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Fahrrad-Computer und Radar-Rücklicht

09 Jul 2017
9. Juli 2017

Seit etwa einem Jahr bin ich regelmäßiger und recht begeisterter Radfahrer. In Kürze steht sogar der erste Fahrrad-Urlaub an. Bei meiner Technik-Begeisterung war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Drahtesel mit mehr Geräten ausgestattet wurde. Im Januar habe ich bereits berichtet, wie ich mein iPhone vor allem zum Zwecke der Navigation am Fahrrad befestige (Link zum Blog-Artikel). Das nutze ich jedoch nicht für die vielen kleinen täglichen Fahrten, da ich immer die Hülle mitnehmen, „assistive touch“ einschalten und den Bildschirmsperre deaktivieren müsste. Diesen Aufwand treibe ich nur bei längeren Fahrten oder richtigen Radtouren. Für alle anderen Fahrten hatte ich das Fahrrad bisher mit einem recht einfachen Sigma-Computer (BC 16.12) ausgestattet, der nur zwei Werte, z.B. Uhrzeit und Geschwindigkeit, gleichzeitig anzeigen konnte und insgesamt – wie der Modellname schon andeutet – 16 Funktionen hat. Das war mir einfach zu wenig geworden und ich habe daher nach einem „Mittelding“ zwischen dem Sigma und meinem iPhone gesucht.

Natürlich gab es ein paar Kriterien, die mir die Auswahl eines Fahrrad-Computers etwas erleichtert haben:

  • Das Gerät sollte in der Größe zwischen dem Sigma und meinem iPhone liegen.
  • Es soll leicht zu befestigen sein, idealerweise an einer Halterung wie beim Sigma, die immer am Fahrrad verbleibt.
  • Es soll ebenso leicht in Betrieb zu nehmen sein, damit sich der Aufwand vor einer jeden Fahrt in Grenzen hält.
  • Da es hier auch mal regnet, muss es wasserdicht sein.
  • Es soll über GPS verfügen, was eine recht genaue Anzeige von Geschwindigkeit, zurückgelegter Strecke, Fahrtrichtung usw. ermöglicht. Außerdem kann damit die Fahrstrecke gespeichert, was ich allerdings auch mit der Apple Watch machen könnte.
  • Die Nachrüstung von Zubehör, z.B. einem Trittfrequenz-Sensor ist wünschenswert, falls mal das Verlangen nach mehr Daten entstehen sollte.
  • Ebenfalls wünschenswert ist die Anzeige zumindest der wichtigsten Benachrichtigungen von meinem Smartphone.
  • Funktionen für Profi-Sportler wie Performance-, Leistungs- und Trainingsanalyse benötige ich eher weniger.
  • Navigations- und Routenplanungsfunktionen sind mir auch eher unwichtig, da ich hier mit „Komoot“ auf dem iPhone eine sehr gute Lösung am Start habe (ist ebenfalls im oben verlinkten Artikel näher beschrieben).

Nachdem ich mir eine ganze Reihe von Webseiten und Youtube-Videos zu dem Thema angeschaut habe, fiel unter Berücksichtigung der o.g. Kriterien die Wahl auf ein „Garmin Edge 520“, ein mittleres Modell aus dem Garmin Fahrradcomputer-Angebot. Das Gerät ist rund 7 x 4,5 cm groß und damit sehr handlich, der Farbbildschirm, der tagsüber auch ohne Hintergrundbeleuchtung gut abzulesen ist, ist etwa 3,5 x 4,5 cm groß. Der 520 hat im Gegensatz zu den größeren Modellen keinen Touchscreen, sondern wird mit sechs Knöpfen an verschiedenen Rändern bedient, was während der Fahrt nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Er wird durch eine 90-Grad-Drehbewegung (ähnlich wie mein alter Sigma) an einer der beiden mitgelieferten Typen von Halterungen befestigt. Ein Geschwindigkeitssensor könnte – muss aber Dank GPS nicht – zusätzlich angebracht werden.

Garmin Edge 520

Der Akku reicht laut Herstellerangaben rund 15 Stunden, was auch für Ganztagestouren ausreichend sein sollte. Geladen wird über einen Micro-USB-Anschluß.

Das Gerät ist extrem flexibel konfigurierbar und unterstützt mehrere sogenannte Profile, von denen ich derzeit nur eines nutze, aber die Verwendung auf mehreren Fahrrädern (inklusive Heimtrainer) mit jeweils anderen Einstellungen wäre möglich. Auch die Anzeige von Daten während der Fahrt ist sehr weitgehend einstellbar, falls gewünscht auch auf mehreren Seiten. Derzeit lasse ich mir auf der Hauptseite während der Fahrt folgende acht Daten (bis zu 10 wären möglich) gleichzeitig anzeigen :

  • Zeit (wie lange dauert die aktuelle Fahrt schon?)
  • Geschwindigkeit
  • Distanz (zurückgelegte Kilometer auf der aktuellen Fahrt)
  • Uhrzeit
  • verbrauchte Kalorien
  • Richtung (z.B. „N“ oder „NW“, ist recht praktisch)
  • Temperatur (über das eingebaute Thermometer)
  • Kilometerzähler (insgesamt mit der Rad zurückgelegte Kilometer)

Auf weiteren Seiten, die per Knopf erreichbar sind, befinden sich u.a. zusätzliche Daten (wie Akkustand, Neigung und Uhrzeit des Sonnenuntergangs), eine Umgebungskarte, ein Kompass und ein grafisches Höhenprofil. Über eine Garmin-App auf meinem iPhone kommuniziert mein Smartphone mit dem Fahrrad-Computer. Das ermöglicht u.a. ein Abgreifen der aufgezeichneten Fahrten und eine Anzeige eingehender Anrufe und SMS sowie Wetterwarnungen auf dem Fahrradcomputer. Es gibt sogar rudimentäre Navigationsfunktionen, wobei Strecken allerdings auf dem Computer geplant und auf das Gerät geladen werden müssen. Alternativ kann man bereits aufgezeichnete Fahrten auch ohne Computer erneut nachfahren. In diesem Bereich können die größeren Modelle mehr, was mir aber unwichtig war, da in diesem Fall mein iPhone mit „Komoot“ zum Einsatz käme (innerhalb meines Wohnorts brauche ich sowieso nur selten eine Navigation).

Garmin Connect (1)Garmin Connect (2)

Garmin Connect App

Es gibt noch eine Menge Funktionen zur Leistungs- und Trainingsanalyse, die ich zumindest derzeit nicht nutze. Wenn die Tour zu Trainingszwecken aus mehreren Runden besteht, kann man mit einem Knopfdruck das Ende einer Runde markieren, um entsprechende Rundenstatistiken zu erhalten. Sogenannte Strava Live-Segmente werden ebenfalls unterstützt.

Ein echtes Highlight ist das sogenannte „Varia“-Rücklicht, welches Garmin als Zubehör anbietet und mit dem Edge gekoppelt werden kann. Es wird ebenfalls mit einer von zwei verschiedenen Halterungen am Fahrrad durch einen Drehmechanismus befestigt (da meine Sattelstange dafür zu kurz war, musste es hinten befestigt werden und der Reflektor an die Sattelstange verlegt werden, mein herzlicher Dank geht an Christian für die tatkräftige Unterstützung!). Es handelt sich dabei nicht nur um ein Rücklicht (mit StVO-Zulassung versteht sich), sondern zusätzlich um ein Radar! Nähert sich ein Auto von hinten meinem Fahrrad ertönt ein Singalton am Fahrradcomputer und am rechten Rand des Bildschirms wird senkrecht ein kleiner Streifen abgetrennt. Auf diesem wird das Auto als Punkt dargestellt, je weiter oben der Punkt ist, desto näher kommt das Fahrzeug, bis es schließlich oben meine Höhe erreicht (siehe Video unten). Mehrere Fahrzeuge werden sogar als zusätzliche Punkte dargestellt. Wenn sich das Fahrzeug nähert, leuchtet gleichzeitig das Rücklicht intensiver, um Aufmerksamkeit beim Autofahrer zu erzeugen. Nach meiner einwöchigen Erfahrung damit funktioniert das recht gut, allerdings erhält man auf viel befahrenen Straßen, selbst wenn man einen abgetrennten Radweg benutzt, mehr oder weniger eine Daueranzeige. Auf wenig befahrenen Straßen empfinde ich die Hinweise aber als ziemlich nützlich. Bei diesem Gerät reicht der eingebaute Akku allerdings nur 4-5 Stunden.

Garmin Varia

Aktueller Stand meines Smart Homes

19 Mrz 2017
19. März 2017

Im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre hat sich hier einiges an Smart-Home-Technik angesammelt, so dass ich heute mal einen entsprechenden Überblick geben möchte. Ausnehmen will ich hierbei aus Gründen ausdrücklich die sicherheitstechnischen Einrichtungen, die den Einbruchsschutz betreffen. Obwohl ich ja Apple-Fan bin, spielt Apples HomeKit bei mir, wie der Artikel zeigen wird, nur eine untergeordnete Rolle. Das liegt zum einen daran, dass viele meiner Geräte nicht HomeKit-fähig sind und dass die Spracherkennung meines Echos (s.u.) wirklich hervorragend funktioniert.

IFTTT

In diesem Artikel wird öfter von „IFTTT“ die Rede sein, was ist das eigentlich? IFTTT ist die Abkürzung für „if this than that“ („wenn dies, dann das“) und steht für einen Internetdienst, der andere Internetdienste (Twitter, Facebook, Instagram, E-Mail, RSS, Dropbox…) oder Internet-fähige Geräte (Amazon Echo, Netatmo, Logitech Harmony, Philips Hue, diverse Smart-Home-Systeme, …) miteinander verbindet. Ein einzelner Dienst kann dabei sowohl die Bedingung sein als auch die Aktion ausführen, letztendlich ist es dem Hersteller bzw. Anbieter überlassen, was im einzelnen implementiert wird. Da inzwischen viele teilnehmen, sind die Verknüpfungsmöglichkeiten enorm und im wesentlichen der Fantasie des Users überlassen. Allgemeine Beispiele:

  • wenn ich auf Twitter erwähnt werde, Küchenlampe einschalten
  • wenn ich auf Instagram ein Foto poste, poste es auch auf Facebook
  • wenn die Temperatur im Raum 18 Grad unterschreitet, schalte die Heizung an
  • wenn ich auf dem Amazon Echo etwas zur Einkaufsliste hinzufüge, schicke meiner Frau eine E-Mail mit dem Artikel
Kurz zusammengefasst, IFTTT ist ein wichtiges Tool, um das Internet zu automatisieren. Solche Automatisierungen spielen natürlich auch im Smart-Home-Bereich eine Rolle. Nun aber zu den einzelnen Komponenten meines Smart Homes:

Postmelder

Das Smart Home beginnt schon draußen am Briefkasten. Meinen Postmelder, der mir anzeigt, dass etwas in den Briefkasten geworfen wurde, habe ich bereits in einem früheren Artikel vorgestellt.

Lampen

Damit hat eigentlich alles angefangen. Inzwischen ist die gesamte Wohnung mit Philips-Hue-Lampen ausgestattet, es findet sich sowohl die E27- als auch die GU10-Variante. Dazu kommen noch vier Hue-Bloom-Strahler, die verschiedene Wandflächen in bestimmte Farben tauchen können. Ich genieße es immer noch sehr, abends auf dem Sofa zu sitzen und jeden Raum in einer anderen Farbe leuchten zu sehen. Für mich ist das irgendwie entspannend. Lediglich im Badezimmer werkeln normale LED-Birnen, da das Hue-System in feuchten Räumen nicht empfohlen wird.

Hue-Stimmung

Abendstimmung mit Philips Hue

Lichtschalter

Bei smarten Glühbirnen sind ja die klassischen Lichtschalter immer eingeschaltet. Meistens steuere ich die Beleuchtung per Sprache (dazu später mehr), es gibt aber auch ein paar schlaue Schalter. Derzeit habe ich drei Varianten davon im Einsatz. Der Hue-Tap ist ein Puck-förmiges Gerät, welches aus vier Schaltern besteht (drei kleine und der Rest ist ein großer), die entsprechend mit vier Szenen belegt werden können. Man kann den Tap einfach auf einen Tisch legen oder an der Wand befestigen.

Hue Tap

Hue Tap

Das Hue-Dimmer-Kit ist ein Schalter, der zum an die Wand kleben oder schrauben gedacht ist, dessen Mittelteil mit den Knöpfen man aber auch herausnehmen kann. Er hat vier Knöpfe: „ein“, „aus“, „heller“ und „dunkler“. Ich nutze ihn, um die Beleuchtung im Wohnzimmer zu steuern. Sowohl Tap als auch Dimmer-Kit sprechen direkt mit der Hue-Bridge.

Hue-Dimmer

Hue-Dimmer über einem klassischen Lichtschalter

Kürzlich habe ich auch noch Pop-Schalter von Logitech erworben. Diese sind zum Aufkleben an Wände oder Möbel gedacht und können dreifach belegt werden (Klick, Doppelklick und lange drücken), wobei jeweils noch festgelegt werden kann, dass eine Aktion ein- und anschließend wieder ausschaltet. Die Schalter benötigen eine eigene Bridge und können u.a. mit Philips Hue, SmartThings (s.u.) und IFTTT sprechen. Es gibt ein Starter-Kit mit Bridge und zwei Schaltern sowie einzelne Schalter in verschiedenen Farben zu kaufen. Dank der SmartThings- und IFTTT-Integration kann man mit den Pop-Schaltern viel mehr machen, als nur Licht steuern: Geräte ein- und ausschalten, „Guten Morgen“ twittern, Dinge auf die Einkaufsliste setzen und vieles mehr. Nur der Einzelpreis von rund 40 EUR ist da ein wenig hemmend.

Logitech Pop

Logitech-Pop-Schalter (links) neben klassischem Lichtschalter (rechts)

Logitech Harmony

Logitech-Harmony ist eine Art Universalfernbedienung, die über einen Hub Tausende von Geräten per Infrarot, WLAN oder Bluetooth fernsteuern kann. Als Interface gibt es eine beleuchtete physikalische Fernbedienung mit Display, eine Smartphone- und Tablet-App, sowie die Möglichkeit Geräte auch per IFTTT zu steuern.

AirPlay-Lautsprecher

Alle Zimmer verfügen über AirPlay-fähige Lautsprecher, so dass ich Musik oder Podcasts, die auf meinem Mac abgespielt werden, in der ganzen Wohnung hören kann. Leider hat Apple es noch nicht geschafft, dass man von einem iOS-Gerät mit Bordmitteln mehrere AirPlay-Lautsprecher bespielen kann. Daher möchte ich den Wechsel auf ein anderes Mehrraum-System nicht ausschließen.

Netatmo-Wetterstation

Diese Wetterstation mit Internet-Anbindung erfasst eine Reihe von Messwerten in verschiedenen Zimmern und hat auch ein sonnengeschützt angebrachtes Außenmodul. Gemessen werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und -druck, sowie innen auch CO2-Gehalt der Luft und Geräuschpegel. Mit Hilfe von IFTTT sind einige Alarmierungen per Benachrichtigung definiert, z.B. falls der Kohlendioxid-Gehalt so hoch ist, dass gelüftet werden muss. Die wichtigsten Daten werden auch abwechselnd mit anderen Informationen auf meinem Smart-Display (s.u.) angezeigt. Netatmo bietet eine Entwickler-Schnittstelle an, so dass die Daten auch in anderen Programmen wie „Weather Pro“ oder in der Menüleiste meines Macs angezeigt werden können. Mit Hilfe der Netatmo-App kann alles auch im Nachhinein ausgewertet werden.

Netatmo-Hauptmodul

Netatmo-Hauptmodul

Schaltbare Steckdosen

Ich besitze verschiedene schaltbare Steckdosen, um Geräte automatisch oder per Sprachsteuerung (Siri oder Amazon Echo) ein- oder auszuschalten. Im Laufe der Zeit haben sich drei verschiedene Varianten angesammelt: Infrarot- (Steuerung über Logitech-Harmony und damit wiederum über IFTTT möglich), Z-Wave- (Steuerung über den unten genannten Smart-Hub und damit ebenfalls per IFTTT möglich) und HomeKit-Modelle (Elgato Eve, Steuerung über Siri). Letztere verfügen zusätzlich über die Möglichkeit, den Stromverbrauch zu messen.

Rauchmelder

In der Wohnung befinden sich insgesamt drei Nest-Protect-Rauchmelder. Diese sind untereinander vernetzt, so dass bei Problemen immer über alle Rauchmelder alarmiert wird. Zusätzlich erhält man Benachrichtigungen auch auf dem Smartphone, daher schlagen Alarme auch dann auf, wenn man unterwegs ist. Die Nest-Protects alarmieren nicht nur bei Rauch, sondern können auch Kohlenmonoxid detektieren. Die Rauchmelder haben unten ein Leuchtring (ähnlich dem Amazon Echo), der verschiedenste Dinge tun und signalisieren kann. Im Alarmfall leuchtet er natürlich rot, aber wenn man z.B. in der Nacht das Licht ausschaltet, leuchtet er kurz in grüner Farbe. Das soll signalisieren: „Hey, ich funktioniere und passe auf.“ Dafür bleibt einem dann das ständige rote Blinken einer LED wie bei klassischen Rauchmeldern erspart. Man kann einen Nest-Rauchmelder sogar so konfigurieren, dass er als Nachtlicht dient, in diesem Fall leuchtet der Ring für eine kurze Zeit in weißer Farbe. Möglich wird das, weil die Geräte über integrierte Bewegungsmelder verfügen. Bei meinem Rauchmelder im Flur nutze ich diese praktische Funktion.

Schön an den Nests ist auch, dass per Sprachausgabe mit den Bewohnern kommuniziert wird. So gibt es z.B. einen Countdown bei der Testfunktion oder die Ansage des betreffenden Raums im Alarmfall. Nest-Protects lassen sich mit den Hue-Leuchten verknüpfen. So blinken im Alarmfall die Hue-Lampen rot und stellen sich anschließend auf ein gedimmtes Rot, der besten Farbe, um sich in verrauchten Räumen zurechtzufinden. Hoffentlich werde ich das nie erleben!

Nest-Rauchmelder

Nest-Rauchmelder mit Leuchtring

Sensoren

In meiner Wohnung gibt es eine Menge Tür- und Fenster-Sensoren sowie Bewegungsmelder. Wie eingangs erwähnt schreibe ich nichts zu den Sicherheitsaspekten, dennoch ist es natürlich unterwegs allein schon gut zu wissen, ob man z.B. alle Fenster geschlossen hat. Ein Wasser-Sensor im Badezimmer alarmiert mich, falls dort eine Überschwemmung auftreten sollte.

Smart-Schlafsystem

Die smarte Technik macht auch vorm Schlafzimmer keinen Halt. Mein Withings-Aura-Schlafsystem (Withings gehört mittlerweile Nokia) hat mehrere Funktionen. Es ist erstmal eine Nachttischlampe mit dezenter Uhrzeitanzeige, die sich automatisch der Helligkeit des Raumes anpasst. Als Einschlafhilfe gibt es ein Programm, welches die Lampe rot leuchten läßt und immer leiser werdende beruhigende Musik spielt. Das hat den wissenschaftlichen Hintergrund, dass Licht im rötlichen Bereich müde macht. Die Weckfunktion kann für jeden Tag flexibel programmiert werden und macht genau das Gegenteil. Sie spielt anregende Musik und taucht den Raum in ein blaues Licht. Bläuliches Licht hat wiederum wachmachende Eigenschaften. Zusätzlich ist ein Sensor angeschlossen, der in Form einer Matte unter der Matratze liegt. Dieser zeichnet den Schlaf auf, so dass man sein Schlafverhalten auswerten und optimieren kann. Die Daten werden auch an die Health-App vom iPhone weitergegeben, können aber natürlich ausführlicher in der Withings-App eingesehen werden.

Withings Aura

Withings Aura im Nachttischlampen-Modus 

Whitings-App

Withings-App mit beispielhafter Schlafanalyse

Saugroboter

Ein Vorwerk-Saugroboter kümmert sich seit über zwei Jahren zuverlässig um die Reinigung der Fußböden. Hier mein Blog-Artikel dazu.

Smart-Hub

Der SmartThings-Hub von Samsung ist quasi das Herzstück meines Smart Homes. Das Gerät ist etwa so groß wie ein Apple TV 3. Generation, hängt direkt am Ethernet und spricht WLAN, Z-Wave und Zigbee. Dadurch kann sich die Box mit vielen Geräten und Sensoren, die für Smart Homes relevant sind, verbinden. Der Smart-Hub selbst wird über mein iPhone bedient und konfiguriert. Dort kann ich jederzeit den Status der Wohnung einsehen und auch Änderungen vornehmen, z.B. Lichter oder Steckdosen  ein- und ausschalten. Hier kann ich auch Automatisierungen erstellen, die das Leben leichter machen, dazu später mehr. Geht etwas nicht mit Bordmitteln, kann man sogar sogenannte SmartApps schreiben oder fertige installieren, die die Fähigkeiten des Systems erweitern. Grundsätzlich unterscheidet der Hub drei Zustände: anwesend, abwesend und Nacht. Für einige Regeln und Automatisierungen ist es sehr nützlich, dass man „anwesend“ von „Nacht“ unterscheiden kann, auch dazu später mehr. Die Anwesenheit kann mit sogenannten Anwesenheitssensoren, von denen idealerweise jeder Bewohner einen bekommt, festgestellt werden. So ein Anwesenheitssensor kann z.B. ein Smartphone sein, Samsung verkauft aber auch dedizierte Sensoren, die man sich ans Schlüsselbund hängen kann. Letztendlich ermöglichen diese Sensoren z.B. festzulegen, was passieren soll, wenn der letzte das Haus verlassen hat. Das SmartThings-System hat natürlich auch eine IFTTT-Integration für alle Dinge, die nicht direkt mit Bordmitteln gehen. Leider gibt es die SmartThings-Produkte, obwohl sie hier einwandfrei funktionieren, nicht in Deutschland. Ich habe sie daher bei amazon.co.uk bestellt. Kompatible Z-Wave-Sensoren, z.B. für Türen oder Fenster, kann man aber ganz normal von anderen Herstellern hier erwerben.

SmartThings-App

SmartThings-App mit der Detailanzeige zum Badezimmer

SmartThings-HomeMonitor

Hauptbildschirm der SmartThings-App

Sprachinterface

Amazons Echo ist das zentrale Sprachinterface meiner Wohnung. Ich habe Amazons schwarzen Zylinder kürzlich in einem Artikel ausführlich vorgestellt. Mit den entsprechenden Sprachbefehlen werden bei mir u.a. folgende Aktionen gesteuert:

  • Steuerung der Beleuchtung, inklusive zweier Lampen, die an schaltbaren Steckdosen hängen
  • Ein- und Ausschalten des Fernsehers und der Stereoanlage
  • Ein- und Ausschalten von Z-Wave-Steckdosen via IFTTT
  • Abfrage von Netatmo-Daten, z.B. der Außentemperatur (s.o.)
  • Hinzufügen von Artikeln zur Einkaufsliste via IFTTT
  • Hinzufügen von Aufgaben zu OmniFocus via IFTTT und E-Mail
  • Abspielen von Musik- und Radiostreams

Amazon Echo

Amazon Echo

Smart-Display

Dies ist die neueste Komponente meines Smart Homes. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass ein Smart Home auch die Möglichkeit haben sollte, mir optisch etwas mitzuteilen, ohne dass ich dabei aufs Smartphone schauen muss. Als ich kürzlich auf das LaMetric-Display gestossen bin, war mir schnell klar, dass es genau das ist, was ich gesucht habe. Das etwa 20 cm lange und 6 cm hohe, teils farbige Display zeigt bei mir (man kann es sehr individuell anpassen, sogar eigene kleine Apps schreiben oder Nachrichten per „http“ senden) folgende Informationen in einer Rotation an:

  • Uhrzeit, Datum, Wochentag und Kalenderwoche
  • Temperatur, aktuelles Wetter und Luftdruck (mitgelieferte Wetter-App)
  • die wichtigsten Daten meiner Wetterstation (s.o.)
  • Uhrzeit von Sonnenauf- und -untergang
  • die nächsten Nahverkehr-Abfahrten an der nahegelegenen Haltestelle (selbst programmiert)
  • die nächsten drei Geburtstage in meiner Familie/Bekanntschaft (selbst programmiert)
  • aktuelle Tagesschau-Schlagzeilen (selbst programmiert)

Video von meinem LaMetric-Display, welches einen Teil meiner Anzeige-Rotation zeigt (die Bewegungsunschärfe ist dem Abfilmen geschuldet)

Mit Schaltern direkt am Display kann auch manuell zwischen den einzelnen Anzeigen hin- und hergeschaltet werden. Zusätzlich kann man dem Display Benachrichtigungen per IFTTT schicken und hier wird es richtig spannend. So erhalte ich z.B. eine Benachrichtigung auf dem Display, wenn mich jemand auf Twitter erwähnt oder draußen ein Sturm tobt. Wenn ich etwas via Amazon Echo zu meiner Einkaufsliste hinzufüge, erscheint der Artikelname zur Bestätigung auf dem Display. Selbiges gilt für Aufgaben, die wie bereits erwähnt auch via IFTTT und E-Mail zu OmniFocus geleitet werden.

Innerhalb des eigenen Netzwerks braucht man übrigens kein IFTTT, sondern kann Texte relativ einfach per HTTP ans Display schicken. So habe ich zum Beispiel auf meinem Mac ein AppleScript, welches mir sobald in iTunes der Musiktitel wechselt, Songtitel und Interpret aufs Display sendet.

Automatisierungen

Das hier vorgestellte Setup ermöglicht eine Reihe von Automatisierungen, von denen ich abschließend einige beispielhaft vorstellen möchte. Eine einfache Automatisierung ist z.B. eine Steckdose, an der ständig ein Gerät hängt, nur zu bestimmten Zeiten einzuschalten. Ich nutze das z.B. für meinen Akku-Staubsauger, der nicht 24/7 laden muss, mir reichen hier ein paar Stunden pro Woche. Andere Steckdosen wiederum sind nur eingeschaltet, wenn jemand anwesend ist. An meinem Nachttisch ist ein Logitech-Pop-Schalter, der u.a. dazu da ist, den SmartThings-Hub von „anwesend“ auf „Nacht“ umzuschalten und umgekehrt. Bei Aktivierung des Nacht-Modus werden alle Lampen in der Wohnung ausgeschaltet. Extra für den Nacht-Modus habe ich einen Bewegungssensor, der mir, sobald ich aufstehe, das Licht bis zum Badezimmer für einige Minuten einschaltet und dann wieder ausschaltet. Beim Ausschalten des Nacht-Modus erscheint übrigens ein freundliches „Guten Morgen!“ auf dem Smart-Display – kleine IFTTT-Spielerei ;-). Natürlich werden auch nach Verlassen der Wohnung alle eventuell noch eingeschalteten Lampen ausgeschaltet.

Was fehlt?/Ausblick

Ich hätte noch gerne eine Heizungssteuerung. Dass ich noch keine besitze hapert momentan daran, dass ich keinen freien Ethernet-Port mehr im Router habe und dass meine Heizkörper recht alte Köpfe haben, von denen ich nicht genau weiß, ob ein Heizkörper-Thermostat passen würde. Auch Steckdosenplätze werden langsam knapp, wie man sich bei der ganzen Technik sicherlich vorstellen kann.

Auch könnte ich mir vorstellen, meine AirPlay-Lautsprecher durch ein Sonos-System zu ersetzen oder zu ergänzen. Allerdings ist der Anschaffungswiderstand hierfür recht hoch.

Ich hoffe, dass ich irgendwann die Zeit finden werde, die Komponenten, zu denen es noch keinen eigenen Artikel gibt, ausführlicher vorzustellen. Und mich würde natürlich auch interessieren, welche Smart-Home-Technologien meine Leser einsetzen, Feedback gerne in den Kommentaren!

Apple Pay in Deutschland nutzen

20 Feb 2017
20. Februar 2017

Es ist eigentlich kein Geheimnis, auch wenn Apple Pay in Deutschland noch nicht gestartet ist, kann man hierzulande durchaus damit bezahlen. Ich möchte in diesem Artikel meine ersten Erfahrungen damit teilen.

Um mit Apple Pay zu bezahlen, braucht man zum einen eine Bank, die dies unterstützt und zum anderen muss der jeweilige Händler ein NFC-Terminal am Start haben, dass kontaktlose Zahlungen unterstützt. Genauer gesagt, kontaktlose Zahlungen bei denen die Authentifizierung bereits auf dem Gerät stattfindet (beim iPhone also mit Fingerabdruck), sodass auf eine PIN verzichtet werden kann. Ersteres gibt es in Deutschland noch nicht, entsprechend ausgestattete Händler allerdings jede Menge, dazu später mehr.

Aber wir haben ja einen EU-Binnenmarkt, also kann man sich einfach einer Bank im Ausland bedienen, und zwar in einem Land, wo Apple Pay schon verfügbar ist. In meinem Fall ist das Frankreich. Großbritannien wäre auch möglich, aber hier kämen erschwerend Währungsumrechnungen dazu. Als Finanzdienstleister nutze ich „boon.“ von der Wirecard AG, interessanterweise ein deutsches Unternehmen.

Nun gibt es ein paar kleine Hürden, aber keine Angst, in weniger als einer Stunde ist man mit allem durch. Auf dem iPhone muss die boon.-App aus dem französischen App-Store installiert werden. Der Store muss also kurzzeitig gewechselt werden. Weiterhin muss das iPhone (und falls vorhanden auch die Apple Watch) auf die Region „Frankreich“ umgestellt werden, aber nur während der Einrichtung, danach kann man wieder auf „Deutschland“ zurückstellen. Die Sprache braucht nicht geändert zu werden, sondern wirklich nur die Region. Zum Download der App wird eine französische Apple-ID benötigt, aber keine Kredit- oder iTunes-Karte, da die boon.-App kostenlos ist.

In der boon.-App, die übrigens über eine deutschsprachige Lokalisierung verfügt, registriert man sich für ein Konto ganz normal mit seiner deutschen Adresse. Es gibt drei Kontotypen, für Apple Pay im Ausland (wozu Deutschland in diesem Fall zählt) ist laut Angaben von „boon.“ die höchste Stufe „PLUS“ erforderlich. Für den Wechsel von „BASIC“ auf „PLUS“ müssen aus der App heraus einige Dokumente fotografiert und hochgeladen werden. Die Prüfung selbiger inklusive anschließender Hochstufung hat bei mir gut einen Tag gedauert. In jedem Fall handelt sich um ein Prepaid-Konto, d.h., es ist erforderlich Guthaben aufzuladen, was per Kreditkarte (kostenpflichtig) oder Überweisung (kostenlos) möglich ist. Ich nutze die Überweisung, die nach meinen Erfahrungen in rund 24 Stunden meinem boon.-Konto gutgeschrieben wird. Es wird übrigens an eine deutsche IBAN überwiesen. Ich habe mir eine Überweisungsvorlage dafür bei meiner Hausbank angelegt, so dass künftige Überweisungen schnell von der Hand gehen. Das boon.-Konto selbst ist im ersten Jahr kostenlos, danach werden 99 Cent pro Monat fällig. In der boon.-App werden das Guthaben, sowie die bisherigen Transaktionen angezeigt.

Im letzten Schritt fügt man aus der App heraus die boon.-Karte seiner Wallet auf dem iPhone und – wenn wie bei mir vorhanden – auf der Apple Watch hinzu, das sind zwei separate Vorgänge. Nun kann die Region zurück auf „Deutschland“ gestellt werden. Die App-Store-Wechselei hatte bei mir übrigens den Seiteneffekt, dass ich meine Offline-Titel aus der iCloud-Musikbibliothek neu herunterladen musste. Ich weiß leider nicht genau, ob das grundsätzlich so ist.

Bezahlen per iPhone

Bezahlung per iPhone

Ist das erste Guthaben bei „boon.“ angekommen, kann es losgehen, das Bezahlen per Apple Pay. Tipp: Dem Kassenpersonal nicht sagen, dass man per Smartphone bezahlen möchte (das halten viele nach meiner Erfahrung für nicht möglich), sondern „kontaktlos per Karte“ oder einfach „per Karte“. Unterstützt der Händler Apple-Pay öffnet sich die Wallet-App, sobald das iPhone in die Nähe des Terminals gehalten wird. Nun noch kurz per Fingerabdruck bestätigen und der Einkauf ist bezahlt. Mit der Apple Watch ist die Vorgehensweise etwas anders, hier ist ein Doppelklick auf den unteren Knopf erforderlich, es öffnet sich die Wallet-App mit der boon.-Karte, Uhr in die Nähe des Terminals halten, bezahlt! Auf dem Kassenbon erscheint der Vorgang als Mastercard-Zahlung.

Bezahlen per Apple Watch

Zahlung per Apple Watch

Ich möchte nochmal betonen wie schnell und umkompliziert der Bezahlvorgang ist, es dauert wirklich nur wenige Sekunden!

Getestet habe ich das Ganze schon bei Edeka, Kaufland, Globus und McDonalds, es wurde mir aber zugetragen, dass z.B. auch REWE, Lidl, ALDI, Rossmann, Real, Deichmann, Burgerking, Vapiano, Starbucks, ARAL, Esso und Sanifair die Zahlung via Apple Pay unterstützen, möglicherweise jeweils nicht in allen Filialen (Danke für das entsprechende Feedback via Twitter!) Dennoch ist das bereits eine so große Basis, dass ich mich ernsthaft frage, warum Apple Pay hier noch nicht am Start ist, denn es dürften nach dem Launch erstmal nicht viel mehr werden. Es würde mich sehr wundern, wenn es dieses Jahr nicht losgeht.

Update vom 05.03.2017: Informationen zum boon.-Kontotyp geändert und neue Akzeptanzstellen hinzugefügt.

Fremdsprachen lernen mit Apps revisited

23 Jan 2017
23. Januar 2017

Vor rund eineinhalb Jahren habe ich hier vorgestellt, wie man mit Hilfe entsprechender Apps eine neue Fremdsprache lernen kann. Inzwischen habe ich zwei neue Apps am Start, die zwei im ersten Artikel vorgestellte Programme ersetzen. Dies ist der Anlass für diesen Update-Artikel.

Fangen wir gleich mit dem Sprachkurs an, sicherlich der wichtigsten Komponente im Sprachlern-Köcher. Hier habe ich Babbel durch Duolingo ersetzt. Wo liegen die Unterschiede? Mich motiviert Duolingo mehr zum täglichen Lernen, weil es ähnlich wie Fitness-Apps oder Programme zum Antrainieren von neuen Angewohnheiten strähnenbasiert („streak“) arbeitet. Eine 14 Tage-Trainingssträhne will man nun mal nicht so schnell unterbrechen. Das Tagespensum kann in den Einstellungen festgelegt werden. Die Trainingseinheiten sind so kompakt, dass man zwei davon mit einem Aufwand von 10-15 Minuten täglich locker schafft. Mehrere Trainingseinheiten sind jeweils zu einem Thema wie z.B. „Fragen“, „Farben“ oder „Adverbien“ gruppiert. Die Trainingseinheit selbst besteht aus Einzelübungen wie Diktate kurzer Sätze in der Fremdsprache, Übersetzungen in beide Richtungen (sowohl mit der Tastatur, als auch durch Drag&Drop einzelner Wörter), dem Finden von Wortpaaren oder der Auswahl der richtigen Lösung im Multiple-Choice-Verfahren. Macht man während einer Einheit zu viele Fehler, müssen erst Auffrischungseinheiten absolviert werden bevor fortgefahren werden kann (alternativ kann virtuelles Geld, welches man kaufen oder durch abgeschlossene Gruppen verdienen kann, eingeworfen werden). Auch bereits abgeschlossene Gruppen werden gelegentlich zur Auffrischung angeboten, Duolingo erkennt dabei, in welchen Bereichen Schwächen vorhanden sind. Gelegentlich blendet die App ein, wie flüssig man die Fremdsprache (in Prozent) inzwischen beherrscht. Die Übungen bauen größtenteils aufeinander auf, so dass man neue Gruppen erst beginnen kann, wenn die darunterliegenden abgearbeitet sind. Insgesamt macht das alles einen durchdachten Eindruck und ich komme damit sehr gut zurecht.

Duolingo (I)

Duolingo (II)

Duolingo (III)

Duolingo gibt es für über 20 Sprachen, jedoch ist nur bei Englisch, Spanisch und Französisch die Unterrichtssprache Deutsch. Bei allen anderen Sprachen – in meinem Fall Dänisch – ist die Unterrichtssprache Englisch, was mir persönlich keinerlei Probleme bereitet. Hier ist Babbel klar im Vorteil, dort ist auch bei den exotischeren Sprachen die Unterrichtssprache Deutsch. Was mir an Duolingo besser gefällt ist, dass es zu allen Themen Beispielsätze gibt, während bei meinem Babbel-Dänischkurs zu vielen Themen nur einzelne Vokabeln trainiert wurden. Dafür gibt es bei Babbel wiederum eine Liste aller gelernten Wörter und Regelwendungen, die als Basis für das Auffrischen des Gelernten dient. Im Gegensatz zu Babbel ist Duolingo kostenlos (die App hat akademische Wurzeln), in letzter Zeit wird allerdings nach jeder Trainingseinheit eine Werbetafel eingeblendet, die ich allerdings nicht als aufdringlich empfinde.

Duolingo (IV)

Die zweite App ist ein neuer Vokabelverwalter und -trainer. Bisher hatte ich „iVocabulary“ für macOS und iOS dafür benutzt. Ich wechsele sehr oft zwischen den Plattformen und trage, wenn ich unterwegs mit Duolingo lerne, neue Vokabeln auch direkt auf dem iPhone ein. Leider funktioniert nach meinen Erfahrungen der Sync nicht wirklich gut und dauert auch vor allem sehr lange, was bei dem doch recht geringen Datenumfang unverständlich ist. Glücklicherweise habe ich im App Store „Wokabulary“ gefunden, welches ebenfalls für macOS und iOS (iPhone und iPad) erhältlich ist. Insgesamt musste ich für beide Plattformen rund 25 Euro investieren, was aber bei einem Nischenprogramm, welches ich täglich nutze, in Ordnung geht. Der Sync von Wokabulary ist iCloud-basiert und läuft nach meinem bisherigen Beobachtungen absolut schnell und zuverlässig. Der Funktionsumfang beider Vokabel-Apps ist ähnlich. Nette Features der iOS-Version von Wokabulary sind das automatische Umschalten auf die Fremdsprachen-Tastatur bei Eingaben in der Fremdsprache und eine mögliche Audioausgabe der fremdsprachigen Wörter beim Vokabeltraining.

Wokabulary Mac

Wokabulary iPhone

Zum Schluss noch ein Bonustipp für alle, die wie ich Dänisch lernen: Die App „Tysk Ordbog – Large“ (iPhone und iPad) hat sich als sehr nützlich erwiesen. Es ist ein Wörterbuch Deutsch-Dänisch und Dänisch-Deutsch mit rund 200.000 Einträgen. Ich habe noch so gut wie nichts gefunden, was da nicht drin steht. Außerdem gibt es Zusatzinformationen zu jedem Eintrag, bei dänischen Substantiven z.B. die Form mit angehängtem Artikel sowie der Plural. Der Anschaffungswiderstand ist mit rund 30 Euro allerdings recht hoch.

Tysk Ordbog

Alexa – erste Erfahrungen mit dem Amazon Echo

16 Jan 2017
16. Januar 2017

Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass ich ein riesiger Fan von Sprachsteuerung – in der Apple-Welt auch „Siri“ (Link zu meinem Siri-E-Book) genannt – bin. Mit großem Interesse habe ich daher vernommen, dass Amazon sein Echo-Gerät (endlich) auf den deutschen Markt bringt, schließlich bietet Apple noch keine stationäre Lösung (sprich einen eigenständigen Lautsprecher) im Bereich Sprachassistenten an. Jüngste Äußerungen aus der Führungsetage, dass so ein Gerät ohne Bildschirm keinen Sinn macht (was ich anders sehe), lassen mich daran zweifeln, dass da bald was kommt. Weil ich Sprachinterfaces bzw. persönliche Assistenten für zukunftsweisend halte – vielleicht sind sie sogar das „next big thing“, habe ich mir ein Echo bestellt. Leider funktioniert das derzeit nur auf Einladung und ich musste von September bis Januar auf selbige warten, nun aber ist das Echo ungefähr eine Woche bei mir und ich kann über meine ersten Erfahrungen berichten.

Echo Unboxing

Unboxing

Das Gerät ist ein etwa 24 cm hoher Zylinder (Durchmesser rund 8,5 cm). Der Mantel dient als Lautsprecher, auf der Oberfläche sind drei Bedienelemente, Aktivierungsknopf, Mikrofonsperre und Lautstärkenregler. Am Zylinderkopf ist ein Leuchtring, der z.B. blau leuchtet, wenn Sprachbefehle erfasst und beantwortet werden. Ein Netzteil versorgt das Ganze mit Strom, weitere Anschlüsse gibt es nicht. Eingerichtet wird das System mit Hilfe der Alexa-App, in meinem Fall der iOS-Version davon. Das funktioniert wie bei vielen anderen Geräten auch, man verbindet das Smartphone mit dem WLAN vom Echo und gibt in der App die WLAN-Daten des Heimnetzes ein, damit das Gerät dieses dann nutzen kann. Viel mehr ist auch prinzipiell nicht nötig, um die ersten Sprachbefehle absetzen zu können. Dazu sagt man das Aktivierungswort „Alexa“ gefolgt vom jeweiligen Anliegen. Es gibt zwei alternative Aktivierungswörter, unverständlicherweise aber nicht „Computer“, ärgerlich für uns Star-Trek-Fans. Weiterhin ist eine Aktivierung per Hardware-Taste möglich, was ich so gut wie nie nutze. Amazon sagt, Sprachdaten werden erst zu den Amazon-Servern geschickt, wenn das Aktivierungswort gefallen ist. Wollen wir hoffen, dass das so ist, jedenfalls ist mir nichts Gegenteiliges bekannt, schließlich hatten Sicherheitsforscher schon einige Zeit, sich mit dem System zu befassen. Mit einer weiteren Taste kann man die Mikrofone – Amazon sagt auf Hardware-Ebene – ausschalten. Der Leuchtring ist dann rot gefärbt. Es sind übrigens sieben leistungsstarke Mikrofone eingebaut, so dass man auch etwas weiter vom Echo weg sein kann und trotzdem noch verstanden wird. Das Gerät kann übrigens auch als ganz normaler Bluetooth-Lautsprecher genutzt werden, mit dem Befehl „koppeln“ wird der Zylinder ein sichtbares Bluetooth-Device, welches man z.B. mit dem Smartphone verbinden kann. Die Qualität der Lautsprecher-Ausgaben ist nebenbei bemerkt recht gut.

Alexa-App

Alexa-App

Wo sind nun die Unterschiede zu Siri? Den ersten habe ich schon genannt, es ist ein stationäres Gerät, was immer bereitsteht. Das ist schon recht nah am Raumschiff Enterprise, um die Serie nochmal zu bemühen, man kann den Computer einfach und freihändig irgendwas fragen oder machen lassen. Die Spracherkennung funktioniert dabei nach meinen Erfahrungen zuverlässiger und schneller als bei Siri, sodass der Frustfaktor, wenn ich das mal so nennen darf, hier kleiner ist. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass man sich etwas strenger an die Befehlssyntax halten muss als bei Siri.

Der Befehlsumfang vom Echo ist – das ist mein erster Eindruck – erstmal kleiner als bei Siri, kann aber durch Drittanbieter erheblich erweitert werden (dazu später mehr), was bei Siri nur in einigen ausgewählten Bereichen möglich ist. So kann Alexa z.B. keine Anrufe starten, Nachrichten verschicken, E-Mails schreiben oder etwas auf Twitter oder Facebook posten. In den Bereichen Datum, Umrechnungen, Wetter, Sport und Aktien kann Siri – soweit ich das festgestellt habe – mehr (z.B. mehr Feiertage, mehr Währungsumrechnungen, Sporttabellen und Wetter-Einzeldatenabfragen). Für manche Funktionen lebe ich auch einfach im falschen Ökosystem. Wenn man die Kalenderfunktionen nutzen möchte, muss man z.B. einen Google-Kalender haben. Und alles, was mit Musik zu tun hat, geht natürlich über Amazon. Daher musste ich mir erst in Amazon Music einige Playlisten anlegen, um diese Funktionen sinnvoll nutzen zu können.

Kommen wir aber mal wieder zu den guten Seiten des Echos, davon gibt es einige. Das fängt z.B. mit dem Befehl „guten Morgen“ an. Mit der Antwort erhält man einen „fact“ oder „fun fact“ zum jeweiligen Tag, was ich sehr nett finde. In der vergangenen Woche war das z.B., dass die Elbphilharmonie eröffnet wird oder das „Dschungelcamp“ beginnt. Sehr gut gemacht ist auch der Befehl „was gibt’s neues?“, eine Art „Briefing“ aus Nachrichtenquellen (auch von Drittparteien), welches man sich selbst zusammenstellen kann. Bei mir sind das Tagesschau, Wirtschaftswoche, Heise Topnews und Wetter. So kann man schon recht gut informiert in den Tag starten. Das Gerät kann neben Musik auch ganz normale Radiosender (Internet-Streams) abspielen, was für einen zylinderförmigen Lautsprecher natürlich praktisch ist. Dazu sagt man einfach z.B. „Spiele Radio NDR 2“). Siri bietet hier nur den Apple-Sender „Beats One“ an. Zu den Grundfunktionen gehören u.a. noch Hörbücher, Wecker, Timer, Wissensfragen (Hauptstädte, Einwohnerzahlen, Regierungschefs, Berechnungen, Geographie, Infos zu Prominenten, …),  eine Einkaufsliste, eine ToDo-Liste, Infos zu Geschäften und Restaurants und jede Menge Smalltalk (Alexas Vorrat an Witzen ist hierbei recht groß). Es ist auch möglich, Amazon-Bestellungen auszulösen und den Lieferstatus abzufragen, dies habe ich allerdings noch nicht getestet. Natürlich gehören heutzutage auch SmartHome-Funktionen zu einem solchen System. So kann „Alexa“ beispielsweise schon mit Bordmitteln meine Hue-Lampen steuern, allerdings ohne die Farben, was sich mit Drittanbietern aber weitgehend beheben läßt.

Richtig spannend wird es ganz allgemein mit eben solchen Erweiterungen, die bei Amazon „Skills“ genannt werden. Die Installation selbiger erfolgt wie die ganze übrige Konfiguration in der Alexa-App. Es gibt zwar noch nicht wahnsinnig viele für das deutschsprachige System, aber die, die es gibt, und ein Blick in die USA zeigen, wie mächtig das Gerät damit wird oder werden wird. Über die App und den Skill „Yonomi“ kann ich z.B. mein „Logitech Harmony“-System ansprechen, d.h., ich habe nun Sprachbefehle wie „Fernseher einschalten“ oder „Stereoanlage ausschalten“, die selbiges dann auch tun. Dieser Skill kann auch mein Hue-System besser ansprechen und ermöglicht eine weitergehende Lampen- und Farbsteuerung. Darüber hinaus gibt es Skills für eine Reihe weiterer SmartHome-Systeme, einschließlich Heizungssteuerung. Mit dem Skill „Heim-Wetterstation“ kann ich die Daten meiner Netatmo-Wetterstation per Sprache abfragen, einschließlich der aktuellen Außentemperatur. Schließlich beantwortet der Skill „Deutsche Bahn“ Fragen zu Zug- und Busverbindungen, auch im hiesigen Nahverkehr. Das System ist also weit offen und ich bin sehr gespannt, was da noch alles kommen wird.

Insgesamt kann das Amazon Echo meiner Meinung nach schon jetzt so viel, dass es über den Spielkram-Status hinausgeht. Ich finde, Siri und Alexa ergänzen sich gut.

Update vom 23.01.2017: Inzwischen ist eine neue Firmware-Version erschienen, die tatsächlich das Aktivierungswort „Computer“ zuläßt (liest Amazon hier mit?). Da kommt wirklich echtes Enterprise-Feeling auf, welches ich nicht mehr missen möchte, auch wenn ich den Eindruck habe, dass die Erkennung ein klein wenig schlechter geworden ist als mit „Alexa“.

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