ja von Beruf Webentwickler, also warum realisiere ich das nicht als webbasierte Lösung? Trotzdem brauchte ich natürlich eine App, und zwar einen Browser, der gleich mit einer festeingestellten Webadresse im Vollbild startet, ohne irgendein Benutzer-Interface anzuzeigen. Sowas gibt es aber, z.B. für die zahlreichen iPad-basierten Info-Kioske. Ich habe mich nachdem ich ein paar Apps getestet habe, für den Sandbox-Web-Browser entschieden (App-Store-Link). Bei dieser App legt man die Start-Webadresse direkt in der Einstellungs-App von Apple fest, sodass es beim Starten der App sofort mit der gewünschten Webseite losgeht, ideal für meine Zwecke.

Nun kam der eigentlich aufwändige Teil, der mir allerdings viel Spaß gemacht hat, das Erstellen der Webanwendung zur Darstellung von Foto- und Informationsseiten. Eine reine Fotoeinzelseite in HTML ist gar nicht so kompliziert und könnte beispielsweise so aussehen:

<!DOCTYPE html>
<html>
<head>
<meta name="viewport" content="height=device-height, width=device-width, initial-scale=1“ />
<meta http-equiv="refresh" content="10; URL=foto2.html“ />
</head> 
<body style="background-color: #000000; background-image:url(images/foto1.jpg); no-repeat center center fixed; -webkit-background-size: cover; background-size: cover">
</body>
</html>

Das Foto (hier foto1.jpg) wird als Hintergrundbild festgelegt (im Body-Tag) und die Meta-Refreshzeile im Header sorgt dafür, dass nach 10 Sekunden eine neue Webseite (foto2.html) mit einem neuen Foto (foto2.jpg) dargestellt wird. Meine Lösung ist allerdings – wie schon angedeutet – komplexer. So kann ich Einzelseite und Anzeigedauer in einer Steuerungsdatei festlegen, die in etwa so aussieht (Auszug, die vollständige Sequenz ist etwa 40 Zeilen lang, dann geht es wieder von vorne los),

10:photo-warnemuende1
20:headlines
10:photo-warnemuende2
20:itnews
10:photo-warnemuende3
20:applenews
10:photo-rostock1
20:localnews
10:photo-zoo1
10:conditions-inside
10:conditions-outside
10:photo-bornholm3
10:weather
10:forecast
10:photo-moen
10:alerts

Die Zahlen vor dem Doppelpunkt stehen für die Anzeigedauer in Sekunden, es folgt die anzuzeigende Seite. Seiten, die mit photo- beginnen zeigen ein Foto an, alles andere sind Sonderseiten, etwa mit Wetterinformationen oder Nachrichten. Diese Steuerungsdatei liegt im Textformat in meiner Dropbox und wird über ihre öffentliche URL von meiner Webanwendung eingelesen. Das hat den Vorteil, dass ich diese Datei auch mit dem iPhone ändern kann (mit einem Dropbox-fähigen Texteditor), um die Reihenfolge oder eine Anzeigedauer zu ändern. Natürlich komme ich in meiner Webanwendung dann nicht mehr mit einfachem HTML aus. Da ich sowieso dienstlich jeden Tag mit PHP arbeite, nutze ich diese Skriptsprache daher auch für dieses Projekt. Das Kernstück meiner Webanwendung ist somit ein PHP-Skript, welches die Steuerungsdatei aus der Dropbox holt, einliest und in einer Schleife Zeile für Zeile abarbeitet. Die Foto-Anzeigeseiten sehen gar noch so anders aus als im Beispiel oben, lediglich die Weiterleitungsseite, die Anzeigedauer und der Name des Fotos werden dynamisch mit PHP eingesetzt. Außerdem zeige ich auf jedem Foto unten links die Uhrzeit an, dieses Feature ist aber auch abschaltbar.

iPad-Bilderrahmen 1

iPad-Bilderrahmen 5

Das Grundgerüst steht damit, aber es gibt ja noch die Sonderseiten wie „headlines“, „itnews“, „applenews“, „localnews“, „conditions-inside“, „conditions-outside“, „weather“, „forecast“ und „alerts“, die ich immer nach ein bis zwei Fotos einstreue. Die meisten dieser Seiten basieren auf RSS-Feeds, die ich per JavaScript einlese. Dazu nutze ich die Google-Feed-API. So nehme ich z.B. für die Seite „headlines“ den Feed der Tagesschau und für „itnews“ den Feed von Heise. Eine Besonderheit sind die Seiten „conditions-inside“, „conditions-outside“ und „alerts“. Diese zeigen u.a. Temperatur und Luftfeuchtigkeit in und außerhalb meiner Wohnung an und zwar mit den Werten meiner Netatmo-Wetterstation. Netatmo bietet freundlicherweise eine Programmierschnittstelle an, so dass ich mir die Daten darüber direkt von den Netatmo-Servern holen kann. War etwas Bastelarbeit, funktioniert aber einwandfrei. Hier sind ein paar von den Sonderseiten:

iPad-Bilderrahmen 2

iPad-Bilderrahmen 3

iPad-Bilderrahmen 4

iPad Bilderrahmen 6

iPad-Bilderrahmen 7

iPad-Bilderrahmen 8

So ist man morgens, wenn man beim Starten in den Tag ein paar Mal am iPad vorbeiläuft, schon ganz gut informiert. Art und Zahl der Zusatzseiten bleiben lediglich der eigenen Fantasie überlassen, denn es gibt kaum eine Information, die sich nicht irgendwie direkt oder indirekt aus dem Internet beschaffen läßt. Um wichtige Infoseiten direkt zu erreichen, habe ich noch eine Navigationsseite implementiert, die durch Streichen auf dem Display aktiviert werden kann (per ontouchmove-Event in JavaScript).

Da ich nun ein iPad fest an der Wand hängen habe, läßt es sich vorzüglich auch für andere Aufgaben einsetzen. Hier ein paar Beispiele:

  • Beleuchtungssteuerung mit der Hue-App
  • iTunes-Fernsteuerung mit der Remote-App
  • Einkaufsliste ergänzen (in meinem Fall AnyList)
  • Gerätesteuerung mit der Logitech-Harmony-App
  • iPad direkt als Wandradio mit der TuneIn-App

Auch hier sind dem kreativem Einsatz nur durch den App Store Grenzen gesetzt. Vielleicht konnte ich ja, die ein oder andere Anregung lostreten, ein eigenes Bilderrahmen-Projekt zu starten. Die Implementierung kann sogar mehr Freude bringen, als die spätere Nutzung ;-).

Apple TV Apps

21 Nov 2015
21. November 2015

Nachdem ich kürzlich allgemein über die vierte Generation des Apple TV berichtet habe, möchte ich heute einige Apps empfehlen. Installierbare Apps gehören zu den wesentlichen Neuerungen der kleinen schwarzen Box. Leider gibt es keine iTunes- oder Webansicht des App Stores auf dem Apple TV, sodass dieser Artikel diesmal ohne Links auskommen muss. Die Apps können aber anhand ihres Namens leicht über den Store gefunden werden. Apps, die es bereits für das alte Apple TV gab, wie z.B. Netflix, Watchever oder Flickr erwähne ich nicht nochmal gesondert, sie sind allerdings zum Teil verbessert und an das neue User-Interface angepasst worden. Heute kann ich sogar Screenshots einbauen, da ich inzwischen einen USB-C-Adapter und ein Verlängerungskabel zum Anschluss des Apple TV an meinem Mac besitze (die Screenshots können dann mit Hilfe von Apples Xcode erstellt werden).

ZDF

Umfassender Zugriff auf die Mediathek und die Livestreams des ZDF und dessen Spartensender. Kostenlos. Leider ist von der ARD bisher nur der bayrische Rundfunk mit einer App vertreten.

ZDF

Mediathekensuche

Zugriff auf die Mediatheken (ohne Livestreams) der öffentlich-rechtlichen Sender. Wie vollständig dieser ist, kann ich schwer sagen, aber diese App bietet schon ein recht umfassendes Angebot sofort abrufbarer Sendungen. Kostenpflichtig (aktuell 3,99 €).

Mediathekensuche

Live TV

Zugriff auf die Livestreams (inkl. EPG) der öffentlich-rechtlichen Sender sowie einer Reihe weiterer Programme (allerdings nicht RTL, SAT1, PRO7 und Co.). Abo-Modell, kostet im Jahr derzeit 19,99 €. Mit den drei genannten Programmen zusammen kann man schon relativ viel fernsehen, ohne vom Apple TV wegschalten zu müssen.

Live TV

Für Freunde der dänischen Sprache sei noch erwähnt, dass das dänische Fernsehen (DR) eine recht gute App mit umfangreichen Mediathek-Inhalten (teilweise mit Untertiteln) im Angebot hat, einige Sendungen und Live-Programme sind allerdings nur mit einer dänischen IP-Adresse abrufbar.

Cueist

Schönes Poolbillard mit guter Optik und zahlreichen Optionen, es kann wahlweise gegen das Apple TV oder gegen eine andere Person gespielt werden. Ein Game-Controller ist empfehlenswert. Kostenpflichtig (aktuell 1,99 €).

Cueist

Jetpack Joyride

Typisches Jump&Run-Spiel, was mir sehr viel Freude bereitet und auf dem Fernseher irgendwie mehr Spaß macht als auf iPhone oder iPad, wo es die App ebenfalls gibt. Kostenlos mit In-App-Käufen, die man IMHO nicht unbedingt braucht.

Jetpack Joyride

Crossy Road

Im Gegensatz zur iOS-Version gibt es hier einen Zweispieler-Modus. Netter Zeitvertreib. Kostenlos mit In-App-Käufen für weitere Spielfiguren.

Crossy Roads

Kitchen Stories

Gut gemachte Video-Rezepte und -Kochanleitungen. Das Apple TV ist wie geschaffen für so eine Art von App. Kostenlos.

Kitchen Stories

MeteoEarth

Zeigt in einer Globus-Ansicht die aktuellen Wetterverhältnisse auf unserem Planeten. Wie unter iOS, nur auf dem Fernseher irgendwie beeindruckender. Kostenlos.

MeteoEarth

Podcasts by myTuner

Bis Apple sich bequemt seine Podcast-App mal fürs TV zur portieren, kann man sich mit dieser App behelfen. Kostenpflichtig (aktuell 2,99 €). Insbesondere Video-Podcasts sind natürlich eine prädestinierte Aufgabe für den Apple TV. Der bekannte Apple-Podcast „Bits und so“ ist übrigens mit einer eigenen App im Store vertreten. Für das TWIT-Podcast-Netzwerk sind sogar mehrere Apps erhältlich.

Podcasts

Earthlapse

Diese App macht den Fernseher zum Sichtfenster der internationalen Raumstation ISS. Beeindruckende Bilder, insbesondere bei dunklem Wohnzimmer. Viele Einstellmöglichkeiten. Kostenpflichtig (derzeit 2,99 €).

Earthlapse

Cinepass

Film-Trailer und lokales Kinoprogramm. Auch eine App, die auf Fernsehgeräten durchaus Sinn macht. Kostenlos.

Cinepass

Zova

Zum Schluss noch etwas für die Fitness. Fernseher sind ideal, um sich Übungen zeigen zu lassen und gleich mitzumachen. Da Zova auch eine iPhone- und eine Watch-App hat, kann man sich den eigene Puls sogar auf dem TV einblenden lassen. Beeindruckend. Kostenlos mit zusätzlichen Übungen als In-App-Kauf.

Zova

Finder Info

14 Nov 2015
14. November 2015

Schlimm genug, wenn man sein iPhone mal verlieren sollte. Noch schlimmer wäre es jedoch, wenn ein ehrlicher Finder keine Möglichkeit hätte herauszufinden, wem das verlorene Gerät gehört. Die Chancen es überhaupt zurückzubekommen, sind mit Einführung des „Activation Lock“ auf jeden Fall gestiegen, da sich bei aktiviertem Lock, was ich jedem empfehle, mit dem iPhone nicht mehr allzu viel anfangen läßt. Apple selbst bietet „Find my iPhone“ und den mit iOS 8 eingeführten Notfallpass als Hilfsmittel an. Letzterer ist allerdings nicht wirklich dazu gedacht und auch nicht ganz so leicht aufzurufen (Bildschirm aktivieren > Entsperren wischen > Notfall klicken > Notfallpass klicken). Und um mit „Find my iPhone“ eine Nachricht an den Finder zu schicken, braucht man erstmal ein anderes Gerät mit Internet. Früher konnte man für solche Fälle seine Kontaktdaten auf dem Wallpaper des Sperrbildschirms platzieren, was man leicht mit der Hilfe von entsprechenden Apps erledigen kann. Mittlerweile verschwimmt allerdings das Hintergrundbild sobald eine Push-Nachricht auf dem Bildschirm erscheint. Somit ist nicht mehr sichergestellt, dass ein möglicher Finder einen ungetrübten Blick auf das Wallpaper hat.

Es ist daher eine gute Idee, die Besitzerinformation auf dem Heute-Bildschirm unterzubringen. Dieser ist von überall – auch vom Sperrbildschirm, wenn man dies in den Einstellungen erlaubt – durch Wischen nach unten erreichbar. Für diesen Zweck habe ich die App „Finder Info“ (kostenlos, App-Store-Link) gefunden. Dort trägt man einfach in die verschiedenen Felder seine entsprechenden Infos ein (bei der Telefonnummer natürlich nicht die des iPhones nehmen!):

Finder info 1

Nun kann das fertige Widget bereits auf dem Heute-Bildschirm platziert werden. Dazu einfach von ganz oben nach unten wischen, an das untere Ende der Liste scrollen und auf „Bearbeiten“ tippen. Dann das Widget „Message to finder“ durch das grüne Plus-Symbol hinzufügen und am besten so weit nach oben schieben, dass es ohne zu scrollen zu sehen ist. Fertig! Standardmäßig zeigt das Widget nur den Namen des Besitzers an, wenn man es antippt erscheinen alle Infos:

Finder info 2

Finder info 3

Apple TV der 4. Generation

08 Nov 2015
8. November 2015

Schon recht lange bin ich Nutzer des Apple TV, einer kleinen schwarzen HDMI-fähigen Box, die per WLAN oder Ethernet das Apple-Ökosystem auf den großen Bildschirm bringt. Meine Hauptanwendungsgebiete waren Airplay, also den Bildschirm des iPhones, iPads oder Macs quasi drahtlos auf den Fernseher umleiten, und das Schauen von Filmen oder Serien (aus iTunes, Netflix oder gespeist vom iTunes meines Macs). DVDs kauf ich schon länger nicht mehr, Blu-ray habe ich übersprungen und was gekauft wird, wird digital bei iTunes erworben, was den Vorteil hat, dass ich diese Filme und Serien dann auch auf den iOS-Geräten via WLAN-Download/Streaming aus der iCloud schauen kann. Daher habe ich das Erscheinen des neuen Apple TV mit Spannung erwartet, schließlich stehen mit den Apps von Drittanbietern nun völlig neue Nutzungsmöglichkeiten offen. Sogar mein geliebtes Siri-Feature ist nun mit an Bord, daher habe ich das Gerät gleich am ersten Vorbestelltag geordert und habe es nun eine knappe Woche, Zeit also für ein erstes Zwischenfazit.

Ich habe mich für die größere 64 GB-Variante (es gibt auch eine Version mit 32 GB) entschieden, allerdings hauptsächlich deshalb, weil Apple recht wenig Anhaltspunkte dafür liefert, wieviel Speicher man in denn der Praxis so braucht. Außerdem habe ich auf iOS-Geräten tendenziell immer zu wenig Speicher gehabt, mit Ausnahme des 128 GB fassenden iPhones. An Zubehör besitze ich noch die Schlaufe für die Fernbedienung sowie den Nimbus-Controller von steelseries.

Apple TV 1

Apple TV 2

Apple TV 3

Unboxing-Zeremonie: zum Lieferumfang gehören das Apple TV selbst, ein Stromkabel, ein Lightning-Kabel (zum Laden der Fernbedienung), die Siri-Remote sowie eine Kurzanleitung

Nach der traditionellen Unboxing-Zeremonie muss das Gerät erstmal angeschlossen werden. Für mich gab es hier keine Unterschiede zur vorherigen Generation, Nutzer des optischen Ausgangs müssen sich allerdings etwas einfallen lassen, denn dieser ist weggefallen, genutzt hatte ich ihn allerdings sowieso nicht. Die Inbetriebnahme beginnt einfach, denn WLAN- und Account-Daten können eleganterweise direkt vom iPhone, welches man dazu in die Nähe des Apple TV halten soll, übernommen werden. Dann hat der Setup-Assistent aber noch viel zu viele Daten und Passwörter abgefragt, die man mit der Bildschirmtastatur nur mühselig eingeben kann, obwohl sie auch auf dem iPhone vorliegen sollten. An dieser Stelle sehe ich einiges an Verbesserungspotential.

Hat man diese Hürde aber erstmal genommen, macht das vierte Apple-TV viel Freude. Ich möchte hier kein komplettes Review verfassen, die gibt es im Internet zuhauf, sondern auf die Punkte eingehen, die mir besonders aufgefallen sind, sei es positiv oder negativ. Leider gibt es im Gegensatz zu anderen Geräten keine einfache Möglichkeit Screenshots zu erstellen, so dass die Bebilderung dieses Artikels in dieser Hinsicht sparsamer ist als sonst. Auf geht’s:

  • Verpackung und Inhalt machen – wie eigentlich immer bei Apple – einen wertigen Eindruck, das Gerät ist deutlich dicker als sein Vorgänger, was da, wo es bei mir steht, allerdings keine Probleme verursacht.
  • Siri ist schnell und hilfreich. Ein „10 Minuten vorspulen“ ist als Sprachbefehl viel schneller als die gleiche Aktion in händisch per Fernbedienung. Siri dürfte gerne noch umfangreicher sein, Musik (immerhin angekündigt) und diktierter Text wären nur zwei Beispiele. Schön wäre auch, wenn die Filmsuche per Siri das Filmangebot auf meinem Mac zusätzlich berücksichtigen würde.
  • Apropos Fernbedienung, meine Logitech Harmony steuert auch das neue Apple TV (ohne dass ich ein neues Gerät einrichten musste).
  • Das User-Interface ist modern, ansprechend und schnell, Filme starten sehr zügig.
  • Allein die Bildschirmschoner sind beeindruckend.
  • Die neue einzeilige Bildschirmtastatur finde ich nicht so schlimm, wie mancherorts behauptet wird, im Gegenteil.
  • Apps sind ein echter Mehrwert und haben das Potential, mittelfristig klassische Fernsehkanäle zu ersetzen, so dass man das oft grottige UI des Fernsehers selbst irgendwann nicht mehr benötigen wird.
  • Das Fehlen einer Remote-App sowie einer Bluetooth-Tastaturunterstützung ist nicht nachvollziehbar.
  • Ähnliches gilt für die Podcasts-App von Apple, Fernseher sind wie gemacht für Video-Podcasts und Cupertino hat sich immerhin ziemlich viel Vorlauf gegönnt.
  • Warum die Fotos-App nicht alle Fotos anzeigen kann, ist mir ebenso ein Rätsel und keine Verbesserung zum Vorgängermodell. Immerhin geht das, wenn man auf einen Mac im Netz zugreift.

Das App-Angebot ist noch recht dünn, was aber normal ist bei einer neuen Plattform, und dürfte derzeit so zwischen 500 und 1000 liegen. Ich habe etwa 30 davon installiert, die man grob in Fernsehen (Netflix, Arte, ZDF, Mediatheksuche, Live-TV, n-tv, …), Spiele (Alto, Asphalt, Badlands, Bowling, Crossy Roads, Cueist, Does not Commute, …) und Infotainment (Youtube, Bits und so, Flickr, TWIT, Cinepass, Kitchen Stories, Podcasts by myTuner, …) unterteilen kann. Natürlich darf auch eine App, die ein schönes Kaminfeuer auf den Bildschirm zaubert, in der kalten Jahreszeit nicht fehlen. In der letztgenannten Kategorie, also Infotainment, ist das Apple TV natürlich vor allem für Apps prädestiniert, die in irgendeiner Form Videos oder Bilder wiedergeben. Bei den Spielen habe ich schon einige gefunden, wie „Cueist“ oder „Does not Commute“, die ich mit dem Game-Controller besser spielen kann als mit der Siri-Remote.

App Store auf dem Apple TV

App Store auf dem Apple TV

Abschließend noch ein paar Tipps und Tricks, die für neue Nutzer nicht so offensichtlich sind:

  • Tippt man in der Bildschirmtastatur länger auf eine  Buchstaben stehen der entsprechende Grossbuchstabe sowie Sonderzeichen, die auf dem jeweiligen Buchstaben basieren, zur Verfügung.
  • Mit dem Play-Pause-Button kann auf der Bildschirmtastatur zwischen Gross- und Kleinschreibung umgeschaltet werden.
  • Doppelklick auf dem Home-Button startet den App-Umschalter, der genauso funktioniert wie unter iOS.
  • Ein dreifacher Klick auf den Home-Button bietet Schnellzugriff auf Voice-Over.

Mit zunehmenden App-Angebot dürfte das, was sich auf den übrigen Kanälen meines Fernsehers so abspielt, immer unwichtiger werden, so dass man letztendlich zumindest mittelfristig darauf verzichten kann. Das erhoffe ich mir vom Apple TV und das ist wohl auch Apples Vision, wenn sie sagen, dass Apps die Zukunft des Fernsehens sind. Insgesamt bin ich recht angetan von dem Gerät.

Erste Erfahrungen mit HomeKit

01 Nov 2015
1. November 2015

Da mein neuer Apple TV noch auf sich warten läßt, möchte ich die Gelegenheit nutzen und über meine erste Erfahrungen mit HomeKit berichten. Geräte, die nach Apples HomeKit-Standard zertifiziert sind (erkennbar an einem HomeKit-Logo auf der Verpackung, hier eine von Apple gepflegte Liste der Geräte), lassen sich mit iOS-Geräten – einschließlich der Apple Watch – steuern bzw. abfragen. Was viele verwirrt ist die Tatsache, dass Apple – beispielsweise im Gegensatz zum HealthKit – keine Frontend-App mitliefert, sondern dies den Herstellern der Geräte und Drittanbietern überlässt. Allerdings gibt es eine zentrale HomeKit-Datenbank auf dem jeweiligen Gerät, aus der sich diese Apps bedienen und in die sie ihre Daten auch hineinschreiben, so dass alle Anwendungen die gleiche Sicht auf unsere jeweilige Wohnung haben. Ein systemweites Frontend gibt es aber dennoch – und das ist mein geliebtes Siri. Mit Hilfe der Sprachsteuerung lassen sich Lampen einschalten oder dimmen, Steckdosen aktivieren, Sensoren abfragen und einiges mehr. Dies funktioniert übrigens dann mit allen iOS-Geräten, iPhone, iPad und der Apple Watch. Dazu gleich mehr.

An HomeKit-fähigen Geräten habe ich derzeit

  • Philips Hue
  • Elgato eve energy
  • Elgato eve room

Das Beleuchtungssystem „Hue“ setze ich schon länger ein und habe bereits darüber berichtet. Damit die HomeKit-Unterstützung funktioniert, musste eine neue Bridge her, weil der HomeKit-Standard ziemlich genau vorschreibt, welche Funkstandards und Verschlüsselungen (bei der Sicherheit sind Apples Anforderungen wohl recht hoch) unterstützt werden müssen. Die neue Bridge kann einzeln ohne Lampen erworben werden. Zunächst einmal muss das neue HomeKit-Gerät ins System integriert werden. Dazu liegt der Packung ein Kärtchen mit einem Nummerncode bei, der mit der jeweiligen HomeKit-fähigen App abfotografiert wird. Diese Vorgehensweise ist übrigens herstellerübergreifend immer gleich. Entsprechend hat Philips die Hue-App erweitert, um alle neuen Funktionen zu unterstützen, außerdem gibt es eine eingebaute Prozedur, die alle Daten von der alten auf die neue Bridge überträgt (dazu müssen kurzzeitig beide Bridges ans Ethernet angeschlossen werden), was in meinem Fall problemlos funktioniert hat.

In der Hue-App kann man nun unter Einstellungen > Siri-Sprachsteuerung festlegen, welche Lampen und Szenen man mit Siri steuern möchte. Anschließend stehen eine ganze Reihe neuer Siri-Befehle zur Verfügung (Schrägstrich bedeutet alternativer Befehl, bei eckigen Klammern muss etwas eingesetzt werden):

„Licht aus“ / „Alle Lampen ausschalten“

„Licht an“ / „Alle Lampen einschalten“

„Schalte [Name der Lampe] aus“

„Schalte [Name der Lampe] an“

„Schalte [Name der Lampe] auf [Farbe]“

„Mach die Lampe [Name der Lampe] heller“

„Mach die Lampe [Name der Lampe] dunkler

„Setze die Helligkeit der Lampe [Name der Lampe] auf [Wert] Prozent“

„Ist die Lampe [Name der Lampe] eingeschaltet?“

„Aktiviere [Name der Szene]“

Eine Szene ist in Hue eine beliebige Zusammenstellung von Lampen, Farben und Helligkeiten. D.h., ich kann mit einem einzigen kurzen Sprachbefehl ein komplettes Licht-Setup in meiner Wohnung aktivieren. Ich habe zum Beispiel eine Szene „Stimmung“ in der ähnlich wie auf dem Titelbild alle Räume in verschiedene Farben gehüllt werden und somit eine für mich entspannende und stimmungsvolle Lichtatmosphäre entsteht. Alles was ich dazu tun muss ist, meine Apple Watch so zu heben, dass sie aktiviert wird und dann reicht der Satz „Hey Siri, aktiviere Stimmung“. Magisch.

Hue 2

Hue 1

HomeKit Szene

Leider kann die Hue-App die Lampen nicht bestimmten Räumen zuordnen, was der HomeKit-Standard explizit vorsieht. Dies ist jedoch mit anderen Apps möglich, dazu gleich mehr.

Elgato eve energy ist ein kleine Steckdose, die in eine Steckdose kommt und diese damit HomeKit-fähig macht. Nach entsprechender Einrichtung mit der Eve-App stehen folgende neue Siri-Befehle zur Verfügung (der Name der Steckdose wird in der App festgelegt):

„[Name der Steckdose] anschalten“

„[Name der Steckdose] ausschalten“

„Ist [Name der Steckdose] eingeschaltet?“

Natürlich kann die Steckdose auch mit der Eve-App ein- oder ausgeschaltet werden. Das Besondere an „eve energy“ ist, dass zusätzlich ein Stromzähler eingebaut ist. D.h., es kann in der Eve-App eingesehen, wieviel Strom das eingesteckte Gerät insgesamt oder an einem bestimmten Tag verbraucht hat. Sehr praktisch.

eve-energy

Zusätzlich kann man mit der Eve-App seine Geräte – und das geht auch mit Hue-Lampen (!) – Räumen zuweisen. Dadurch entstehen neue, sehr praktische Befehle:

„Schalte alles im [Name des Zimmers] ein“

„Schalte die Lampen im [Name des Zimmers] an“

„Schalte die Lampen im [Name des Zimmers] aus“

„Mach das Licht im [Name des Zimmers] dunkler“

Und so weiter (betroffen sind dann immer alle Lampen und/oder Geräte, die einem Raum zugeordnet sind). Das erinnert schon irgendwie an Captain Picard in seiner Kabine ;-).

Schließlich habe ich noch das „eve room“, ein Gerät zur Messung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität in Innenräumen (außerdem wird auch ein Außenmodul angeboten). Zusätzlich zur Protokollierung dieser Werte in der Eve-App, was an sich nichts neues ist (macht z.B. Netatmo auch), können Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch mit Siri abgefragt werden:

„Wie warm ist es im [Name des Zimmers]?“

„Wie ist die Luftfeuchtigkeit im [Name des Zimmers]?“

eve room

eve room

Eve-Room wird mit Batterien betrieben und ist nicht sehr groß

Eine sehr gute HomeKit-App, die so ziemlich jedes HomeKit-Feature unterstützt und auch eine Watch-App hat, ist übrigens „Home“ (App-Store-Link), welche allerdings das iTunes-Budget mit 15 Euro belastet.

Insgesamt ist eine Wohnung, die aufs Wort gehorcht, schon recht beeindruckend und fühlt sich auf jeden Fall ein wenig nach einem Leben in der Zukunft an.

Version 7.2 - © 1995-2016 by Dr. Markus Jasinski - Impressum