Gedanken zu Mountain Lion

17 Feb 2012
17. Februar 2012

Heute muss ich mich aus gegebenen Anlass ausnahmsweise mal selber zitieren. Vor zwei Wochen schrieb ich zum Thema „AirPlay für den Mac“:

In manchen Dingen hinkt der Mac den iOS-Systemen einfach hinterher. Warum kann ich dort keine iBooks lesen? Keine iMessages senden oder empfangen? Wieso gibt’s dort kein Game Center? Und warum kann ich meine iPhone-Fotos nicht per AirPlay auf dem Mac präsentieren? Unverständlich, warum Apple hier die Vorteile seines Ökosystems nicht ausspielt und dieses konsequent auf allen Geräten nutzbar macht.

Als ob Apple hier mitlesen wurde, kündigte das Unternehmen aus Cupertino am vergangenen Donnerstag völlig überraschend den Lion-Nachfolger „Mountain Lion“ (OS X 10.8) an, welcher schon im Spätsommer erscheinen soll. Apple trifft mit den angekündigten Funktionen genau den Kernpunkt meiner Kritik und vereinheitlicht sein Ökosystem. Nun kann z.B. auch der Mac iMessages senden und empfangen oder seinen Bildschirminhalt mit Hilfe von Apple TV auf einen Fernseher oder Beamer spiegeln, drahtlos versteht sich. Auch das Game Center wird Einzug halten.

Der endgültige Funktionsumfang ist natürlich noch nicht bekannt, so dass vermutlich noch das ein oder andere weitere Feature auf allen Apple-Geräten vereinheitlicht wird. Eine gute Anlaufstelle für erste Infos zu OS X 10.8 (das „Mac“ wurde nun endgültig gestrichen) sind die Webseiten auf apple.com, die zum Zeitpunkt dieses Artikels nur in englischer Sprache vorliegen. Die Features-Seite enthält auch ein fünfminütiges Einführungsvideo (hier eine YouTube-Version):

Neue Funktionen sind also auch Benachrichtigungen, die Apps „Notizen“ und „Erinnerungen“, dann die „Share Sheets“ samt Twitter-Integration sowie der Schutzfunktion „Gatekeeper“.

Ich muss dazu sagen, dass ich das System noch nicht in Natura gesehen habe und die entsprechenden Informationen den Apple-Seiten und einschlägigen Blogs entnommen habe.

CultofMac hat diese und weitere Funktionen in einem schönen 2-Minuten-Schnelldurchlauf-Video zusammengetragen:

Da „Mountain Lion“ (der Name klingt für mich ein wenig sperrig, ich hab auch schon öfter versehentlich „Snow Lion“ gedacht oder gesagt) meine o.g. Kritikpunkte aufgreift, begrüsse ich die Neuerungen logischerweise ausdrücklich. Schön ist auch, dass Apple nicht einfach versucht, dem Mac die iPad-Oberfläche aufzustülpen, sondern jedem System – iOS und OS X – seine Vorzüge läßt und Dinge dort, wo sie sinnvoll sind, vereinheitlicht. Ob Programme wie Adressbuch oder Kalender natürlich auf dem Mac unbedingt dasselbe Lederdesign wie auf dem iPad haben müssen steht auf einem anderen Blatt. Bei beiden Programmen rudert Apple übrigens wieder ein Stück zurück und zeigt die Gruppen- und Kalenderliste wie früher permanent an.

Sinnvoll ist auch die Herauslösung von Notizen und Erinnerungen aus Mail bzw. iCal (welches zur Vereinheitlichung in „Kalender“ umbenannt wurde), da diese Funktionen dort nur aus technischen Gründen untergebracht waren, rein logisch da aber nichts zu suchen haben. Weil ich schon immer ein großer Growl-Fan war, gefallen mir die Benachrichtigungen natürlich sehr, an verschiedenen Stellen war allerdings zu lesen, dass diese nur Programmen aus dem App Store zur Verfügung stehen (und die Growl-Macher werden vermutlich nicht so begeistert sein).

Die neuen Sharing-Funktionen („Share Sheets“) und die Twitter-Integration kommen SocialMedia-Nutzern wie mir natürlich sehr entgegen und sind grafisch elegant umgesetzt worden. Dass man in Safari nun nur noch ein Eingabefeld für Adressen und Suchen hat, beseitigt für mich einen Nachteil gegenüber Chrome, denn der Google-Browser macht das schon lange.

Die Funktion „Gatekeeper“ läßt bei vielen natürlich die Befürchtung aufkommen, Apple könnte den Mac für Programme, die nicht aus dem App Store kommen verriegeln. Das ist aber bei der vorgestellten Implementierung nicht der Fall. Das System kennt drei Sicherheitsstufen:

  • es dürfen nur Programme aus dem App Store ausgeführt werden
  • es dürfen nur Programme aus dem App Store und signierte Programme ausgeführt werden
  • es dürfen alle Programme ausgeführt werden

Voreingestellt ist die mittlere Stufe. Entwickler können ihre Programme kostenlos signieren und zwar ganz ohne App Store und ohne Review-Prozess. Sollten sich die Programme als schädlich erweisen, kann Apple das Zertifikat widerrufen. Vom Prinzip her also ein sinnvoller Schutzmechanismus, welcher dem Besitzer des jeweiligen Macs freie Wahl läßt. „Gatekeeper“ schlummert sogar schon bereits in der aktuellen Lion-Version wie Heise berichtet.

Schon öfters habe ich hier bemängelt, dass „Documents in the Cloud“ unter OS X eher selten genutzt wird – noch nichtmal in iWork. Auch hier bessert „Mountain Lion“ nach und schafft einen Zugang über die Dateidialoge zum Laden und Speichern von Dokumenten.

Leider streicht Apple auch wieder Funktionen, diesmal trifft es die X11-Unterstützung, die man nun händisch aus dem XQuartz-Projekt nachrüsten muss.

Ein wenig „Mountain Lion“-Feeling ist schon heute für Lion-Nutzer verfügbar, denn Apple hat gleichzeitig mit der Ankündigung eine Beta-Version von „Nachrichten“ veröffentlicht, mit der iMessages auch auf dem Mac empfangen und gesendet werden können. Dazu wurde iChat entsprechend aufgebohrt und in „Nachrichten“ umbenannt:

nachrichten

Die App ist eine sinnvolle Ergänzung und macht das iMessage-System durch die Präsenz auf der gesamten Apple-Hardware brauchbarer als „WhatsApp“ und Co.

Zusammengefasst bringt „Mountain Lion“ eine Menge Funktionen, die sich auch schon Lion ganz gut gemacht hätten. Da Apple nun jedes Jahr eine neue Version von OS X veröffentlichen möchte, werde ich wohl – nach der obligatorischen Testinstallation auf einer externen Platte – relativ bald nach Erscheinen umsteigen.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass Apple bis dahin die verbleibenden Bugs in Lion beseitigt. So werde ich z.B. auch in 10.7.3 immer noch von einem Launchpad-Bug genervt, der meiner sorgfältig platzierten Icons selbsttätig umsortiert. Und – fast hätte ich es vergessen – bitte auch noch iBooks auf den Mac portieren!

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