Apple Pay in Deutschland nutzen

20 Feb 2017
20. Februar 2017

Es ist eigentlich kein Geheimnis, auch wenn Apple Pay in Deutschland noch nicht gestartet ist, kann man hierzulande durchaus damit bezahlen. Ich möchte in diesem Artikel meine ersten Erfahrungen damit teilen.

Um mit Apple Pay zu bezahlen, braucht man zum einen eine Bank, die dies unterstützt und zum anderen muss der jeweilige Händler ein NFC-Terminal am Start haben, dass kontaktlose Zahlungen unterstützt. Genauer gesagt, kontaktlose Zahlungen bei denen die Authentifizierung bereits auf dem Gerät stattfindet (beim iPhone also mit Fingerabdruck), sodass auf eine PIN verzichtet werden kann. Ersteres gibt es in Deutschland noch nicht, entsprechend ausgestattete Händler allerdings jede Menge, dazu später mehr.

Aber wir haben ja einen EU-Binnenmarkt, also kann man sich einfach einer Bank im Ausland bedienen, und zwar in einem Land, wo Apple Pay schon verfügbar ist. In meinem Fall ist das Frankreich. Großbritannien wäre auch möglich, aber hier kämen erschwerend Währungsumrechnungen dazu. Als Finanzdienstleister nutze ich „boon.“ von der Wirecard AG, interessanterweise ein deutsches Unternehmen.

Nun gibt es ein paar kleine Hürden, aber keine Angst, in weniger als einer Stunde ist man mit allem durch. Auf dem iPhone muss die boon.-App aus dem französischen App-Store installiert werden. Der Store muss also kurzzeitig gewechselt werden. Weiterhin muss das iPhone (und falls vorhanden auch die Apple Watch) auf die Region „Frankreich“ umgestellt werden, aber nur während der Einrichtung, danach kann man wieder auf „Deutschland“ zurückstellen. Die Sprache braucht nicht geändert zu werden, sondern wirklich nur die Region. Zum Download der App wird eine französische Apple-ID benötigt, aber keine Kredit- oder iTunes-Karte, da die boon.-App kostenlos ist.

In der boon.-App, die übrigens über eine deutschsprachige Lokalisierung verfügt, registriert man sich für ein Konto ganz normal mit seiner deutschen Adresse. Es gibt drei Kontotypen, für Apple Pay im Ausland (wozu Deutschland in diesem Fall zählt) ist laut Angaben von „boon.“ die höchste Stufe „PLUS“ erforderlich. Für den Wechsel von „BASIC“ auf „PLUS“ müssen aus der App heraus einige Dokumente fotografiert und hochgeladen werden. Die Prüfung selbiger inklusive anschließender Hochstufung hat bei mir gut einen Tag gedauert. In jedem Fall handelt sich um ein Prepaid-Konto, d.h., es ist erforderlich Guthaben aufzuladen, was per Kreditkarte (kostenpflichtig) oder Überweisung (kostenlos) möglich ist. Ich nutze die Überweisung, die nach meinen Erfahrungen in rund 24 Stunden meinem boon.-Konto gutgeschrieben wird. Es wird übrigens an eine deutsche IBAN überwiesen. Ich habe mir eine Überweisungsvorlage dafür bei meiner Hausbank angelegt, so dass künftige Überweisungen schnell von der Hand gehen. Das boon.-Konto selbst ist im ersten Jahr kostenlos, danach werden 99 Cent pro Monat fällig. In der boon.-App werden das Guthaben, sowie die bisherigen Transaktionen angezeigt.

Im letzten Schritt fügt man aus der App heraus die boon.-Karte seiner Wallet auf dem iPhone und – wenn wie bei mir vorhanden – auf der Apple Watch hinzu, das sind zwei separate Vorgänge. Nun kann die Region zurück auf „Deutschland“ gestellt werden. Die App-Store-Wechselei hatte bei mir übrigens den Seiteneffekt, dass ich meine Offline-Titel aus der iCloud-Musikbibliothek neu herunterladen musste. Ich weiß leider nicht genau, ob das grundsätzlich so ist.

Bezahlen per iPhone

Bezahlung per iPhone

Ist das erste Guthaben bei „boon.“ angekommen, kann es losgehen, das Bezahlen per Apple Pay. Tipp: Dem Kassenpersonal nicht sagen, dass man per Smartphone bezahlen möchte (das halten viele nach meiner Erfahrung für nicht möglich), sondern „kontaktlos per Karte“ oder einfach „per Karte“. Unterstützt der Händler Apple-Pay öffnet sich die Wallet-App, sobald das iPhone in die Nähe des Terminals gehalten wird. Nun noch kurz per Fingerabdruck bestätigen und der Einkauf ist bezahlt. Mit der Apple Watch ist die Vorgehensweise etwas anders, hier ist ein Doppelklick auf den unteren Knopf erforderlich, es öffnet sich die Wallet-App mit der boon.-Karte, Uhr in die Nähe des Terminals halten, bezahlt! Auf dem Kassenbon erscheint der Vorgang als Mastercard-Zahlung.

Bezahlen per Apple Watch

Zahlung per Apple Watch

Ich möchte nochmal betonen wie schnell und umkompliziert der Bezahlvorgang ist, es dauert wirklich nur wenige Sekunden!

Getestet habe ich das Ganze schon bei Edeka, Kaufland, Globus und McDonalds, es wurde mir aber zugetragen, dass z.B. auch REWE, Lidl, ALDI, Rossmann, Real, Deichmann, Burgerking, Vapiano, Starbucks, ARAL, Esso und Sanifair die Zahlung via Apple Pay unterstützen, möglicherweise jeweils nicht in allen Filialen (Danke für das entsprechende Feedback via Twitter!) Dennoch ist das bereits eine so große Basis, dass ich mich ernsthaft frage, warum Apple Pay hier noch nicht am Start ist, denn es dürften nach dem Launch erstmal nicht viel mehr werden. Es würde mich sehr wundern, wenn es dieses Jahr nicht losgeht.

Update vom 05.03.2017: Informationen zum boon.-Kontotyp geändert und neue Akzeptanzstellen hinzugefügt.

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  • Clemens Braun

    Interessanter Post. In der Boon app gibt es ja verschiedene Level – u.a. Basic wie erwähnt. Da steht aber auch, man könne bis zu 250 EUR in Frankreich ausgeben – geht der Basic Level auch in Deutschland oder braucht man den Boon Plus Level?

    • Ich nutze den Basic-Level hier mit Apple Pay. Das geht also. Die Limits sollten für viele Fälle eigentlich ausreichend sein.

    • Inzwischen habe ich gelesen, auch bei boon. selbst, dass der Plus-Level benötigt wird. Ich habe den Artikel daher entsprechend geändert und ein Upgrade meines Kontos vorgenommen.

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