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Workflow für das Korrekturlesen von Dokumenten

24 Apr 2016
24. April 2016

In meinem Berufsalltag kommt es häufiger vor, dass ich Dokumente – meist in PDF-Form – Korrektur lesen muss. Darunter fallen z.B. Verträge, Vereinbarungen und Angebote. Daher habe ich einen Workflow entwickelt, der einige Automatisierungen enthält und den ganzen Vorgang recht komfortabel gestaltet. Die eigentliche Arbeit erfolgt in PDFpen von Smile Software, einem Werkzeug zum Bearbeiten von PDF-Dokumenten. Der Workflow würde aber auch mit einer anderen App funktionieren, sofern sie für OS X und iOS verfügbar ist und über iCloud oder Dropbox synchronisiert.

Meist erhalte ich das zu überarbeitende Dokument als Anhang einer E-Mail. Um den den Workflow in Gang zu setzen, muss ich es nur im Download-Ordner speichern und dabei mit dem Finder-Tag „Entwurf“ versehen. Dann passiert folgendes:

1. Das Dokument wird in den iCloud-Ordner von PDFpen verschoben. Damit kann ich es sowohl auf dem Mac als auch mit einem iOS-Gerät, vorzugsweise dem iPad, bearbeiten. Gerade das Lesen längerer Dokumente ist auf dem iPad einfach bequemer als auf dem Mac.

2. In OmniFocus, meiner Aufgabenverwaltung (vor Jahren in diesem Artikel vorgestellt), wird automatisch in dem Sammel-Projekt „Dokumente“ eine neue Aufgabe erzeugt mit dem Titel „Review: <Name der Datei>“ (<Name der Datei> steht hier für den Dateinamen im Finder). In der Notiz zur Aufgabe ist das entsprechende Dokument verlinkt, zusätzlich ist das passende URL-Scheme enthalten, um dieses Dokument auch unter iOS direkt aus OmniFocus zu öffnen.

Wie funktioniert das Ganze?

Zunächst wird etwas Hazel-Magie benötigt. Hazel, ein mächtiges Werkzeug zum Automatisieren von Vorgängen auf dem Mac, habe ich vor einiger Zeit ausführlich vorgestellt. Eine Hazel-Regel verschiebt das z.B. aus einer Mail gespeicherte Dokument in den Ordner „Reviews“ des iCloud-Verzeichnisses von PDFpen (iCloud Drive > PDFpen > Reviews):

Hazel-Regel 1

Damit die Regel greift, muss es sich um ein PDF-Dokument handeln, außerdem muss der Finder-Tag „Entwurf“ vergeben sein. Damit wird verhindert, dass alle möglichen Dokumente in meinem Reviews-Ordner landen.

Reviews-Ordner

Auch der Reviews-Ordner wird von Hazel überwacht, die Regel dort ist etwas komplizierter:

Hazel-Regel 2

Verarbeitet wird jedes Dokument, welches nicht den Kommentar „zu OmniFocus hinzugefügt“ enthält. Dieser Kommentar wird im Ausführungsteil dann explizit gesetzt. Damit wird sichergestellt, dass jedes Dokument nur einmal in OmniFocus eingetragen wird, obwohl es in dem Ordner verbleibt. Der zweite Schritt im Ausführungsteil ist ein AppleScript, welches das Hinzufügen zu OmniFocus bewerkstelligt. Dazu ist übrigens die Pro-Version von OmniFocus erforderlich.

Das AppleScript sieht so aus:

OmniFocus AppleScript
tell application „Finder“ to set file_name to (name of theFile)
tell application „OmniFocus“
set task_title to „Review: “ & file_name
set theNote to „iOS-Link: pdfpen:///Reviews/“ & file_name
tell front document
set theContext to first flattened context where its name = „Fokus“
set theProject to first flattened project where its name = „[Dokumente]“
tell theProject
tell (make  newtask with properties {name:task_title, note:theNote, context:theContext})
tell its note to make new file attachment with properties {file name:theFile, embedded:false}
end tell
end tell
end tell
end tell

Der Pfad zum Review-Verzeichnis (hier: Reviews), das Projekt in OmniFocus (hier: „[Dokumente]“) und der Kontext in OmniFocus (hier „Fokus“, diesen Kontext nehme ich immer, wenn ich an etwas konzentriert arbeiten muss) müssen gegebenenfalls den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Ferner müssen überall „normale“ Anführungszeichen oben verwendet werden, auch wenn die Blog-Software hier diese anders darstellt.

Die Aufteilung auf ingesamt zwei Hazel-Regeln erfolgte, weil Dokumente auch auf anderen Wegen als über den Download-Ordner zum Reviews-Ordner gelangen.

In OmniFocus für OS X sieht die automatisch erstellte Aufgabe dann so aus:

OmniFocus-Aufgabe

Bzw. auf dem iPad so:

OmniFocus-iPad 1

OmniFocus-iPad 2

Ein Tap den iOS-Link öffnet das Dokument direkt in PDFpen und die Arbeit kann beginnen:

PDFpen iPad

Apple Watch Apps

13 Mrz 2016
13. März 2016

Auf der Apple-Watch arbeite ich deutlich weniger mit Apps aus dem Store, als ich dies vor dem Erwerb der Smartwatch gedacht hatte. Dies hat mehrere Gründe. Zunächst mal sind Apps auf der Watch immer noch relativ langsam. Dies hat sich mit Watch OS 2 zwar etwas verbessert, aber für richtig gute Performance ist vermutlich eine verbesserte Hardware erforderlich. Ferner ist der App Store für die Watch, den man ja auf dem gekoppelten iPhone benutzt, nicht so übersichtlich wie er sein könnte. Zu den meisten meiner Watch-Apps bin ich gekommen, weil ich sowieso schon Nutzer der entsprechenden iPhone- oder iPad-App bin. Und schließlich machen nicht alle Arten von Apps auf der Uhr Sinn. Damit eine Watch-App nützlich ist, muss die Benutzung entweder deutlich schneller sein als die äquivalente Aktion auf dem iPhone, welches man insbesondere unterwegs erstmal aus der Tasche und in meinem Fall auch aus der Hülle holen muss, oder, die App muss eine Besonderheit der Uhr nutzen, wie z.B. den integrierten Puls-Sensor. Darüberhinaus gibt es Apps, die einfach nur nützliche Komplikationen (Zusatzinformationen auf dem Zifferblatt) bereitstellen und somit Informationen auf einen Blick zur Verfügung stellen.

Apps, die diese Kriterien erfüllen, können sich dann aber als äußerst nützlich erweisen und somit die Anschaffung der Uhr rechtfertigen. Heute möchte ich einige solcher Apps vorstellen.

Just Press Record

Mit „Just Press Record“ (App-Store-Link) kann man sehr schnell direkt über das Mikrofon der Watch Sprachaufzeichnungen aufnehmen, die automatisch auf alle Geräte synchronisiert werden. Es gibt zugehörige iOS- und Mac-Apps, auf denen man die Aufnahmen dann problemlos weiterverarbeiten kann. So geht kein wichtiger Gedanke mehr verloren.

Just Press Record

Pedometer++

„Pedometer++“ (App-Store-Link) stellt die aktuelle Schrittzahl als Komplikation auf dem Zifferblatt zur Verfügung, was mit Bordmitteln nicht möglich ist. Somit hat man immer im Auge, wie weit das persönliche Tagesziel noch entfernt ist.

Pedometer

DO Button

„DO Button“ (App-Store-Link) gehört zu IFTTT („if this than that“), ein Service, den man mit zahlreichen Diensten verknüpfen kann, um bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses, in diesem Fall ein Klick auf den DO-Button, eine Aktion auszuführen. Ich nutze dies z.B. um mit Hilfe der Uhr mein MacBook zu sperren (wie das genau geht, müsste ich mal in einem künftigen Artikel mal näher erläutern).

Day One 2

Über die Watch-App der Tagebuch-Software „Day One“ (App-Store-Link) kann man recht schnell Tagebuch-Einträge erstellen. Dies geht entweder per Diktat oder, was ich häufiger Nutze, über sechs vordefinierte Standard-Einträge, die man in Apples Watch-App auf dem iPhone festlegen kann.

ETA

„ETA“ (estimated time of arrival, App-Store-Link) zeigt die Fahr- oder Gehzeit und die Entfernung zu vordefinierten Zielen an. Somit kann man schnell erfassen, wann man dort eintreffen wird.

ETA

Runtastic Pro

Beim Sport erfüllt „Runstatic Pro“ (App-Store-Link) auf der Apple-Watch gleich zwei nützliche Funktionen. Zum einen wird über die Uhr der Puls gemessen und in Runtastic eingelesen, so dass kein zusätzlicher Pulsmesser benötigt wird. Zum anderen kann man direkt auf der Uhr Informationen zur aktuellen Aktivität ablesen, wie zum Beispiel die zurückgelegten Kilometer, was z.B. beim Laufen wirklich praktischer ist als ein Blick aufs iPhone.

Runtastic

Zova

„Zova“ (App-Store-Link) ist eine App für Fitness-Training, die ich auf meinem Apple TV nutze, um die Übungen, die dort gezeigt werden, durchzuführen. Dank der Watch-App wird zusätzlich mein aktueller Puls direkt auf dem Fernseher angezeigt.

Lifeline

Text-Adventures wie „Life Line“ (App-Store-Link) oder auch „One Button Travel“ (App-Store-Link) sind wie gemacht für die Apple-Watch, da man sich in einer kurzen Interaktion meist nur eine von zwei Möglichkeiten auswählen muss, um das Langzeitspiel am laufen zu halten.

Lifeline

Postmelder

11 Jan 2016
11. Januar 2016

Heute möchte ich ein Gadget vorstellen, welches sich seit etlichen Monaten auf meinem Schreibtisch befindet und für nützlich befunden wurde. Es klärt die leidige Frage, ob sich der Weg zum häuslichen Briefkasten draußen lohnt oder ob dieser definitiv leer ist – ein elektronischer Postmelder. Er besteht aus zwei Teilen, einem Sender und einem Empfänger. Der Sender ist eine flache schwarze Leiste und wird von innen an die Klappe der Briefkastens geklebt. Er erkennt, ob die Klappe geöffnet wurde (und somit etwas eingeworfen wurde), weil er über einen Bewegungssensor verfügt. Das Kieselstein-förmige Gegenstück (s. Artikelfoto), der Empfänger, wird im Haus bzw. in der Wohnung platziert. Die grüne Lampe in Briefform blinkt, sobald der Bewegungssensor ausgelöst wurde. Durch Eindrücken dieser Lampe wird sie ausgeschaltet und die Alarmierung somit gelöscht.

Praktische Sache das. Die Batterien in beiden Komponenten scheinen langlebig zu sein, jedenfalls musste ich sie bis jetzt nicht wechseln. Auch die Sendeleistung ist ausreichend, da sich in meinem Fall zwischen Sender und Empfänger zwei Stockwerke befinden. Wenn man den Empfänger im Blickfeld einer Raumüberwachungskamera platzieren würde, könnte man sogar aus der Ferne feststellen, ob Post eingetroffen ist.

Der Postmelder ist für rund 30 Euro z.B. bei Amazon (Link) erhältlich.

Frohe Weihnachten und guten Rutsch

24 Dez 2015
24. Dezember 2015

Titelfoto: Rostocker Weihnachtsmarkt 2015 (aufgenommen aus dem Riesenrad)

Ich wünsche meinen Lesern ein frohes Weihnachtsfest, geruhsame Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Traditionell nutze ich diesen letzten Beitrag im Jahr dazu, ein wenig auf die vergangenen 12 Monate zurückzublicken, ein Stück weit natürlich mit der Brille eines Apple-Nutzers. Leider sind es diesmal nicht ganz so viele Blog-Beiträge geworden, was ich zu entschuldigen bitte, aber so ist das nunmal, wenn man sowohl beruflich als auch privat viele Projekte am laufen hat. Ich kann daher freilich auch nicht vorhersagen, ob es nächstes Jahr mehr werden.

Von der Apple-Hardwareseite betrachtet gab es für mich die Watch (meine erste Smartwatch) und ein neues Apple TV. Das iPhone 6s wird übersprungen (2-Jahresvertragsproblem) und ein neues 10-Zoll-iPad wurde nicht vorgestellt. Das iPad Pro macht zwar einen sehr guten Eindruck auf mich, ich finde es aber ebenso wie die „Plus-iPhones“ ein klein wenig zu groß. Der Stift scheint mir allerdings sehr gelungen, alle bisherigen iPad-Stifte haben mich leider nicht wirklich überzeugt. Das neue MacBook finde ich auch sehr elegant, wenn ich ein richtiger „Roadworker“ wäre, würde ich mein MacBook Pro sehr wahrscheinlich dagegen eintauschen.

Die Apple-Watch ist schnell zu einer festen Größe in meinem Alltag geworden. Allein die absolut unauffälligen Benachrichtigungen (ich habe mittlerweile eine gute Balance gefunden, welche ich zur Uhr durchlasse), von denen niemand außer mir etwas mitbekommt (Ton ist deaktiviert) sind für mich kaum wegdenkbar. Während Nutzer ohne Uhr noch ihr Telefon aus der Tasche ziehen, habe ich die jeweilige Benachrichtigung schon längst gelesen. Die Watch hat für mich ein ganz anderes Nutzungsschema als die übrigen Geräte, es sind die kurzen Aktionen, die schnelle Informationsaufnahme und die kleinen Interaktionen statt eine längere Beschäftigung am Stück. Wichtig sind für mich u.a. auch die Fitness-Funktionen, die Pulsmessung, die Anzeige des nächsten Termins direkt im Ziffernblatt (hat mich schon vor der ein oder anderen Peinlichkeit bewahrt) oder schlicht und einfach das schnelle Ablesen der Uhrzeit. Watch-Apps nutze ich allerdings weniger als ich dachte, der App Store ist diesbezüglich leider auch etwas unübersichtlich. Dennoch zwei Empfehlungen von Apps an dieser Stelle, welche die Vorteile des Geräts zu nutzen wissen: Runtastic Pro (App-Store-Link) hat auf der Uhr den großen Vorteil, dass man viel schneller die Gesamtkilometer ablesen kann als auf dem Telefon, indem man einfach nur auf die Uhr schaut, sie dient dabei zusätzlich noch als Pulsmesser für Runtastic. Just Press Record (App-Store-Link) ermöglicht die unkomplizierte Aufnahme von Sprachnotizen direkt über das Mikrofon der Uhr. Diese können dann auf dem iPhone oder auf dem Mac (Aufnahmen liegen auf dem iCloud-Drive) weiterverarbeitet oder geteilt werden. Seit kurzem nutze ich die Uhr auch zur Beleuchtungssteuerung via Siri und HomeKit, was mir große Freude bereitet. Alles in allem daher eine Anschaffung, die ich in keinster Weise bereue. Letzteres gilt auch für das Apple TV, über das ich erst kürzlich wieder berichtet habe.

Software-seitig waren die großen Updates dieses Jahr iOS 9 und OS X 10.11. Ich finde es gut, dass sich Apple mehr auf die Stabilität der Systeme als auf neue Funktionen konzentriert hat (Stichwort „Snow-Leopard-Releases“), allerdings empfand ich die ersten iOS-9-Versionen doch noch etwas buggy, insbesondere bei den App Stores sehe ich zum Teil heute noch noch viel Verbesserungsbedarf. Die neue Notiz-App kann man aber als gelungen bezeichnen. Ich nutze sie inzwischen für Notizen, die sich häufig ändern, und für kurzzeitige Aufzeichnungen, während der ganze Rest, also die eher statischen Dinge, in Evernote landen und verbleiben. Das Highlight war für mich allerdings die neue Fotos-App auf OS X. Endlich habe ich von allen Geräten dieselbe Sicht auf meine Aufnahmen und es ist egal, wo ich ein Foto hinzufüge oder bearbeite. Durch die Erweiterungen aus dem App Store (seit OS X 10.11 möglich) hat die Fotos-App IMHO iPhoto vom Funktionsumfang her überholt und steuert langsam in Richtung Aperture, auch wenn da natürlich noch vieles fehlt.

Natürlich ist in meinem Haushalt auch wieder das ein oder andere Gadget dazugekommen, über das ich auch gerne mal berichten würde, wie z.B. die Netatmo-Wetterstation oder eine Logitech-Harmony-Universalfernbedienung. Alle Lampen sind inzwischen auf LED umgestellt (in den allermeisten Fällen Philips Hue), was den Stromverbrauch spürbar gesenkt hat. Viel Zeit ist in mein Bilderrahmen-Projekt geflossen, ausführlich nachzulesen in meinem vorherigen Artikel.

Ich bin schon gespannt, was das kommende Jahr so bringen wird!

Das iPad als digitaler Bilder- und Inforahmen

13 Dez 2015
13. Dezember 2015

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich öfter und gerne fotografiere. Dabei sind schon eine Reihe schöner Aufnahmen entstanden, so dass schon länger der Wunsch besteht, diese auch innerhalb der eigenen vier Wände aufgehängt zu betrachten. Leider ist Wandfläche nun einmal endlich und teilweise natürlich auch schon genutzt, wodurch schnell Platzprobleme entstehen. Die klassische Lösung für dieses Problem ist ein digitaler Bilderrahmen, denn dort lassen sich auch schnell neue Fotos unterbringen, also musste einer her. Eine Marktrecherche brachte jedoch schnell Ernüchterung:

  • Es gibt keine große Auswahl, offensichtlich haben Tablets diesen Markt ziemlich „kaputt“ gemacht.
  • Die meisten Modelle benötigen einen Stromanschluss, was dort wo der Rahmen bei mir hin sollte, größeren Aufwand erfordert hätte.
  • Die User-Interfaces der Geräte sind häufig grottig.
  • Schon mit kleinen Zusatzfunktionen wie die Anzeige der Uhrzeit innerhalb eines Fotos sind viele Geräte überfordert.

Daher bin ich nach meinen Erkundungen zu der Schlussfolgerung gekommen, dass ein Tablet die bessere Lösung ist. Ein Akkubetrieb ist hier problemlos möglich, außerdem könnte ein Tablet seine Inhalte per WLAN beziehen, müsste selbst also nicht mit irgendwelchen SD-Karten bestückt werden. Die Darstellung der Bilder könnte eine entsprechende App übernehmen, wofür ich mich allerdings nicht entschieden habe, dazu später mehr. Bleibt also nur die Frage iPad oder Android. Ein Android-Gerät wäre möglicherweise etwas preiswerter geworden, ich habe mich dann aber für ein „refurbished“ iPad 4 entschieden, welches ich relativ günstig direkt bei Apple erworben habe. Wiederaufbereitete Geräte bekommen ein neues Gehäuse und einen frischen Akku, das ist alles, worauf es für meinen Bilderrahmen ankommt. Mit 10 Stunden Akku-Laufzeit muss ich das iPad nicht oft laden, denn ein Betrieb für mehr als eine Stunde pro Tag (eher weniger) war sowieso nicht geplant. Für mein Projekt reicht außerdem das kleinste Modell (16 GB mit WLAN) völlig aus. Die iPad-Lösung bietet mir persönlich auch weitere Vorteile:

  • Es hat ein hochauflösendes Retina-Display, ideal für Fotos.
  • Ich kenne mich mit dem System gut aus.
  • Ich kann weitere Apps zur Haussteuerung installieren, was praktisch ist bei einem Gerät, was direkt an der Wand hängt (dazu später mehr).

Nachdem das iPad eingetroffen war, musste als erstes eine Wandhalterung her. Nach einigen Recherchen habe ich mich für eine XFlat UP150 (Amazon-Link) entschieden, die das iPad zuverlässig an der Wand befestigt. Zur Montage muss lediglich ein Loch gebohrt werden.

Anschließend stellte sich die Frage nach einer Präsentationsapp für meine Fotos. Allerdings wurden, weil ich ja jetzt quasi einen vollwertigen Computer mit WLAN hatte, meine Ansprüche immer größer. Wäre es nicht toll, wenn es während die Bilder durchlaufen auch Seiten gäbe, die die aktuelle Innen- und Außentemperatur anzeigen, eine Wettervorhersage, Wetterwarnungen, die Schlagzeilen von heute, die nächsten Geburtstage meiner Verwandten und Bekannten? Mehr und mehr solcher Ideen kamen mir und es wurde schnell klar, dass ich niemals eine App finden werde, die das alles kann. Dann kam aber der rettende Einfall, ich bin ja von Beruf Webentwickler, also warum realisiere ich das nicht als webbasierte Lösung? Trotzdem brauchte ich natürlich eine App, und zwar einen Browser, der gleich mit einer festeingestellten Webadresse im Vollbild startet, ohne irgendein Benutzer-Interface anzuzeigen. Sowas gibt es aber, z.B. für die zahlreichen iPad-basierten Info-Kioske. Ich habe mich nachdem ich ein paar Apps getestet habe, für den Sandbox-Web-Browser entschieden (App-Store-Link). Bei dieser App legt man die Start-Webadresse direkt in der Einstellungs-App von Apple fest, sodass es beim Starten der App sofort mit der gewünschten Webseite losgeht, ideal für meine Zwecke.

Nun kam der eigentlich aufwändige Teil, der mir allerdings viel Spaß gemacht hat, das Erstellen der Webanwendung zur Darstellung von Foto- und Informationsseiten. Eine reine Fotoeinzelseite in HTML ist gar nicht so kompliziert und könnte beispielsweise so aussehen:

<!DOCTYPE html>
<html>
<head>
<meta name="viewport" content="height=device-height, width=device-width, initial-scale=1“ />
<meta http-equiv="refresh" content="10; URL=foto2.html“ />
</head> 
<body style="background-color: #000000; background-image:url(images/foto1.jpg); no-repeat center center fixed; -webkit-background-size: cover; background-size: cover">
</body>
</html>

Das Foto (hier foto1.jpg) wird als Hintergrundbild festgelegt (im Body-Tag) und die Meta-Refreshzeile im Header sorgt dafür, dass nach 10 Sekunden eine neue Webseite (foto2.html) mit einem neuen Foto (foto2.jpg) dargestellt wird. Meine Lösung ist allerdings – wie schon angedeutet – komplexer. So kann ich Einzelseite und Anzeigedauer in einer Steuerungsdatei festlegen, die in etwa so aussieht (Auszug, die vollständige Sequenz ist etwa 40 Zeilen lang, dann geht es wieder von vorne los),

10:photo-warnemuende1
20:headlines
10:photo-warnemuende2
20:itnews
10:photo-warnemuende3
20:applenews
10:photo-rostock1
20:localnews
10:photo-zoo1
10:conditions-inside
10:conditions-outside
10:photo-bornholm3
10:weather
10:forecast
10:photo-moen
10:alerts

Die Zahlen vor dem Doppelpunkt stehen für die Anzeigedauer in Sekunden, es folgt die anzuzeigende Seite. Seiten, die mit photo- beginnen zeigen ein Foto an, alles andere sind Sonderseiten, etwa mit Wetterinformationen oder Nachrichten. Diese Steuerungsdatei liegt im Textformat in meiner Dropbox und wird über ihre öffentliche URL von meiner Webanwendung eingelesen. Das hat den Vorteil, dass ich diese Datei auch mit dem iPhone ändern kann (mit einem Dropbox-fähigen Texteditor), um die Reihenfolge oder eine Anzeigedauer zu ändern. Natürlich komme ich in meiner Webanwendung dann nicht mehr mit einfachem HTML aus. Da ich sowieso dienstlich jeden Tag mit PHP arbeite, nutze ich diese Skriptsprache daher auch für dieses Projekt. Das Kernstück meiner Webanwendung ist somit ein PHP-Skript, welches die Steuerungsdatei aus der Dropbox holt, einliest und in einer Schleife Zeile für Zeile abarbeitet. Die Foto-Anzeigeseiten sehen gar noch so anders aus als im Beispiel oben, lediglich die Weiterleitungsseite, die Anzeigedauer und der Name des Fotos werden dynamisch mit PHP eingesetzt. Außerdem zeige ich auf jedem Foto unten links die Uhrzeit an, dieses Feature ist aber auch abschaltbar.

iPad-Bilderrahmen 1

iPad-Bilderrahmen 5

Das Grundgerüst steht damit, aber es gibt ja noch die Sonderseiten wie „headlines“, „itnews“, „applenews“, „localnews“, „conditions-inside“, „conditions-outside“, „weather“, „forecast“ und „alerts“, die ich immer nach ein bis zwei Fotos einstreue. Die meisten dieser Seiten basieren auf RSS-Feeds, die ich per JavaScript einlese. Dazu nutze ich die Google-Feed-API. So nehme ich z.B. für die Seite „headlines“ den Feed der Tagesschau und für „itnews“ den Feed von Heise. Eine Besonderheit sind die Seiten „conditions-inside“, „conditions-outside“ und „alerts“. Diese zeigen u.a. Temperatur und Luftfeuchtigkeit in und außerhalb meiner Wohnung an und zwar mit den Werten meiner Netatmo-Wetterstation. Netatmo bietet freundlicherweise eine Programmierschnittstelle an, so dass ich mir die Daten darüber direkt von den Netatmo-Servern holen kann. War etwas Bastelarbeit, funktioniert aber einwandfrei. Hier sind ein paar von den Sonderseiten:

iPad-Bilderrahmen 2

iPad-Bilderrahmen 3

iPad-Bilderrahmen 4

iPad Bilderrahmen 6

iPad-Bilderrahmen 7

iPad-Bilderrahmen 8

So ist man morgens, wenn man beim Starten in den Tag ein paar Mal am iPad vorbeiläuft, schon ganz gut informiert. Art und Zahl der Zusatzseiten bleiben lediglich der eigenen Fantasie überlassen, denn es gibt kaum eine Information, die sich nicht irgendwie direkt oder indirekt aus dem Internet beschaffen läßt. Um wichtige Infoseiten direkt zu erreichen, habe ich noch eine Navigationsseite implementiert, die durch Streichen auf dem Display aktiviert werden kann (per ontouchmove-Event in JavaScript).

Da ich nun ein iPad fest an der Wand hängen habe, läßt es sich vorzüglich auch für andere Aufgaben einsetzen. Hier ein paar Beispiele:

  • Beleuchtungssteuerung mit der Hue-App
  • iTunes-Fernsteuerung mit der Remote-App
  • Einkaufsliste ergänzen (in meinem Fall AnyList)
  • Gerätesteuerung mit der Logitech-Harmony-App
  • iPad direkt als Wandradio mit der TuneIn-App

Auch hier sind dem kreativem Einsatz nur durch den App Store Grenzen gesetzt. Vielleicht konnte ich ja, die ein oder andere Anregung lostreten, ein eigenes Bilderrahmen-Projekt zu starten. Die Implementierung kann sogar mehr Freude bringen, als die spätere Nutzung ;-).

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