Vorbereitung auf Lion

02 Jul 2011
2. Juli 2011

Nur noch ca. 1-2 Wochen und Apple wird die 8. Ausgabe von Mac OS X – seit kurzem auf den Apple-Seiten nur OS X genannt – veröffentlichen: OS X 10.7 („Lion“). Im Gegensatz zur Vorgängerversion „Snow Leopard“, welche sich mehr mit dem technischen Unterbau befasst hat, gibt es diesmal eine Menge neuer Funktionen, z.B. Mission Control, Launchpad, Vollbild-Apps, eine Versionsverwaltung für Dokumente oder die Festplattenverschlüsselung. Da ist es natürlich verlockend, gleich nach Erscheinen des Updates sein System zu aktualisieren. Aber ist das auch eine gute Idee? Das Update auf ein neues „Major Release“ ist nicht vergleichbar mit der Aktualisierung von z.B. 10.6.7 auf 10.6.8, denn die Änderungen am System sind z.T. schon sehr umfassend und tiefgreifend. In diesem Artikel möchte ich Überlegungen, Tipps und Vorbereitungen zum Update weitergeben.

Hardware-Voraussetzungen

Es wird mindestens ein Mac mit „Core 2 Duo“-Prozessor benötigt. Diesen Prozessor hat Apple ab 2007 verbaut. Das System sollte über mindestens 2 GB Hauptspeicher verfügen. Wegen der vielen Touch-Gesten im neuen System empfehle ich darüber hinaus ein Trackpad oder die Magic Mouse.

Software-Voraussetzungen

Lion wird ausschließlich über den App Store vertrieben, welcher mit Mac OS X 10.6.6 Einzug ins System gehalten hat. Da Apple in 10.6.8 laut Release-Notes nochmal am Lion-Update über den Store geschraubt hat, empfiehlt es sich wohl, das Update von dieser Version aus zu starten. Ob man aus dem App-Store-Download auch eine Lion-Boot/Installations-DVD erzeugen kann, hat Apple bisher noch nicht bekanntgegeben (meine Vermutung: ja). Durch den App-Store-Vertrieb kann man Lion auf all seinen Macs installieren und braucht nur einmal die 24 Euro für Lion zu bezahlen. Wer noch kein Snow Leopard hat, ist wahrscheinlich gut beraten, dieses möglichst bald zu erwerben, da 10.6 ja die Grundlage für den Lion-Bezug darstellt und derzeit nicht klar ist, wie lange Snow Leopard noch verkauft wird.

Software-Kompatibilität

Lion wird keine Anwendungen mehr ausführen, die ausschließlich für die PowerPC-Architektur geschrieben sind. Wie findet man heraus, ob solche Apps installiert sind? Dazu starten wir den „System Profiler“ aus dem Ordner Programme/Dienstprogramme und gehen in den Bereich Software > Programme:

Wir sortieren nun nach der Spalte „Art“ (durch Anklicken der Spaltenüberschrift). Alle Programme, die dort mit „PowerPC“ verzeichnet sind, werden unter Lion nicht mehr funktionieren:

Im günstigsten Fall bietet der Hersteller ein Update an, ansonsten muß man sich wohl oder übel nach Alternativen umsehen.

Ein Betriebssystem-Update ist immer auch eine gute Gelegenheit auszumisten und die Apps zu deinstallieren, die man sowieso nicht mehr benötigt.

Aber selbst wenn eine App nicht vom Typ „PowerPC“ ist bedeutet das noch lange nicht, dass sie unter Lion funktionieren wird. Eine Faustregel ist z.B., dass je systemnäher ein Programm arbeitet, desto mehr Probleme sind zu erwarten. Auf der Webseite RoaringApps ist eine wachsende Liste von Programmen zu finden, bei denen verzeichnet ist, ob sie unter Lion laufen, eingeschränkt laufen oder nicht funktionieren. Hier sollte man unbedingt vor dem Update nachschauen, ob die „Brot-und-Butter-Apps“, die man zum täglichen Arbeiten benötigt, unter Lion funktionieren. Ggf. muss man dann mit dem Update warten bis der Hersteller die Lion-Kompatibilität hergestellt hat (oder sich wiederum nach Alternativen umsehen).

Besonders problemanfällig sind Programme, die sogenannte Kernel-Extensions („kexts“) mitbringen, da hier sehr nah am System gearbeitet wird. Eine Liste der laufenden Kernel-Extensions erhalten wir im Terminal (Programme/Dienstprogramme) durch den Befehl:

kextstat | grep -v „apple“

Auf meinem System ist z.B. VMware hiervon betroffen. Dieses Programm benötige ich aus dienstlichen Gründen, daher werde ich wohl erst updaten können, wenn VMware fit für Lion ist. Your mileage may vary, wie der Engländer so schön sagt.

Backup

Vor dem Update sollte man unbedingt ein Backup des aktuellen Systems machen. Somit ist sichergestellt, dass man bei irgendwelchen Problemen mit Lion wieder auf sein altes System zurück kann. Im einfachsten Fall kann das ein Time-Machine-Backup sein (welches man dann aber vorerst nicht unter Lion weiterverwenden sollte). Zusätzlich oder alternativ ist es eine gute Idee, die Festplatte seines Macs zu klonen. Ich verwende dazu „SuperDuper!“, eine Backup-Lösung, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Sie stellt u.a. zuverlässig bootbare Kopien der Systemplatte auf externen Laufwerken oder anderen Partitionen der internen Platte her. Dennoch sollte man sich vorm Update nochmal davon überzeugen, dass man von dem Klon auch erfolgreich sein altes System booten kann.

Zum Thema Backup ließe sich noch einiges schreiben, was aber den Rahmen dieses Update-Artikels sprengen würde.

Die Backups vom alten System sollte man erst wieder löschen/überschreiben, wenn ganz sicher ist, dass man mit Lion problemlos arbeiten kann.

Fehler in Lion

Mit dem Release von Lion wird dieses System erstmals einem sehr großen Nutzerkreis zugänglich. Dabei werden mit Sicherheit Fehler entdeckt, die bisher unbemerkt blieben. Das war bis jetzt immer so. Diese können im Einzelfall durchaus so schwerwiegend sein, dass man nicht wie gewohnt arbeiten kann. Ich empfehle daher in der Regel auf allen Systemen, mit denen ernsthaft gearbeitet werden soll, mindestens auf das 10.7.1-Update zu warten, welches dann hoffentlich die wirklich kritischen Probleme behebt.

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