Archiv für Monat: November, 2011

Planungswerkzeuge für den Mac

26 Nov 2011
26. November 2011

n meinem Beruf (aber auch privat) ist öfters mal was zu planen. Das können z.B. die Funktionen einer neuen Software-Version sein, welche Unterseiten eine Website haben soll, welche Vor- und Nachteile eine bestimmte Entscheidung hätte oder einfach nur was ich auf einer Reise mitnehmen möchte. Nerdig wie ich nun mal bin, kommt dabei natürlich auch der Mac zum Einsatz. Dieses Posting stellt die Werkzeuge vor, welche ich für diesen Zweck einsetze. Es ist als Einstiegs- und Übersichtsartikel gedacht, eine ausführliche Vorstellung der einzelnen Softwarelösungen bleibt künftigen Abhandlungen vorbehalten.

Je nach Einzelfall setze ich zu Planungszwecken entweder einen Mindmapper oder einen Outliner ein. Mindmaps eignen sich gut zum Visualisieren einer Thematik, als Mindmapping-Tool verwende ich MindNode Pro. Es ist auch in einer abgespeckten Version kostenlos erhältlich. Zusätzlich wird eine iOS-Version (iPhone/iPad) angeboten. Weitere Informationen zum Produkt sind auf der Homepage des Anbieters zu finden.

MindNode besteht im wesentlichen aus einer großen Zeichenfläche. Hier plazieren wir unsere Knoten, die Verbindungslinien erzeugt MindNode automatisch. Jeder Knoten zeigt eine +-Schaltfläche an, wenn der Mauszeiger in seiner Nähe ist. Über diese können Unterknoten hinzugefügt werden. Nach ein wenig Brainstorming kann die Mindmap für eine Homepage z.B. so aussehen:

mindnode1

Zu den weiteren Funktionen von MindeNode Pro gehören u.a.

  • das Einklappen von Verzweigungen
  • Querverbindungen zwischen ansonsten beziehungslosen Knoten
  • Bilder als Knoten
  • das Einbetten von Hyperlinks
  • der Export nach PNG, PDF, HTML, RTF, OPML (s.u.) und FreeMind

Der Datenaustausch mit der iOS-Version erfolgt über WLAN. MindNode liegt in deutscher Sprache vor und ist sehr gut an OS X (und Lion) angepasst (Medien-Browser, QuickLook-Plugin, Vollbild-Modus, Versionen, …).

Outlines sind deutlich textorientierter und sehen im Prinzip aus wie verschachtelte Aufzählungen. Unsere Mindmap aus dem Bild oben sieht als Outline so aus:

omnioutliner1

Als Software kommt bei mir OmniOutliner Pro zum Einsatz. OmniOutliner ist eine ausgereifte Outlining-Lösung und bietet viele interessante Funktionen. So kann die Outline z.B. aus mehreren Spalten bestehen (bei den Zahlen im Bild handelt es sich um Fantasiewerte):

omnioutliner2

Die Spalten können völlig verschiedene Datentypen wie Zahlen, Checkboxen, Datumsangaben usw. enthalten. Auch Rechenoperationen sind möglich. Die Formatierungsmöglichkeiten sind recht umfassend, alle Gliederungspunkte einer Ebene lassen sich blitzschnell umformatieren. Auch die Verknüpfung einzelner Punkte mit Bildern oder Sounddateien ist möglich (die Pro-Version kann auch Sound direkt aufnehmen). Die Exportmöglichkeiten umfassen Keynote, Word, Text, RTF, OPML und LaTeX. Weitere Funktionen sind auf derProdukt-Homepage zu finden. Auch OmniOutliner liegt in einer deutschen Version vor und ist ebenfalls sehr gut an OS X angepasst.

Mit OPML (Outline Processor Markup Language) können wir übrigens leicht Mindmaps in Outlines umwandeln und umgekehrt. So habe ich z.B. die Mindmap aus dem ersten Screenshot über einen OPML-Export in OmniOutliner geladen.

OmniOutliner-Dokumente können übrigens in OmniFocus importiert werden (beide Programme stammen von der Omni Group) und somit im Handumdrehen zur Aufgabenliste mutieren:

omnifocus1

OmniOutliner gibt es zusätzlich in einer iPad-Version, sodass wir auch bequem auf dem Sofa Planungsarbeiten vornehmen können. Apples Textverarbeitung „Pages“ besitzt übrigens auch eine rudimentäre Outline-Funktion.

Mac-Kurztipp: BusyCal

20 Nov 2011
20. November 2011

Mac OS X verfügt seit 2002 über die Apple-eigene Kalender-App „iCal“. Diese Software verfügt über alle Grundfunktionen, die man von einer Kalender-Software erwartet und ist gut in OS X, MobileMe und iCloud integriert. Daher habe ich iCal benutzt seitdem ich mit dem Mac arbeite. Mit Lion haben sich jedoch – aus meiner Sicht – zwei Dinge an iCal verschlechtert. Da wäre zunächst einmal die Optik, das neue Lederdesign gefällt mir persönlich überhaupt nicht. Zum anderen wurde die linke Seitenleiste entfernt, die u.a. eine Kalenderliste enthielt. Diese wird jetzt über einen Kalender-Button in einem Drop-Down-Fenster dargestellt.

ical

U.a. aus einigen Podcasts ist mir BusyCal von BusyMac als alternative Kalender-Software bekannt. Ich habe das Update auf Lion daher als Gelegenheit genutzt, mir BusyCal näher anzusehen und anschließend käuflich zu erwerben. Die App hat im wesentlichen das alte iCal-Design aus Snow Leopard, für mich schonmal ein großer Pluspunkt. Demzufolge gibt es auch links die Seitenleiste mit der Kalenderliste und optional ein Mini-Monat-Kalender zur Navigation. In der einklappbaren rechten Seitenleiste finden wir die Aufgabenliste und optional eine editierbare Detailansicht des ausgewählten Termins.

busycal

Der Funktionsumfang von BusyCal geht merklich über iCal hinaus, man könnte die Software als eine Art „iCal Pro“ bezeichnen. Zu den zusätzlichen Funktionen gehören z.B.:

  • Die Anzeige der Kalenderwochen (wichtig für mich, die Angabe von Kalenderwochen ist im Geschäftsleben recht verbreitet).
  • Anzeige von termingebundenen Aufgaben direkt in der Kalenderansicht (werden tageweise verschoben bis sie abgehakt werden).
  • Leichtes Editieren von Terminen durch die nicht-modale Detailansicht in der rechten Seitenleiste.
  • Aufgabenliste nach vielen Kriterien sortierbar.
  • Optionale Anzeige der Mondphasen direkt im Kalender.
  • Optionale Anzeige des Wetters für die nächsten Tage direkt im Kalender.
  • Kalender-Sharing mit anderen BusyCal-Nutzern im lokalen Netzwerk.
  • Synchronisation mit Google-Kalendern.

Ob einem das klassische iCal-Design und die Zusatzfunktionen (von denen ich nicht alle erwähnt habe) den BusyCal-Preis von 50 Dollar wert sind, muss jeder für sich entscheiden. Eine 30-Tage-Testversion kann von der BusyMac-Homepage heruntergeladen werden. Man erhält dafür eine umfangreiche Kalender-Software, die sich m.E. angenehmer als iCal bedienen lässt.

Software-Tipp: Type2Phone

12 Nov 2011
12. November 2011

ielleicht ist das meinen Lesern ja auch schonmal passiert: Man sitzt am Mac und wird auf dem iPhone z.B. in eine WhatsApp-Konversation verwickelt (wer’s nicht kennt – kann ich mir eigentlich nicht vorstellen - WhatsApp ist ein beliebter Messenger auf dem iPhone). Oder meinetwegen auch ein Chat über iMessage, Apples SMS/MMS-Ersatz ab iOS 5. Nun müssen sätzeweise Buchstaben mühevoll über die iPhone-Touchtastatur eingegeben werden, obwohl unser Mac natürlich über ein großes Hardware-Keyboard verfügt. Aber weder WhatsApp noch iMessage haben eine entsprechende Mac-Komponente.

In solchen Fällen hab ich mir schon öfters mit einem zweiten Bluetooth-Keyboard Abhilfe verschafft und dieses als Tastatur fürs iPhone verwendet. Richtig elegant ist diese Lösung aber nicht, schließlich verfügt unser Mac ja schon über eine Tastatur. Heute bin ich ganz zufällig auf die neue Mac-App „Type2Phone“ von Houdah-Software gestossen (aktueller Preis: 3,99 EUR imMac-App-Store). Die Firma ist mir nicht unbekannt, HoudahGeo und HoudahSpot nutze ich schon längere Zeit. Das neueste Produkt – „Type2Phone“ – macht aus unserem Mac ein Bluetooth-Eingabegerät für unseren iOS-Fuhrpark!

Voraussetzung ist, dass auf dem iPhone und dem Mac Bluetooth aktiviert ist. Auf allen Macs, die eine Bluetooth-Tastatur, die Magic Mouse oder das Magic-Trackpad verwenden, ist Bluetooth bereits eingeschaltet, ansonsten müssen wir dies über die Systemeinstellungen nachholen. Ich empfehle, den Bluetooth-Status in der Menüleiste anzeigen zu lassen, dann haben wir auf viele Bluetooth-Funktionen schnelleren Zugriff.

systemeinstellungen-bluetooth

Auf dem iPhone finden wir Bluetooth unter Einstellungen > Allgemein > Bluetooth:

iphone-bluetooth

Nun starten wir „Type2Phone“ und stellen eine Bluetooth-Verbindung von unserem iPhone zum Mac her. Die App besteht nur aus einem kleinen Fenster:

Type2Phone-1

Über das Flaggensymbol oben rechts stellen wir das Tastaturlayout ein, in diesem Fall „Germany“. Links unter dem Wort „Connected“ ist ein Menü zum Verbinden mit iOS-Geräten. Besteht eine Verbindung wird der Gerätename angezeigt, in meinem Fall „iPhone Markus“.

Alles, was wir nun am Mac tippen, während die App im Vordergrund ist, landet auf unserem iPhone:

Type2Phone-2

iphone-sms

Damit werden – ohne zusätzliche Hardware – Texteingaben auf dem iPhone deutlich beschleunigt. Warum nur ist da nicht schon früher jemand drauf gekommen?

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Datei-Sync zwischen OS X und iOS via iCloud

05 Nov 2011
5. November 2011

Update 17.03.2012: Dass die hier beschriebene Methode unter ab OS X 10.7.3 nicht mehr funktioniert, scheint ein Bug in OS X zu sein. Als Workaround kann ein Terminal-Fenster (Terminal ist bei den „Dienstprogrammen“ zu finden) geöffnet werden und folgender Befehl (als eine Zeile) eingegeben werden (Quelle):

while true;
do /System/Library/PrivateFrameworks/Ubiquity.framework/Versions/A/Support/ubd;
done

Das Terminal-Fenster bitte geöffnet lassen. Der Sync funktioniert nun wieder. Wer es komfortabler mag, kann diese Befehlsfolge auch als Shell-Skript mit Hilfe von Platypus in eine Mac-App verpacken und den Anmeldeobjekten in den Systemeinstellungen unter „Benutzer & Gruppen“ hinzufügen.

Weiterhin möchte ich im Rahmen dieses Updates noch auf meinen ArtikelFilesharing via iCloud“ hinweisen. Dort wird beschrieben, wie man GoodReader-Dokumente, die in der iCloud gespeichert sind, für andere temporär freigeben kann.

Update 19.02.2012: Seit OS X 10.7.3 scheint die hier beschriebene Methode nicht mehr zu funktionieren. Der u.g. Ordner „Mobile Documents“ wird offensichtlich nicht mehr mit den iCloud-Inhalten synchronisiert.

Beim neuen iCloud-Dienst von Apple gibt es kein Äquivalent zur iDisk von MobileMe. Nach dem Umstieg von MobileMe zur iCloud kann die iDisk noch bis zum 30.6.2012 wie gewohnt genutzt werden, danach steht sie nicht mehr zur Verfügung. Die iDisk hat/hatte u.a. den Vorteil, dass sie als Internet-basierte gemeinsame Datei-Ablage für alle Apple-Geräte genutzt werden konnte. Unter OS X konnte sie direkt als Volume eingebunden werden und eine Reihe von iOS-Apps konnten Dateien unmittelbar von der iDisk laden und auch Apple selber hat eine Universal-App für diesen Zweck veröffentlicht. Allerdings war die iDisk – zumindest in Europa – auch für ihre relativ langsamen Zugriffszeiten bekannt.

Vom iCloud-Standpunkt aus betrachtet ist „Documents in the Cloud“ („Dokumente und Daten“) der Dienst, welcher der iDisk am nächsten kommt. Allerdings ist „Documents in the Cloud“ eine App-spezifische Datei- und Datenablage. D.h., jede App, die diesen Service nutzt, hat quasi ihren eigenen Speicherbereich in der Wolke, auf den nur sie zugreifen kann. Glücklicherweise gibt es zwei sehr interessante Gesichtspunkte, die es erlauben, diesen Dienst universeller zu nutzen als Apple dies vorgesehen hat.

Punkt 1 ist die Tatsache, dass „Documents in the Cloud“ alle Daten als ganz normale Dateien im Library-Ordner eines Macs ablegt. Bei Punkt 2 machen wir uns die Tatsache zunutze, dass es iOS-Apps gibt, die recht universell mit Dateien umgehen und diese auch mit anderen Apps öffnen können. Eine solche App ist zweifelsohne „GoodReader“, welche sowohl für das iPhone als auch das iPad verfügbar ist. Allein über „GoodReader“ (bei mir schon über zwei Jahre im Einsatz) könnte man mehrere Artikel schreiben, so vielseitig ist das Programm. Es kann sich mit allerlei Datenquellen verbinden (Dropbox, iDisk, Mailserver, Google Docs, WebDAV-Server, (S)FTP-Server, Web-Downloads, iTunes u.a.), viele Dateitypen anzeigen, Dateien kopieren, verschieben, packen, umbenennen, mit anderen Apps öffnen uvm. Eine weitere wichtige Funktion ist das Versehen von PDF-Dokumenten mit Anmerkungen, so dass z.B. Entwürfe unterwegs durchgesehen werden können. Die neueste Errungenschaft von „GoodReader“ ist jedoch die Nutzung der iCloud als weitere Datenquelle:

goodreader1

Alles, was wir in das iCloud-Verzeichnis von GoodReader verschieben oder kopieren, landet in Apples Wolke und damit letztendlich auf allen unseren Macs, bei denen „Documents in the Cloud“ aktiviert ist. Höchste Zeit, dass wir uns diesen Teil einmal näher ansehen. Alle Apps, die die iCloud nutzen, haben ein Verzeichnis im Ordner „Library/Mobile Documents“. Den GoodReader-Ordner habe ich im folgenden Screenshot farbig markiert:

MobileDocuments

Der Library-Ordner selbst ist seit Lion standardmäßig versteckt. Er kann über das „Gehe zu“-Menü des Finders bei gedrückter Alt-Taste erreicht werden oder mit folgendem Terminal-Befehl dauerhaft sichtbar gemacht werden:

chflags nohidden ~/Library/

Das Tilde-Zeichen wird mit der Tastenkombination Alt-N eingegeben. Im GoodReader-Ordner befindet sich ein Ordner „Documents“, der unsere GoodReader-iCloud-Dokumente enthält:

GoodReader-Ordner

Documents

Wir sehen hier die gleichen sechs Ordner (mit dem gleichen Inhalt), die wir auch oben im GoodReader-Screenshot finden. Die Synchronisation funktioniert aber auch in die umgekehrte Richtung. Dateien, die wir in den Documents-Ordner von GoodReader kopieren, sind wenige Augenblicke später auch in GoodReader sichtbar. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um die iPhone- oder die iPad-Version handelt.

Damit ich das Documents-Verzeichnis von GoodReader auf dem Mac nicht immer im Library-Verzeichnis ausgraben muss, habe ich für dieses Verzeichnis auf dem Schreibtisch ein Alias erzeugt (Ordner mit gedrückten Alt- und Cmd-Tasten auf den Schreibtisch ziehen). Diesen Alias habe ich in „iCloud“ umbenannt und mit dem iDisk-Icon versehen:

iCloud-Desktop

Somit steht nun auch mit der iCloud eine Möglichkeit zur Verfügung, ganz allgemein Dateien zwischen den einzelnen Geräten zu synchronisieren. Die eingangs erwähnte Analogie zur iDisk ist allerdings nicht ganz korrekt. Alle Dateien, die wir in die iCloud legen, sind immer zusätzlich auch auf dem Mac. Das Ganze ist also eher mit dem Dropbox-Dienst zu vergleichen und funktioniert vom Ablauf her auch ziemlich ähnlich.

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Der leere Posteingang

01 Nov 2011
1. November 2011

Nicht mehr Herr über den eigenen Posteingangsordner? Hunderte von E-Mails in der Inbox? Heute möchte ich eine Methode vorstellen, wie wir die Souveränität über unsere elektronische Post zurückerlangen können und empfangene E-Mails professionell managen. Sie ist unter dem Namen „Inbox Zero“ bekannt und wurde von dem amerikanischen Autor Merlin Mann entwickelt. Auf seinen Ideen beruht das Konzept, welches ich hier heute mal etwas ausführlicher vorstellen möchte. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, findet auf seinen Webseiten weitere Informationen. „Inbox Zero“ beruht zum Teil auf „Getting Things Done“ (GTD), eine Methodik, über die wir schon im Zusammenhang mit OmniFocus gesprochen haben. Genug der Vorrede, befassen wir uns mit dem Thema E-Mail.

posteingang

Meine erste E-Mail-Adresse hatte ich – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – im Jahre 1995. Damals wurden noch sehr wenige Nachrichten verschickt und jede E-Mail sorgfältig formuliert. Empfänger waren meist Freunde aus dem universitärem Umfeld, denn außerhalb der Lehranstalten war elektronische Post in Deutschland noch nicht sehr verbreitet. Und „Spam“ war quasi nicht existent. Es war kein System erforderlich, um mit diesen wenigen Nachrichten umzugehen.

Was haben sich die Zeiten geändert. Heute bekomme ich geschätzte 30 bis 50 Nachrichten am Tag und das wären noch viel mehr, wenn ich nicht eine ganze Reihe von Anti-Spam-Maßnahmen getroffen hätte. Persönliche Mails sind nun in der Unterzahl, der große Teil sind Nachrichten von Kunden, Geschäftspartnern und Kollegen, Newsletter und automatische Benachrichtigungen unserer Server (Bestellungen, Berichte, Statistiken, …). Ohne ein System würde sich der Posteingang nun sehr rasch füllen und die E-Mail-Lage wäre unüberschaubar. Ein gutes System sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Es muss simpel sein, damit es mühelos angewendet werden kann.
  • Es muss wiederholbar sein.
  • Es muss vollständig sein, damit jede denkbare E-Mail verarbeitet werden kann.
  • Es darf nur wenige Aktionen (am besten in Form von Verben) geben.

Viele leben in ihrer Inbox und entscheiden anhand ihres Posteingangs, was als nächstes zu tun ist. Das ist aber kein System. Die Inbox ist nur ein Durchgang, in dem wir entscheiden, was mit der E-Mail passiert und wo deren Inhalt letztendlich landet, z.B. im Kalender oder unserer Aufgabenverwaltung. Es ist wichtig, ein gutes System zu haben, denn die Anforderungen an uns sind in der modernen Geschäftswelt nahezu unendlich während unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit nur endlich ist.

Wir können uns das in einem Boxmodell vorstellen. Ein leere Box entspricht unserer Zeit und Aufmerksamkeit. Wir können dort nun wichtige oder unwichtige Dinge hineintun, aber wenn sie voll ist ist sie voll. Es ist also entscheidend, unwichtige Dinge gar nicht erst hineinzulassen. Im Grunde kann man auf alle folgenden Punkte mit gesundem Menschenverstand kommen, dennoch ist es sinnvoll, sich die Dinge einmal systematisch vor Augen zu führen.

boxenmodell

E-Mail ist im wesentlichen nur ein Medium, alles, was wir in einer Nachricht finden, hat in der Regel bereits seinen festen Platz, im Kalender, der Aufgabenliste oder im Ablagesystem für Referenz-Materialien. Im Prinzip kennen wir das bereits vom GTD-System. Daher ist es sinnvoll, den Posteingang schnellstmöglich nach Null zu verarbeiten. Idealerweise schauen wir nie nach neuen E-Mails, ohne diese dann nach Null zu verarbeiten, was bedeutet, dass wir auf jede Nachricht eine ganz bestimmte Aktion anwenden. Das heißt aber nicht, dass wir morgens nach dem Einschalten des Rechners sofort 50 E-Mails beantworten müssen, denn verarbeiten ist weniger als beantworten aber mehr als einfach nur den Posteingang zu „checken“. Beantworten ist nur eine mögliche Aktion auf eine E-Mail. 100 E-Mails zu verarbeiten ist also nicht gleich 100 E-Mails beantworten. Es ist entscheidend, die wichtigen Informationen aus einer E-Mail herauszuarbeiten, danach ist sie quasi nur noch eine leere Hülse, die weggeworfen werden kann.

Prinzipiell gibt es nur fünf Dinge, die mit einer neuen E-Mail passieren können, welche sich mit den folgenden Verben umschreiben lassen:

  • Löschen/Archivieren
  • Delegieren
  • Beantworten
  • Aufschieben
  • Erledigen

Wenden wir eine dieser Aktionen konsequent auf jede neue E-Mail an, kann sich im Posteingang künftig nichts mehr ansammeln. Schauen wir uns die fünf Möglichkeiten einmal genauer an.

Man kann viel mehr E-Mails löschen als man glaubt, denn viele Nachrichten haben so gut wie keinen Informationsgehalt. Hier gilt es einfach die eigene Angst zu überwinden! Wird die enthaltene Information später nochmal benötigt, verschieben wir sie in einen Mail-Ordner namens „Archiv“. Idealerweise ist das nur ein Ordner ohne Unterstruktur, denn das beschleunigt die E-Mail-Verarbeitung wesentlich. Die Suchfunktionen moderner Mail-Clients oder von Systemen wie „Google Mail“ sind heutzutage gut genug, um eine Nachricht auch ohne weitere Unterordner wiederzufinden.

Kann die E-Mail besser von einem Kollegen erledigt werden, leiten wir diese an ihn weiter. Zusätzlich machen wir uns ggf. in unserem GTD-System einen Eintrag, um den Ausgang dieser Sache zu gegebener Zeit weiterzuverfolgen.

Antworten sollte man möglichst kurz fassen, in vielen Fällen genügen ein bis zwei Zeilen. Es ist wichtig, den Ball in Bewegung zu halten und ggf. Rückfragen zu stellen. Leider sind E-Mails oft unproportional, lange Nachrichten verleiten uns zu langen Antworten und kurze Mails können durchaus mal einen Monat nach sich ziehen.

Nicht alles können wir sofort beantworten. Es könnte zum Beispiel zuvor eine Recherche-Arbeit notwendig sein. Solche E-Mails verschieben wir in einen „Bearbeiten“-Ordner, den wir möglichst bis Tagesende weitestgehend abarbeiten, Die Inbox sollte wirklich nur für ungelesene Nachrichten da sein!

Der Rest wird entweder gleich erledigt (GTD sagt: wenn es weniger als zwei Minuten dauert) oder in ein geeignetes System wie dem Kalender oder unserer Aufgabenliste eingetragen.

Wenn wir dieses einfache System verinnerlichen und konsequent anwenden kann unsere Inbox nie wieder außer Kontrolle gelangen. Irgendwann ist man dann so weit, dass gar nicht mehr groß nachgedacht werden muss, die Mails werden einfach „runterverarbeitet“.

Zum Abschluss noch ein paar Tipps und Tricks.

  • E-Mails nicht so häufig abrufen. Das kann ein großer Produktivitätskiller sein und einen ständig aus dem Arbeitsfluss bringen. Ein sinnvolles Intervall kann z.B. einmal pro Stunde sein.
  • Für unwichtige E-Mails wenn möglich einen Filter verwenden, der diese in einen Mail-Ordner „später lesen“ verschiebt, welchen wir einmal pro Tag bearbeiten.
  • Für die Beantwortung von E-Mails empfiehlt sich die Verwendung Vorlagen oder Werkzeugen wie TextExpander, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen.
  • Falls eine sehr große Inbox vorhanden ist und mit „Inbox Zero“ begonnen werden soll, empfiehlt es sich, die alte Inbox in einen neuen Ordner zu verschieben, der dann nach und nach abgearbeitet wird.

Persönliches Fazit

Ich verwende die hier beschriebene Methodik seit etwa einem Jahr an. Sie funktioniert bei mir wie beschrieben und sorgt wie gewünscht für einen leeren Posteingangsordner. Zur Nachahmung empfohlen!

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