Erste Eindrücke von Mountain Lion

25 Jul 2012
25. Juli 2012

Nachdem ich im Vorfeld sehr viel Gutes über Mountain Lion, der neunten Ausgabe von OS X, gehört habe, bin ich diesmal gleich mit Erscheinen des Golden-Master-Releases umgestiegen, nachdem ich mir das System vorher kurz auf einer externen Platte installiert und angeschaut habe. Dies ist möglich, weil ich/meine Firma über einen entsprechenden Entwickler-Zugang verfügt. Ich kann daher hier und heute von meiner rund zweiwöchigen Erfahrung mit dem neuen Apple-Betriebssystem berichten.

Genau wie Lion wird Mountain Lion aus dem App Store bezogen und kann dann einfach über das bestehende System (10.6 oder 10.7) installiert werden.

Was ich gehört habe, scheint zu stimmen, das System läuft sehr rund für eine Nuller-Version, eine Kernel-Panic, wie ich sie unter Lion bis einschießlich 10.7.1 öfter erlebt habe, ist bisher nicht aufgetreten. Das mag sicherlich damit zu tun haben, dass die Änderungen diesmal bei vielen Funktionen oberflächlicher als bei Lion sind, wo sich vor einem Jahr viele grundlegende Dinge geändert haben (Vollbild-Modus, Versions, Mission Control, FileVault2 uvm.).

Mit Apps von Drittanbietern gab es bei mir keine nennenswerten Kompatibilitätsprobleme, lediglich für VMware, MailTags und Mail-Act-On brauchte ich Vorabversionen, die schon an Mountain Lion angepasst sind.

Ich möchte hier nicht alle neuen Funktionen von Mountain Lion ausführlich vorstellen, diese sind auf einer Apple-Seite ausführlich beschrieben, sondern über die Dinge berichten, die mir aufgefallen sind.

Mountainlion 1

Desktop mit neuen Apps

Was mir negativ aufgefallen ist

Fangen wir mal mit der Kritik an. Zunächstmal scheint – zumindest was meine Platte betrifft – in FileVault2 irgendwie der Wurm drin zu stecken. Ich hatte vor dem Update meine Platte entschlüsselt (weil ich nicht wußte, ob ein Update mit verschlüsselter Platte funktioniert) und konnte diese dann unter Mountain Lion nicht wieder verschlüsseln (Fehlermeldung beim Starten der Verschlüsselung). Daher mußte ich erstmal wieder zu Lion zurück, die Platte dort verschlüsseln und dann wieder updaten, was problemlos möglich war. Also am besten einfach die Finger von FileVault lassen.

Leider werden unter Mountain Lion bei verschlüsselter Platte die Mitteilung für gesperrte Bildschirme sowie der Gastbenutzer nicht mehr im Login-Screen vor dem Booten angezeigt. Ob das auch irgendwie mit FileVault2 zusammenhängt, kann ich nicht genau sagen.

Am Vollbild-Modus von Mountain Lion bei mehr als einem Bildschirm hat sich leider nicht viel geändert, ein Bildschirm bleibt weiterhin grau, nur kann man sich jetzt aussuchen welcher. Bildschirmschoner werden jetzt immer auf allen Bildschirm angezeigt, die Option, nur den  Hauptbildschirm zu nutzen, ist leider entfallen.

Weiterhin werden auf meinem System einige fettgedruckte Texte etwas zu fett dargestellt. Das mag damit zu tun haben, dass ich über ein bestehendes Lion-System drüberinstalliert habe. Ich hoffe, dass ich dafür noch eine Lösung finde.

Ärgerlich für mich als Entwickler ist der Wegfall des Aktivitäten-Fensters in Safari, mit dem man sehr leicht feststellen konnte, ob auf einer https-Seite auch wirklich alle Elemente via HTTPS geladen wurden, so dass es keine entsprechenden Sicherheitswarnungen gibt.

Sehr enttäuscht war ich, dass Airplay-Mirroring aufs Apple-TV nur bei 2011er und 2012er Macs funktioniert (mein System ist älter). Mit dieser Information ist Apple erst sehr spät rübergekommen und ich hatte mich bei der ersten Ankündigung von Mountain-Lion sehr darauf gefreut.

Was mir positiv aufgefallen ist

Nun zu den schönen Dingen :-). Apple hat in Mountain Lion viele Dinge zu Ende programmiert, die in Lion noch nicht völlig rund waren. So funktioniert das Launchpad z.B. nun endlich so wie es soll und würfelt nicht mehr bei jedem Neustart meine Apps durcheinander.

Bei einigen Funktionalitäten wurde auch Richtung Snow Leopard zurückgerudert. So können die Kategorien im Kalender jetzt wieder ständig im Fenster angezeigt werden. Gleiches gilt für die Gruppen im Adressbuch (neuer Name: Kontakte). In beiden Apps ist das Leder-Design allerdings geblieben. Der Kalender zeigt jetzt sogar Wochennummern an, sodass die Notwendigkeit für alternative Apps wie BusyCal deutlich sinkt. Mission Control läßt sich jetzt durch eine neue Einstellung ein Stück weit Richtung Leopard zurückkonfigurieren, indem Fenster nicht mehr gruppiert werden müssen. Auch “Speichern unter” ist wieder da und zwar über die Tastenkombination Cmd-Shift-Alt-S.

Absolut sinnvoll ist die Vereinheitlichung der App-Namen wie z.B. Kontakte und Kalender in OS X und iOS. Auch die Ausgliederung von Erinnerungen und Notizen in eigene Apps begrüße ich ausdrücklich, sie wirkten in iCal und Mail ein wenig wie Fremdkörper. Das iOS-ähnliche Design ermöglicht iOS-Nutzern ohne Mac einen leichten Einstieg in die Welt der iMacs und MacBooks. Sehr gut finde ich übrigens, dass Apple iOS und OS X in der Regel nur dort vereinheitlicht, wo es sinnvoll ist und nicht für Desktops und Tablets dasselbe System ausliefert (viele Grüße nach Redmond an dieser Stelle!).

Die neue App “Nachrichten” (also iChat + iMessages) habe ich schon als Beta unter Lion genutzt, daher gibt es hier erstmal wenig neues zu entdecken.

Wirklich genial ist die Diktierfunktion, welche eine Spracheingabe überall dort ermöglicht, wo Texte eingegeben werden können. Die Erkennung ist so gut wie bei den neuen iOS-Geräten und berücksichtigt diktierte Satzzeichen. Man muss sich allerdings darüber im klaren sein, dass eine Onlineverbindung benötigt wird und alle diktierten Texte bei Apple landen. Darauf wird immerhin auch vor der ersten Nutzung ausdrücklich hingewiesen.

Wo wir schon beim Datenschutz sind, Apps können jetzt nicht mehr ohne Nachfrage des Systems auf unser Adressbuch zugreifen. Erst jetzt merkt man, welche Programme die Daten haben möchten, bei mir z.B. EyeTV und Snowtape, was mich etwas überrascht hat (und ich den Zugriff verweigert habe). Für Kalender scheint es aber keinen analogen Mechanismus zu geben.

Auch in Richtung iCloud hat sich einiges getan. Entwickler können nun einen erweiterten Öffnen-Speichern-Dialog verwenden, der Dokumente alternativ in der iCloud ablegt. Bisher musste dafür jeder sein eigenes Süppchen kochen. Praktisch wird dieses Feature sobald man entweder mehrere Macs hat oder es zu den betreffenden Apps iOS-Versionen gibt. Von den mitgelieferten Apps nutzt – soweit ich das gesehen habe – nur TextEdit diese Funktion, iWork und Drittprogramme werden hoffentlich schnell nachziehen.

Ein Zeitsparer und ansprechend gestaltet sind die neuen “Share-Sheets”, also die Möglichkeit Dinge direkt aus Apps heraus zu teilen. So können Webseiten in Safari direkt nach Twitter gepostet werden. Die Benutzerkonten für solche Sharing-Dienste wie z.B. auch Flickr oder Vimeo müssen nur einmal zentral in die Systemeinstellungen eingetragen werden (und zwar unter “Mail, Kontakte und Kalender”, da muss man auch erstmal drauf kommen). Facebook wird sich noch dazu gesellen, darauf müssen Nicht-Enwickler allerdings noch bis zum Herbst warten. Von mir aus hätten es gerne noch ein paar Dienste mehr sein können wie z.B. Instapaper. Twittern ist übrigens auch direkt aus der Benachrichtigungszentrale möglich, womit wir beim nächsten interessanten Feature sind.

Seit ich einen Mac habe nutze ich Growl, quasi ebenfalls eine Benachrichtigungszentrale, nur eben von einem Drittanbieter, welche aber von sehr vielen Apps unterstützt wird. Nur eben nicht von den mitgelieferten. Für Mail gab es zwar noch Mittel und Wege, diese nach Growl zu bringen, bei Kalender-Ereignissen, Safari oder iMessages wird es aber schwierig. Daher werden wohl nach und nach die meisten Apps auf das neue System umstellen, auch das Growl-Team hat schon angekündigt, die Benachrichtigungszentrale als eine Notification-Option zu unterstützen. Zu den Apps, die die Benachrichtigungszentrale jetzt schon nutzen, gehören z.B. Chrome, PhotoSync und die Tweetbot-Alpha. Etwas versteckt ist das kurzzeitige Abschalten aller Benachrichtungen, welches über einen Alt-Klick auf das Menüleistensymbol der Zentrale zu erreichen ist. Zum Einblenden der Benachrichtigungszentrale kann neben der vorhandenen Wischgeste auch eine Tastenkombination konfiguriert werden (Systemeinstellungen > Tastatur > Tastaturkurzbefehle).

Mountainlion 2

Das neue Game-Center wird bisher nur von dem mitgelieferten Schach-Programm genutzt, welches dadurch aufgewertet wird. Es dürfte aber nicht sehr lange dauern, bis andere Spiele die Möglichkeiten des Centers nutzen. Auch die Daten aus dem Game-Center für iOS werden auf dem Mac angezeigt.

Bis auf den Wegfall des Aktivitätenfensters gefallen mir die Änderungen in Safari, die Vereinigung von Adress- und Suchfeld, die bereits genannten Share-Sheets sowie die Wischgesten zum Tab-Wechsel werten den Browser deutlich auf.

Auf den Gatekeeper – also die Funktion, welche dafür sorgt, dass standardmäßig nur noch App-Store-Apps und signierte Programme ausgeführt werden – bin ich erst zwei-/dreimal gestossen, da alle Apps auf dem System, die vorm Update schon mal ausgeführt wurden, auch weiterhin ohne Rückfrage ausgeführt werden.

Es sind vor allem die vielen vielen kleinen Änderungen, die Mountain-Lion zu einem empfehlenswerten Update machen, welches das Lion-System sehr viel runder macht. Abschließend ein paar Beispiele für solche Modifikationen:

  • Das Lexikon hat jetzt ein neues Wörterbuch zur Definition deutscher Begriffe.
  • Mit Time-Machine kann man jetzt an verschiedenen Orten sichern (ohne jedesmal umzukonfigurieren).
  • Im App Store kann man nun mit Wischgesten navigieren.
  • QuickLook im Finder kann nun auch mit Hilfe eines Dreifinger-Taps aktiviert werden.
  • Es gibt ein paar schön gestaltete neue Bildschirmschoner.

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    Ich bin, wenn es um das Installieren neuer OS Versionen geht, immer recht zurück haltend, nutze ich zur Zeit auf meinem Office iMac noch 10.6.8 und privat hin und wieder noch 10.4.11.

    Trotzdem, auf meinem neuen MacBook welches ich privat nutze war schon Lion drauf und der Sprung von Lion zu Mtn Lion ist ja nicht gigantisch und für knapp 16,00€ wirklich erschwinglich.

    Bisher bin ich doch sehr zufrieden, abgesehen von VMware in Version 3 läuft alles. Ob es für die VMware noch ein Update gibt weiß ich allerdings nicht.

    Ich werde es noch ein wenig austesten und eventuell ringe ich mich ja dazu durch es auch auf meinem iMac im Büro zu installieren. Da ich das Adressbuch dort auch gerne über iCloud nutzen würde, was ja leider leider nicht geht. :(

    Für das Airplay-Problem habe ich mal gelesen, dass es dafür schon ein externes Tool gibt, welches das wieder ermöglichst… (meine ich).

    • http://blog.markus-jasinski.de/ Markus Jasinski

      VMware funktioniert in der aktuellen Version (zumindest haben sie das neulich getwittert), es müßte aber auch bald eine neue Version erscheinen (eine Preview-Version davon gibt es schon). Auch Parallels läuft in der aktuellen Version.

      Das Airplay-Tool heißt “AirParrot” und ich hab es mir inzwischen gekauft, es funktioniert besser als ich dachte. Könnte mir aber vorstellen, dass die Apple-Lösung ressourcenschonender läuft.

      Mountain Lion läuft bei mir fehlerfreier als die ersten Versionen von Lion. Wenn man zwei Macs verwendet, ergeben sich aus der iCloud viele Vorteile, auch was z.B. Dokumente betrifft.

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